Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die Vereinigten Provinzen von Americus am 11. September 2001 von einem Terroranschlag getroffen wurden, dessen Bilder sich tief in das Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt haben. Und so trat im Jahre 2026 niemand Geringeres als Imperator Donaldus Magnus Trumpius Caesar, Herrscher des Goldenen Westflügels, Beschützer der Grenzen und selbsternannter oberster Hüter sämtlicher Stärke, vor sein Volk.
Diesmal allerdings ohne Triumphfanfaren, Siegesparade oder die sonst übliche Erwähnung der Größe seiner Menschenmengen.
Denn selbst im Imperium gibt es Tage, an denen die Trompeten schweigen müssen.
Trumpius erinnerte an die 2.977 Menschen, die bei den Anschlägen ihr Leben verloren. Er gedachte der Menschen in den Türmen von Novum Eboracum, der Opfer im Pentagonium von Arlingtonia und der Passagiere von Flug 93, die sich gegen ihre Entführer zur Wehr setzten.
Besonders würdigte der Imperator die Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungskräfte, medizinischen Helfer und unzähligen Freiwilligen, die inmitten von Rauch, Trümmern und Chaos versuchten, Menschenleben zu retten.
Für einen seltenen historischen Moment blieb sogar die kaiserliche Selbstlobtrompete im Schrank.
Fast.
Denn natürlich wäre Trumpius nicht Trumpius, wenn eine Proklamation vollständig ohne Hinweise auf die Stärke seiner Herrschaft auskommen müsste.
So erklärte der Caesar, seine Administration habe selbstverständlich dafür gesorgt, dass Americus über die „stärksten und tödlichsten Legionen verfügt, die die Welt jemals gesehen hat“ – vermutlich einschließlich jener Legion, die täglich das kaiserliche Prädikat „größte aller Zeiten“ polieren muss.
Auch die außenpolitische Doktrin des Reiches wurde erneut verkündet:
Pax per Fortitudinem – Frieden durch Stärke.
Oder wie es vermutlich im Palast übersetzt wird:
„Wir wollen Frieden. Aber nur, wenn alle vorher gesehen haben, wie groß unsere Schwerter sind.“
Trumpius erinnerte daran, dass Terrorismus und Hass nicht einfach mit dem Kalender verschwinden. Freiheit, Sicherheit und demokratische Werte müssten verteidigt werden. Eine Aussage, die selbst im ansonsten chronisch übergoldeten Trumpianischen Reich erstaunlich wenig satirische Nachbearbeitung benötigt.
Doch dann erreichte die Proklamation ihre klassische imperiale Endstufe.
Kraft des Gesetzes, kraft seines Amtes und vermutlich auch kraft der Tatsache, dass seine Unterschrift nach eigener Einschätzung mindestens dreimal prächtiger aussieht als jede andere Unterschrift, erklärte Donaldus Trumpius Caesar den 11. September 2026 zum Patriotentag des Amerikanischen Imperiums.
Alle Behörden, Ministerien und sonstigen Institutionen wurden angewiesen, die Flaggen auf Halbmast zu setzen.
Auch die Statthalter der Provinzen und Territorien wurden eingeladen, sich dem Gedenken anzuschließen.
Keine goldenen Triumphbögen.
Keine roten Teppiche.
Keine kaiserlichen Siegeswagen.
Nur Erinnerung.
Denn trotz aller politischen Inszenierung bleibt der 11. September ein Tag, an dem Satire ihre Grenze dort findet, wo Menschen starben, andere ihr Leben riskierten und Familien bis heute mit den Folgen leben.
Vielleicht liegt gerade darin die ungewöhnlichste Botschaft dieser Proklamation:
Selbst ein Imperator, der gewöhnlich jedes Ereignis in eine Episode der großen Trumpius-Saga verwandelt, muss gelegentlich anerkennen, dass manche Geschichten größer sind als der Mann, der sie erzählt.
Und so endet die kaiserliche Schrift im Jahre des Herrn 2026 und im 251. Jahr der amerikanischen Unabhängigkeit mit der mächtigsten Formel des Trumpianischen Reiches:
DONALDUS J. TRUMPIUS CAESAR
Imperator Americae.
Defensor Patriae.
Custos Legionum.
Und für diesen einen Tag:
ein Mann, der die Fahne auf Halbmast setzen lässt, statt seinen eigenen Namen daraufzuschreiben.

