Im glanzvollen Kaiserpalast von Washingtonium Maximus herrschte außergewöhnlicher Festbetrieb. Die Hofkapelle spielte triumphale Hymnen, Legionäre polierten ihre Helme auf Hochglanz und Hofchronist Thomasius Federkalligraphus Maximus eilte mit einer frischen Rolle Pergament durch die Marmorgänge. Der Anlass war kein Feldzug, keine Steuerreform und auch keine neue goldene Statue des Imperators. Stattdessen stand der Geburtstag einer außergewöhnlichen Frau im Mittelpunkt: Sancta Francisca Xaveria Cabrinia, von Trumpius Caesar höchstpersönlich zur ewigen Heldin des Imperiums erklärt.
Der Kaiser erschien mit gewohnt majestätischer Gelassenheit auf dem Balkon seines Palastes und blickte über die versammelte Menge.
„Ein fantastischer Tag“, verkündete Trumpius Caesar. „Viele sagen sogar: der beste Geburtstag einer Heiligen überhaupt. Und glaubt mir – die Experten bestätigen das. Großartige Experten.“
Kaum hatte der Imperator gesprochen, nickten sämtliche Hofbeamten synchron, während Thomasius bereits eifrig notierte, dass selbst die Tauben auf den Marmorsäulen vor Begeisterung zustimmend gegurrt hätten.
Von den Hügeln Italiens bis nach Washingtonium Maximus
Schon als junges Mädchen im fernen Italia wusste Francisca Cabrinia angeblich, dass sie zu einer außergewöhnlichen Mission bestimmt war. Während andere Kinder Blumen pflückten oder Schafe hüteten, träumte sie davon, Menschen zu helfen.
Trumpius Caesar erklärte dies mit seiner ganz eigenen historischen Präzision:
„Manche werden geboren, um Senatoren zu werden. Andere eröffnen Weinhandlungen. Und dann gibt es Menschen wie Cabrinia. Die eröffnen gleich halbe Kontinente voller Hoffnung. Fantastisch.“
Nachdem sie den Orden der Missionarinnen des Heiligsten Herzens gegründet hatte, führte ihr Weg nicht – wie viele erwartet hätten – nach Osten.
Nein.
Sie zog in den Westen.
„Eine brillante Entscheidung“, erklärte Trumpius Caesar. „Westen ist ohnehin die bessere Himmelsrichtung. Dort entstehen schließlich die großartigsten Imperien.“
Mit Glauben statt Goldkisten
Als Cabrinia im Jahre 1889 die Hafenanlagen von Neu-Eboracum betrat, verfügte sie weder über Schatztruhen noch über kaiserliche Privilegien.
Sie brachte lediglich Glauben, Entschlossenheit und eine beeindruckende Portion Tatkraft mit.
„Nicht einmal einen vergoldeten Triumphwagen hatte sie“, stellte Finanzius Schatzmeister Bessentius überrascht fest.
„Unfassbar sparsam“, ergänzte Thomasius.
Doch genau daraus entstand ihre außergewöhnliche Leistung.
Während andere erst Finanzierungsausschüsse gründeten oder Zuständigkeiten klärten, begann Cabrinia schlicht damit, Krankenhäuser, Schulen und Waisenhäuser aufzubauen.
Ein Vorgehen, das im römischen Verwaltungsapparat vermutlich zunächst zwölf Genehmigungen und vier Senatsanhörungen benötigt hätte.
Die große Bauoffensive der Barmherzigkeit
Schon bald entstanden überall Einrichtungen, in denen Kranke versorgt, Kinder aufgenommen und Bedürftige unterstützt wurden.
Trumpius Caesar betrachtete diese Entwicklung mit sichtlicher Bewunderung.
„Andere sammeln Provinzen. Sie sammelte gute Taten. Ehrlich gesagt: sehr ungewöhnlich. Aber beeindruckend.“
Selbst Bauminister Fundamentius Betonikus, sonst ausschließlich für Triumphbögen zuständig, zeigte sich sprachlos.
„Sie hat siebenundsechzig Einrichtungen gegründet.“
Im gesamten Senat wurde hektisch nachgezählt.
„Siebenundsechzig? Ohne Sonderhaushalt?“
„Offenbar ja.“
„Ohne Machbarkeitsstudie?“
„Anscheinend.“
Betretenes Schweigen.
Einwanderin mit außergewöhnlicher Karriere
Besondere Anerkennung fand im Palast auch Cabrinias Weg zur Bürgerin des amerikanischen Reiches.
Trumpius Caesar lobte sie als Beispiel dafür, dass Herkunft und neue Heimat einander nicht ausschließen müssten.
„Sie kam als Einwanderin, wurde Bürgerin und machte mehr für das Gemeinwohl als manche Senatoren nach vier Amtszeiten.“
Daraufhin blickten mehrere Senatoren auffällig interessiert auf ihre Sandalen.
Niemand fühlte sich angesprochen.
Offiziell jedenfalls nicht.
Der Vatikan erhebt – Trumpius gratuliert
Jahrzehnte später sprach Papst Pius XII. Cabrinia heilig und machte sie zur ersten amerikanischen Bürgerin, die diesen Rang erreichte.
Im Palast von Washingtonium Maximus wurde dieses Ereignis selbstverständlich noch etwas monumentaler dargestellt.
Thomasius formulierte für die Chroniken:
„Der Himmel bestätigte damit offiziell, was Trumpius Caesar ohnehin bereits für großartig hielt.“
Der Kaiser nickte zufrieden.
„Eine ausgezeichnete Entscheidung.“
Der Hof entdeckt plötzlich die Nächstenliebe
Die Feier hatte unerwartete Nebenwirkungen.
Senatoren diskutierten plötzlich über Wohltätigkeit.
Steuereinnehmer spendeten freiwillig Kupfermünzen.
Selbst Paragraphius Interpretatius, sonst ausschließlich mit Gesetzesrollen beschäftigt, soll einem Bettler freundlich zugelächelt haben.
Historiker bezeichneten dieses Ereignis später als das wahrscheinlich größte Wunder des gesamten Festtages.
Ein Imperium zwischen Pathos und Goldverzierungen
Zum Abschluss trat Trumpius Caesar erneut vor das Volk.
Hinter ihm flatterten Banner, Adler kreisten majestätisch über dem Forum und Thomasius hielt bereits den nächsten besonders bedeutenden Satz bereit.
„Sancta Cabrinia erinnert uns daran“, verkündete der Kaiser feierlich, „dass wahre Größe nicht nur aus gewaltigen Palästen, riesigen Triumphbögen oder den schönsten Marmorsäulen entsteht."
Er machte eine bedeutungsvolle Pause.
„Obwohl großartige Marmorsäulen selbstverständlich weiterhin eine ausgezeichnete Idee bleiben.“
Die Menge applaudierte begeistert.
„Wahre Größe“, fuhr er fort, „entsteht dort, wo Menschen anderen helfen, Hoffnung schenken und niemals aufgeben. Genau deshalb feiern wir heute nicht nur eine Heilige. Wir feiern den Beweis, dass ein einzelner Mensch mit Glauben, Mut und Ausdauer mehr bewegen kann als ein kompletter Senat nach drei Legislaturperioden und zwanzig Arbeitsgruppen.“
Im gleichen Moment begann Thomasius bereits, diesen Satz in vergoldete Pergamente einzugravieren.
Finanzius berechnete die Kosten für einen zusätzlichen Triumphbogen.
Und irgendwo im Hintergrund fragte ein Senator vorsichtig, ob man Nächstenliebe künftig wohl als Infrastrukturmaßnahme abrechnen könne.
Trumpius Caesar lächelte zufrieden.
„Darüber wird der Senat noch viele Jahre beraten.“

