WASHINGTONIUM, IMPERIUM AMERICANUM.
Es begab sich im glorreichen Monat Augustus, benannt selbstverständlich nicht nach irgendeinem alten Kaiser, sondern vermutlich rückwirkend zu Ehren von Donaldus J. Trumpius Caesar Maximus, dass die Schriftgelehrten des Reiches eine Zahl verkündeten, die selbst die Marmorsäulen des Kapitols leicht erzittern ließ:
162.000 neue Arbeitsplätze!
Dreimal mehr, so ließ der Palast verkünden, als jene Ökonomen erwartet hatten, die seit Jahrhunderten hauptsächlich dafür bezahlt werden, Zahlen vorherzusagen, damit man anschließend erklären kann, warum die Zahlen völlig anders waren.
Der kaiserliche Sprecher Kushus Desaius Vox Maxima trat auf die goldene Treppe des Weißen Palastes und verkündete, Amerika befinde sich mitten in einem „historischen Investitionsboom“.
Historisch!
Boom!
Investitionen!
Drei Wörter, die im Trumpius-Imperium grundsätzlich nur gemeinsam auftreten und vorzugsweise von Fanfaren begleitet werden.
Jobs! Jobs! Jobs! Und vermutlich noch mehr Jobs!
Seit der zweiten Thronbesteigung des großen Trumpius seien inzwischen mehr als eine Million Arbeitsplätze im privaten Sektor entstanden. Gleichzeitig sei der Anteil der Bundesbediensteten so niedrig wie noch nie.
Der Kaiser wertete dies selbstverständlich als Beweis dafür, dass seine Regierung außerordentlich erfolgreich darin sei, weniger Regierung zu beschäftigen.
Ein Triumph, den vermutlich nur Trumpius vollbringen kann.
Während andere Herrscher Beamte einstellen, lässt Trumpius Fabriken einstellen.
Die Rückkehr der heiligen Fabrikhalle
Besonders stolz blickte das Imperium auf die Produktion.
16.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie seien allein im August entstanden – der stärkste monatliche Zuwachs seit drei Jahren. Insgesamt seien es 58.000 neue Industriearbeitsplätze im laufenden Jahr.
Die Hallen des Reiches hallen wieder vom Klang der Maschinen!
Pharma!
Verteidigung!
Halbleiter!
Rechenzentren!
Und vermutlich irgendwo ein sehr großer Mann mit Schutzhelm, der auf ein Stahlrohr zeigt und sagt:
„Beautiful pipe. Nobody has pipes like us.“
Trumpius nennt es die Renaissance Manufacturica Americana.
Andere nennen es Industriewachstum.
Aber das klingt natürlich deutlich weniger nach Triumphbogen.
Auch die Bauarbeiter marschieren
Weitere 22.000 Stellen entstanden laut Palast im Baugewerbe.
Besonders die Fabrikerrichtung floriert. Seit Beginn der zweiten Ära Trumpiana seien fast 100.000 Arbeitsplätze im Fabrikbau hinzugekommen.
Ganz Amerika scheint inzwischen eine gigantische Baustelle zu sein.
Überall Beton.
Überall Stahl.
Überall Kräne.
Und irgendwo steht Trumpius Caesar mit einem goldenen Zollstock und erklärt einem Bauleiter:
„Make the factory bigger. Much bigger. Maybe put another factory on top.“
Die Löhne steigen ebenfalls auf den Triumphwagen
Auch die Geldbeutel der Untertanen, pardon, Bürger, erhielten kaiserliche Aufmerksamkeit.
Die durchschnittlichen Wochenlöhne im privaten Sektor seien binnen eines Jahres um 3,7 Prozent gestiegen.
Im Palast begann daraufhin vermutlich bereits die Planung einer neuen Münze:
TRUMPIUS PECUNIA MAGNIFICA.
Auf der Vorderseite: Trumpius.
Auf der Rückseite: Trumpius, der auf die Vorderseite zeigt.
Die Hofökonomen sind außer sich
Nun trat die große Legion der Analysten an.
Kevinus Hassettus Economicus, Oberstratege des Nationalen Wirtschaftsrates, sprach von einer regelrechten Sensation. Zölle sorgten dafür, dass Produktion nach Amerika zurückkehre, Investitionen explodierten und Fabriken entstünden.
Christopher Phelanus Manufacturicus, Vorsitzender der kaiserlichen Wirtschaftsweisen, erklärte feierlich:
Der Produktionsboom sei real.
Der Bauboom sei real.
Die Daten seien real.
Womit innerhalb von ungefähr zehn Sekunden ungewöhnlich viele Dinge als real bestätigt wurden.
Heathera Longa Creditunia sprach schlicht von einem „Wow“-Arbeitsmarktbericht.
Olu Sonolus Fitchicus nannte ihn eindeutig stark.
Rickus Santellius CNBC Maximus sah gar eine Renaissance der Industrie.
Und Enda Curranus Bloombergicus fasste die Lage mit jener analytischen Präzision zusammen, für die Finanzexperten berühmt sind:
„Woah.“
Selbst das Arbeitsvolk kehrt zurück
Auch die Erwerbsbeteiligung stieg stärker als seit fast einem Jahr nicht mehr.
Die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen blieb bei stabilen 2,7 Prozent, während die Arbeitslosigkeit unter schwarzen Amerikanern den zweiten monatlichen Rückgang hintereinander verzeichnete.
Für Trumpius war damit natürlich alles entschieden.
Die Menschen arbeiten.
Die Fabriken produzieren.
Die Kräne drehen sich.
Die Löhne steigen.
Und irgendwo schreibt gerade ein Ökonom seine ursprüngliche Prognose um und nennt sie „aktualisiertes Basisszenario“.
Das Urteil des Imperiums
Der August-Bericht wird im Palast deshalb nicht einfach als Arbeitsmarktstatistik betrachtet.
Nein.
Er ist ein kaiserliches Wirtschaftsevangelium auf Excel-Basis.
Donaldus Trumpius Caesar Maximus blickt auf die Zahlen und sieht selbstverständlich nicht lediglich 162.000 neue Stellen.
Er sieht Legionen von Arbeitern.
Kathedralen aus Stahl.
Fabriken bis zum Horizont.
Goldene Bulldozer.
Und vermutlich bereits den nächsten gigantischen Schriftzug:
MADE IN AMERICA — APPROVED BY TRUMPIUS.
Denn im Imperium gilt weiterhin das oberste Wirtschaftsgesetz:
Wenn die Zahlen schlecht sind, waren die Berechnungsmethoden verdächtig.
Wenn die Zahlen gut sind, hat Trumpius sie persönlich erschaffen.
Ave Trumpius.
Die Fabriken rauchen wieder.

