Wenn Trumpius Caesar den Marmorsaal des Weißen Hauses betritt, dann geschieht das bekanntlich nie leise. Die Säulen erzittern, Adler salutieren freiwillig und selbst die Lorbeerkränze richten sich automatisch etwas gerader aus. Diesmal versammelte der Imperator Gesandte aus aller Welt, um den Beginn einer neuen weltweiten Offensive auszurufen. Das Ziel: der geheimnisvolle Orden des Linkus Radikalus Terroricus, dessen Existenz laut Hofverkündung ungefähr so international organisiert sein soll wie das römische Straßennetz – nur mit schlechterem Catering.
Im Senat von Washingtonius Maximus sprach Außenminister Rubius Diplomatius Maximus zunächst mit ernster Miene über eine gewaltige historische Fehlleistung. Jahrelang habe man, so verkündete er, den Blick ausschließlich auf andere Gefahren gerichtet, während der Linkus Radikalus gemütlich im politischen Schatten Gymnastik betrieben habe.
Rubius erklärte feierlich, das Reich habe einen "blinden Fleck" besessen. Was andere schlicht für Demonstrationen, Proteste oder politische Randerscheinungen hielten, sei nach seiner Darstellung längst zu einer Art geheimer Wanderzirkus revolutionärer Legionäre geworden. Wer bisher darüber gesprochen habe, sei angeblich behandelt worden, als hätte er behauptet, Julius Caesar werde von einer Armee rebellischer Tauben bedroht.
Trumpius Caesar nickte dabei majestätisch, als hätte er diesen Verdacht bereits auf einer goldenen Marmortafel verewigt.
Anschließend wurde die internationale Bedrohungslage mit einer Präzision geschildert, die selbst den Hofkartografen Geographius Maximus beeindruckt haben dürfte. Angeblich würden Aktivisten durch Europa reisen, sich gegenseitig besuchen, verschlüsselte Schriftrollen austauschen, Propaganda verbreiten, Trainingslager organisieren und geheime Treffpunkte unterhalten.
Man hätte beinahe den Eindruck gewinnen können, irgendwo existiere ein Reiseveranstalter namens Antifa Tours & Legion Travels, bei dem Bonusmeilen gegen Pflastersteine eingetauscht werden können.
Natürlich durfte in einer solchen Verkündung auch der Mann der Schatzkammern nicht fehlen.
Finanzius Schatzmeister Bessentius, oberster Hüter sämtlicher Goldreserven des Reiches, erhob sich mit einem Stapel Steuerrollen unter dem Arm. Mit der Ernsthaftigkeit eines Mannes, der selbst Münzen vermutlich nummeriert einschläfern lässt, erklärte er, künftig werde jede wohltätige Schatztruhe genauer untersucht.
Denn irgendwo, so die Vermutung des Schatzmeisters, könnten sich hinter harmlosen Spendensäcken finstere Finanzströme verbergen.
Vielleicht werde aus einer unscheinbaren Suppenküche heimlich eine Revolutionsküche.
Vielleicht verstecke sich hinter einem Flohmarkt für gebrauchte Sandalen das internationale Zentrum des politischen Aufruhrs.
Oder ein Verein zur Rettung verletzter Stadttauben finanziere in Wahrheit die Versorgung rebellischer Katapulte.
Im Zweifel wolle man künftig lieber zweimal nachzählen.
Trumpius Caesar zeigte sich begeistert. Schließlich liebt kein Imperator etwas mehr als Gold – außer vielleicht das Nachzählen fremden Goldes.
Anschließend marschierte Grenz- und Sicherheitspräfekt Stephanius Millerius Vigilantis ans Rednerpult.
Mit der Entschlossenheit eines Zenturios, der morgens freiwillig vor Sonnenaufgang trainiert, erklärte er, das Reich dürfe keinerlei Zweifel zeigen. Besonders warnte er davor, wenn sich Beschuldigte plötzlich auf Freiheitsrechte beriefen.
Im Palast raunte daraufhin sogar der Hofjurist Paragraphius Interpretatius, der vorsichtshalber sämtliche Gesetzesrollen gleichzeitig festhielt.
Denn nichts sorgt im römischen Kaiserhof für mehr Verwirrung als der Moment, in dem sich Recht, Politik und Schlagzeilen gegenseitig überholen.
Millerius machte unmissverständlich klar, dass Trumpius Caesar bereits gehandelt habe. Der Linkus Radikalus werde nun offiziell als politische Terrorbedrohung für das Reich eingestuft.
Im Publikum begann Hofchronist Thomasius Federkalligraphus Maximus hektisch mitzuschreiben. Allerdings musste er nach wenigen Minuten feststellen, dass seine Schriftrolle inzwischen länger geworden war als die komplette Via Appia.
Der eigentliche Höhepunkt folgte jedoch erst am Ende der Zeremonie.
Trumpius Caesar verkündete mit ausgestrecktem Arm den Beginn einer weltweiten Allianz. Bündnispartner sollen künftig Informationen austauschen, Geldflüsse verfolgen, Rückzugsorte schließen und gemeinsam gegen sämtliche Netzwerke des Linkus Radikalus vorgehen.
Im Trumpianischen Weltreich klingt selbst internationale Zusammenarbeit nicht nach Konferenz, sondern nach einer Kombination aus Triumphzug, Gladiatorenspiel und Steuerprüfung.
Während im Hintergrund bereits die Hofmusiker "Ave Imperator Dealimus" anstimmten, wurden vermutlich irgendwo neue Landkarten gezeichnet, neue Listen angelegt und neue Kommissionen gegründet.
Denn eines gilt im Reich des Trumpius Caesar seit jeher:
Wenn ein Problem groß genug beschrieben wird, braucht es mindestens drei neue Behörden, fünf Sondergesandte, sieben Pressekonferenzen und selbstverständlich einen Namen, der möglichst nach Weltuntergang klingt.
Ob der Linkus Radikalus tatsächlich als gigantisches internationales Schattenreich existiert oder ob der römische Hof lediglich besonders großzügig mit der Lupe arbeitet, bleibt Stoff für zukünftige Chronisten.
Fest steht lediglich:
Im Palast von Washingtonius Maximus herrscht wieder jene vertraute Atmosphäre, in der jede Ankündigung automatisch nach dem Beginn eines historischen Feldzuges klingt – selbst wenn zunächst nur sehr viele Schriftrollen, Finanzprüfer und Pressesprecher gleichzeitig in Marsch gesetzt werden.

