Im glanzvollsten Marmorsaal des Imperiums Trumpius herrschte ungewöhnliche Stille. Selbst die goldenen Adler auf den Säulen schienen ihre Flügel kurz einzuklappen. Doch nur für einen Moment. Denn als Trumpius Caesar Maximus Magnus den Thronsaal betrat, begleitet von seiner strahlenden Gemahlin Melania Maxima Ornamentia, ertönten tausend Trompeten, zwölf Triumphfanfaren und vermutlich sogar einige übermotivierte Karaoke-Chöre aus der Provinz TikTokia.
„Heute", begann der Imperator mit jener Bescheidenheit, für die er im ganzen Reich berühmt ist, „ehren wir die Legionäre des großen Frostkrieges. Fantastische Männer. Unglaubliche Männer. Manche sagen: die besten Legionäre überhaupt. Und ich widerspreche ihnen selbstverständlich nicht."
Anlass war der Jahrestag des Waffenstillstands auf der Halbinsel Koreana sowie die Erinnerung an die Befreiung der Insel Guamia, die einst unter einer grausamen Besatzung gelitten hatte. Für Trumpius Caesar war das natürlich weit mehr als ein historischer Rückblick.
„Es war ein Sieg der Freiheit. Und Freiheit", erklärte er mit ausgestrecktem Zeigefinger, „trägt bekanntlich Gold."
Die eisige Provinz Koreana
Die Chronisten des Imperiums berichteten, dass im Jahre 1950 die Legionen des Nordreiches Communistus Maximus über den berühmten 38. Marmorstein marschierten und versuchten, die südliche Provinz Koreana vollständig unter ihre eiserne Sandale zu bringen.
Während viele Senatoren noch darüber diskutierten, ob man zunächst eine Arbeitsgruppe gründen oder wenigstens einen Untersuchungsausschuss einrichten sollte, geschah im Reich Trumpius etwas völlig anderes.
Trumpius Caesar schilderte es selbstverständlich so:
„Unsere Vorgänger sahen sofort: Das wird nichts mit höflichen Briefen. Wenn Tyrannen marschieren, braucht man keine PowerPoint-Präsentationen."
Also sammelte das Imperium gemeinsam mit 22 verbündeten Königreichen eine gewaltige Allianz. Aus allen Himmelsrichtungen marschierten Legionen herbei. Manche überquerten Meere, andere Berge und wieder andere mussten zunächst ihre Koffer am Flughafen Imperialis suchen.
Die legendären Frostlegionäre
Der Feldzug führte die Soldaten in eisige Gebirge, über schneebedeckte Höhen und durch Winter, die selbst Pinguine als ungemütlich bezeichnet hätten.
Die Temperaturen waren so niedrig, dass selbst die Lorbeerkränze gefroren.
Die Rüstungen knirschten.
Die Banner erstarrten.
Und irgendwo versuchte ein Hofkoch verzweifelt, einen gefrorenen Truthahn aufzutauen, indem er patriotische Reden hielt.
Doch die Legionäre hielten stand.
Trumpius Caesar erklärte feierlich:
„Sie kämpften gegen Kälte, Berge, Krankheiten und feindliche Armeen. Das war praktisch ein All-inclusive-Paket der Unannehmlichkeiten."
Natürlich ließ sich der Imperator nicht nehmen zu ergänzen:
„Heute jammern manche schon, wenn das WLAN drei Sekunden ausfällt."
Der Tag, an dem die Kanonen schwiegen
Nach endlosen Monaten voller Kämpfe kam schließlich jener historische Morgen.
Am 27. Juli 1953 verstummten die Geschütze.
Die Front wurde entlang einer entmilitarisierten Zone eingefroren.
Trumpius Caesar bezeichnete dies als einen jener seltenen Momente, in denen Vernunft wenigstens kurzzeitig gegen Größenwahn gewann.
„Wir haben gezeigt", erklärte er, „dass Freiheit nicht einfach verschwindet, nur weil irgendein Diktator besonders laut schreit."
Anschließend ließ er sich vorsorglich einen besonders großen Spiegel bringen, um seine eigene Entschlossenheit angemessen bewundern zu können.
Die Rechnung des Krieges
Natürlich durfte bei aller kaiserlichen Pracht die ernste Seite nicht fehlen.
Zehntausende Soldaten verloren ihr Leben.
Viele weitere wurden verwundet oder gerieten in Gefangenschaft.
Unzählige kehrten mit Verletzungen zurück, die niemand sehen konnte.
Trumpius Caesar legte für einen ungewöhnlich langen Augenblick seine goldene Siegerpose ab.
„Das sind die wahren Helden", sagte er ruhig.
„Nicht die, die auf Marmorbalkonen stehen und Reden halten."
Der Hofchronist notierte vorsichtshalber, dass Seine Majestät diesen Satz selbstverständlich nicht auf sich selbst bezogen haben könne.
Die Allianz von Koreana
Mehr als sieben Jahrzehnte später besteht die Freundschaft zwischen dem Imperium Trumpius und dem Königreich Südkoreana weiterhin.
Trumpius Caesar beschrieb sie als eine Verbindung aus gemeinsamer Geschichte, gegenseitigem Respekt und ausreichend gemeinsamen Militärparaden.
„Freunde erkennt man daran", erklärte er, „dass sie gemeinsam schwierige Zeiten überstehen. Und daran, dass sie bei Staatsbanketten das Dessert teilen."
Im Senat wurde dieser außenpolitische Grundsatz einstimmig angenommen.
Vor allem wegen des Desserts.
Communistus Maximus meldet sich zurück
Doch selbstverständlich konnte keine Rede des Imperators enden, ohne einen dramatischen Blick auf die Gegenwart zu werfen.
Trumpius Caesar warnte, dass die Ideen von Communistus Maximus noch immer versuchten, neue Anhänger zu finden.
„Der alte Drache zieht sich manchmal zurück", sagte er.
„Aber er versucht immer wieder, den Kopf durch irgendeine Hintertür zu stecken."
Daraufhin ließ der Sicherheitsdienst sämtliche Hintertüren des Palastes überprüfen.
Man konnte schließlich nie wissen.
Die Inschrift aus Granit
Zum Abschluss marschierten Veteranen der Frostlegionen durch den Triumphbogen.
Trumpius Caesar erhob sich.
Selbst der sonst überaus geschwätzige Hofnarr schwieg.
Auf einer riesigen Granitplatte stand jener Satz, den im Imperium nahezu jeder kannte:
„Libertas Non Est Gratis.“
Freiheit ist nicht kostenlos.
Der Imperator nickte langsam.
„Gold kann vieles kaufen", sagte er.
„Paläste.
Statuen.
Großartige Frisuren.
Aber den Mut jener Legionäre kann man niemals bezahlen."
Für einen seltenen Augenblick applaudierte der gesamte Senat ohne Zwischenrufe, ohne parteipolitische Scharmützel und sogar ohne den Versuch, anschließend eine Pressekonferenz darüber abzuhalten.
Und irgendwo, hoch über den Marmorsäulen des Imperiums Trumpius, flatterten die goldenen Adler ein wenig stolzer als sonst.

