Es war wieder einmal ein großer Abend im Imperium Americanum. Ein historischer Abend. Vielleicht sogar der historischste Abend seit gestern.
Im marmorgekühlten Palatium Album trat Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Bezwinger der Teleprompter, Hüter des Goldenen Filzstifts und selbsternannter Erfinder des gesunden Menschenverstandes, vor die versammelten Chronisten und ließ eine neue Steintafel aus dem Archiv der kaiserlichen Wahrheiten tragen.
Darauf eingemeißelt:
„DECEM PECCATA DEMOCRATICA.“
Die zehn Verfehlungen der liberalen Opposition.
Denn nach Darstellung des Hofes haben die Republikaner unter Trumpius natürlich Steuern gesenkt, Familien gerettet, Grenzen bewacht, Wohlstand gemehrt, Kinder geschützt, Verbrecher vertrieben und vermutlich nebenbei noch drei undichte Aquädukte repariert.
Die Democrati Extremissimi hingegen, so verkündeten die Fanfaren des Palastes, hätten bei nahezu jeder Gelegenheit exakt das Gegenteil getan.
Trumpius ließ daher zehn Fälle öffentlich verlesen.
Und zwar selbstverständlich nicht leise.
I. Der Sozialismus, das rote Gespenst im Senat
Besonders empört zeigte sich der Hof darüber, dass 192 Democrati gegen eine Resolution gestimmt hätten, die den Sozialismus verurteilen sollte.
Im Palast wurde dies ungefähr so interpretiert:
„Sie wollen morgen früh sämtliche Hamburger verstaatlichen.“
Trumpius ließ sofort überprüfen, ob irgendwo bereits ein staatliches McDonald’s eröffnet worden sei.
Hofpropagandist Karolinia Leavittissima erklärte, die Abstimmung beweise endgültig, dass die radikale Linke Grenzen öffnen, Gefängnisse abschaffen, Polizei durch Gesprächskreise ersetzen und jedem illegal Eingereisten vermutlich noch einen kostenlosen Streitwagen mitgeben wolle.
Eine bemerkenswert effiziente Schlussfolgerung aus einer einzigen Abstimmung.
II. Die große Steuersenkung und das Sakrileg der Opposition
Der zweite Anklagepunkt wog besonders schwer.
Die Democrati hätten geschlossen gegen Trumpius’ gigantische Steuersenkungen gestimmt.
Der Imperator erinnerte daran, dass seine Politik unter anderem steuerliche Vergünstigungen für Trinkgelder, Überstunden und Sozialleistungen sowie neue Anlagekonten für Kinder vorgesehen habe.
Im kaiserlichen Sprachgebrauch bedeutete dies:
„Jeder Amerikaner bekommt mehr Geld.“
Ob tatsächlich jeder einzelne Amerikaner mehr erhält, musste nicht näher geklärt werden.
Solche Details sind im Imperium traditionell Aufgabe der Historiker.
Und Historiker bekommen ihre Akten grundsätzlich erst nach Ablauf der Regierungszeit.
III. Persia Malefica und die 53 Ungläubigen
Als drittes wandte sich Trumpius dem Reich Persia Iranica zu.
Iran sei, erklärte der Hof, das gefährlichste Terrorregime der Welt und dürfe niemals eine Atomwaffe erhalten.
Trumpius bezeichnete sich dabei indirekt als ersten Präsidenten seit 47 Jahren, der den Mut besitze, Teheran wirklich entgegenzutreten.
47 Jahre.
Eine außerordentlich präzise Zahl.
Im Palast wurde sie vermutlich mit einem sehr großen Taschenrechner berechnet.
53 Democrati hätten sich gegen eine entsprechende Resolution gestellt.
Trumpius blickte bedeutungsschwer in die Ferne.
Oder möglicherweise auf einen Fernseher.
IV. Senatoren, Aktien und die Magie des Vorwissens
Anklagepunkt vier beschäftigte sich mit einem Thema, das selbst im römischen Senat bekannt gewesen wäre:
Politiker, die erstaunlich erfolgreich an der Börse handeln.
Das Stop Insider Trading Actum sollte verhindern, dass Abgeordnete aus privilegierten Informationen persönlichen Profit schlagen.
Fast 200 Democrati hätten dagegen gestimmt, verkündete der Hof.
Trumpius zeigte sich schockiert.
Im gesamten Palatium wurden daraufhin vorsorglich sämtliche Bloomberg-Terminals unter schwere Bewachung gestellt.
V. Was kostet eigentlich der Kaiserschnitt?
Punkt fünf:
Preistransparenz im Gesundheitswesen.
Nach Darstellung des Weißen Palastes hätten Democrati gegen Regeln gestimmt, nach denen Krankenhäuser Preise deutlich offenlegen müssten.
Eine geradezu revolutionäre Idee für das amerikanische Gesundheitssystem:
Vor der Behandlung erfahren, ob man danach noch ein Haus besitzt.
Trumpius soll erwogen haben, das Konzept auch auf Restaurants auszudehnen.
VI. Die große Schlacht um den Lichtbildausweis
Besonders dramatisch wurde es beim Thema Wahlrecht.
Die Republikaner unterstützen den SAVE AMERICA Actum, der unter anderem den Nachweis der US-Staatsbürgerschaft bei der Registrierung sowie einen Lichtbildausweis bei der Stimmabgabe verlangen soll.
Die Democrati hätten das wiederholt geschlossen blockiert.
Für Trumpius war die Sache damit eindeutig:
Ohne Ausweis keine sichere Wahl.
Demokraten entgegnen solchen Vorschlägen regelmäßig, dass zusätzliche Anforderungen wahlberechtigte Bürger von der Teilnahme abhalten könnten.
Doch diese Fußnote passte nicht auf die kaiserliche Steintafel.
VII. Die Arena der Frauen
Punkt sieben führte direkt in den wohl zuverlässigsten Kulturkampf des Imperiums:
Transgender-Athletinnen im Frauensport.
Trumpius hatte bereits per Dekret entsprechende Beschränkungen verfügt.
Die Republikaner wollten diese Regeln gesetzlich verankern, Democrati blockierten dies.
Im Palast wurde daraus:
„Wir schützen Töchter, sie schützen Ideologie.“
Politik kann erstaunlich einfach sein, sobald man sämtliche Zwischentöne aus dem Fenster wirft.
VIII. Medicaidus und die Behandlung Minderjähriger
Auch bei medizinischen Behandlungen transgender Minderjähriger zog der Hof die nächste Frontlinie.
Mehr als 200 Democrati hätten gegen ein Gesetz gestimmt, das Bundesmittel aus Medicaid für solche Behandlungen verhindern sollte.
Trumpius präsentierte die Abstimmung als Beweis dafür, dass seine Gegner Steuergelder für radikale medizinische Experimente verwenden wollten.
Die Democrati würden dieselbe Abstimmung selbstverständlich anders beschreiben.
Aber im Imperium Trumpianum gilt eine goldene Regel:
Wer zuerst „COMMON SENSE!“ ruft, bekommt die größere Schlagzeile.
IX. Lex Laken Riley
Dann wurde es ernst.
Der Hof erinnerte an die ermordete Krankenpflegestudentin Laken Riley und an das nach ihr benannte Gesetz, das strengere Festnahme- und Abschiebungsregeln für bestimmte Migranten ohne legalen Aufenthaltsstatus vorsieht.
Nahezu 200 Democrati hätten gegen das Gesetz gestimmt.
Im Fact Sheet des Palastes wurde daraus unmittelbar der Vorwurf, Demokraten stellten sich auf die Seite gewalttätiger illegaler Einwanderer.
Eine politische Argumentation ungefähr von der Feinfühligkeit eines Katapults.
Trumpius ließ dennoch verkünden:
„Wir schützen Amerikaner. Sie schützen Kriminelle.“
Nuancen wurden anschließend wegen mangelnder Loyalität aus dem Saal entfernt.
X. Das Imperium schließt
Zum großen Finale präsentierte Trumpius die Regierungsstillstände.
Gleich zwei Shutdowns, behauptete der Hof, seien durch demokratische Blockade verursacht worden.
Milliarden habe dies die Wirtschaft gekostet.
Millionen Amerikaner seien betroffen gewesen.
Die Democrati hätten immer wieder gegen Finanzierungsmaßnahmen gestimmt, weil sie unter anderem mehr Gesundheitsversorgung für Migranten und weniger Mittel für das Department of Homeland Security gewollt hätten.
Im Palatium klang dies kürzer:
„Demokraten schließen Amerika.“
Ein Satz, der praktischerweise auf jede Wahlkampftafel passt.
Der Imperator zieht Bilanz
Nach zehn Punkten erhob sich Trumpius Caesar von seinem goldenen Thron.
Hinter ihm flatterten 47 Fahnen.
Mindestens.
„Dies“, verkündete der Hof sinngemäß, „ist nicht mehr die Partei eurer Großeltern.“
Die heutige demokratische Partei sei radikal, sozialistisch, migrationsfreundlich, polizeifeindlich, steuerfreudig, sicherheitsgefährdend und vermutlich auch verantwortlich dafür, wenn beim Drive-in die Pommes fehlen.
Demgegenüber stehe selbstverständlich die Factio Republicana Trumpiana:
Familie.
Arbeit.
Sicherheit.
Grenze.
Geld.
Vernunft.
Und sehr große Großbuchstaben.
So endete die Präsentation der zehn demokratischen Todsünden.
Die Trompeten erklangen.
Die Steintafeln wurden ins Archiv getragen.
Und Trumpius Caesar schritt davon, zufrieden mit der Erkenntnis, dass Politik auch 2026 noch erstaunlich übersichtlich sein kann:
Auf der einen Seite das Gute.
Auf der anderen Seite die Democrati.
Dazwischen?
Wahlkampf.

