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Trumpius Caesar und das Konzil der künstlichen Orakel

02. September 2026  ·  admin  ·  4 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar und das große Konzil der KI
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CHAPELIUM HILLUM – Es gibt Gipfeltreffen, es gibt historische Gipfeltreffen – und dann gibt es jene seltenen Momente, in denen zwanzig Reiche, mehrere Minister, eine ganze Legion milliardenschwerer Technologie-Auguren und vermutlich mehr Rechenleistung als im gesamten alten Rom gemeinsam beschließen: Innovation ist grundsätzlich eine ziemlich gute Sache.

Genau dieses Wunder vollzog sich nun im Provinzstädtchen Chapelium Hillum, wo die Minister der G20 zum großen Concilium Innovationis Maximus zusammenkamen. Zwei volle Tage lang wurde beraten, erklärt, genickt, formuliert, umformuliert und schließlich sogar ein gemeinsames Papier verabschiedet – eine diplomatische Leistung, die am Hofe von Imperator Donaldus Trumpius Maximus bereits beinahe als übernatürlich gilt.

Denn einen Konsens innerhalb der G20 zu erzielen, gleicht normalerweise dem Versuch, zwanzig Senatoren gleichzeitig dazu zu bringen, sich auf die richtige Beilagenwahl beim Staatsbankett zu verständigen.

Doch diesmal geschah das Unfassbare.

Die Delegationen einigten sich darauf, dass neue Technologien Wohlstand schaffen, Produktivität steigern und Chancen eröffnen könnten. Eine Erkenntnis von solcher philosophischer Tiefe, dass im Palast des Trumpius angeblich unverzüglich drei Marmortafeln bestellt wurden.

Die sechs Säulen des digitalen Imperiums

Das große Schriftstück ruht auf sechs ehrwürdigen Säulen, die von den kaiserlichen Schreibern ungefähr folgendermaßen übersetzt wurden:

Erstens soll Politik Innovation ermöglichen und nicht schon beim Anblick einer neuen Technologie nach Formular A38 verlangen.

Zweitens sollen neue Technologien Wohlstand bringen – vorzugsweise sehr viel davon.

Drittens benötigt das Imperium ausreichend ausgebildete Techniker, damit künstliche Intelligenz nicht ausschließlich von Senatoren bedient wird, die noch beim Kopierer „Fax senden“ drücken.

Viertens braucht auch künstliche Intelligenz Regeln zum geistigen Eigentum.

Fünftens benötigt KI Standards – und Standards benötigen offenbar wiederum KI.

Und sechstens sollen Industrie, Lieferketten und Investitionen so kräftig wachsen, dass selbst die kaiserlichen Wirtschaftsauguren beim Betrachten der Diagramme feuchte Augen bekommen.

Zusätzlich verabschiedeten die Teilnehmer die ehrwürdigen Principia Carolinae de Technologiis Emergentibus. Diese fordern Investitionen in Grundlagenforschung, bessere Wege von der Erfindung zum Markt und eine vertrauenswürdige Einführung neuer Technologien.

Kurz gesagt: Forschen, bauen, verkaufen – und möglichst vermeiden, dass vorher siebzehn Ausschüsse darüber beraten, welches Formular dafür erforderlich ist.

Lutnickus der Handelspräfekt verkündet die Einheit

Besonders bewegt zeigte sich der kaiserliche Handelspräfekt Howardus Lutnickus Mercator Maximus.

Dass innerhalb der G20 tatsächlich Einigkeit erreicht worden sei, erklärte er sinngemäß, sei keineswegs selbstverständlich. Innovation habe die Nationen jedoch zusammengeführt.

Im Trumpius-Palast übersetzte man dies umgehend in:

„Zwanzig Länder haben sich geeinigt. Historisch. Niemand glaubte, dass es möglich wäre. Wahrscheinlich das größte gemeinsame Dokument seit der Erfindung des Pergaments.“

Lutnickus versprach zugleich, Unternehmern mehr Sicherheit für Investitionen zu geben, heimische Produktion zu fördern und geistiges Eigentum so zu schützen, dass eine gute Idee nicht morgens in Carolina erfunden und am Nachmittag irgendwo anders als „traditionelles Kulturgut“ angemeldet wird.

Kratsios Magnus sieht eine glänzende Zukunft

Auch Michaelus Kratsios Technologicus, oberster Wissenschafts- und Technologie-Augur des Hofes, blickte optimistisch in die digitale Zukunft.

Flexible politische Rahmenbedingungen, so die Botschaft, sollten Innovation ermöglichen und dadurch Wachstum und Wohlstand fördern.

Trumpius Caesar soll diese Passage besonders gefallen haben.

„Flexible Regeln“, raunte ein Hofchronist, „sind grundsätzlich jene Art von Regeln, die Caesar am liebsten hat.“

Die Tech-Titanen erscheinen vor dem Senat

Doch kein kaiserliches Technologie-Konzil wäre vollständig ohne die großen Maschinenfürsten des digitalen Zeitalters.

So versammelte sich eine bemerkenswerte Schar von Männern, deren Unternehmen zusammen vermutlich genug Börsenwert besitzen, um mehrere mittelgroße Königreiche gegen Barzahlung zu erwerben.

Da erschien Elonius Muskus, Herr über Teslarium, SpaceXium und gelegentliche spontane Einfälle.

Neben ihm trat Davidus Sacksius, Mitvorsitzender des kaiserlichen Wissenschaftsrates.

Es folgten Bobus Mumgaardus Fusionis, Bewahrer des atomaren Sonnenfeuers, und Demisius Hassabius DeepMindicus, Großmeister der künstlichen Denkmaschinen.

Auch Marcus Zuckerbergus Metaversalis, einstiger Imperator des Gesichtsbuches und heutiger Statthalter des Meta-Reiches, erschien vor dem Konzil.

Und selbstverständlich durfte Samus Altmanius OpenAIus, oberster Orakelmeister der generativen Maschinen, nicht fehlen.

Handelspräfekt Lutnickus empfing zusätzlich Jensenius Huangus Nvidiae, den inzwischen beinahe legendären Lieferanten jener Siliziumtafeln, ohne die kein ernstzunehmender KI-Tempel mehr betrieben werden kann.

Mit dabei waren außerdem Tomus Brownus Anthropicus sowie Alexius Karpus Palantirius, dessen Datenorakel traditionell den Eindruck erwecken, bereits zu wissen, was der Senat beschließen wird, bevor der Senat selbst davon erfahren hat.

Das AI Prosperity Compactum

Als wäre ein Konsenspapier allein noch nicht majestätisch genug, präsentierte das Konzil außerdem die AI Prosperity Objectives und das ehrwürdige AI Prosperity Compactum.

Damit sollen Fachkräfte ausgebildet und Partnerschaften zwischen Staat und Wirtschaft verstärkt werden.

Oder, in der Sprache des Imperiums:

Mehr Leute sollen lernen, wie KI funktioniert, bevor KI lernt, warum die Leute eigentlich noch benötigt werden.

Vertreter zahlreicher Reiche waren erschienen: Germania, Gallia, Britannia, Italia, Japonia, India, Brasilia, Argentina, Canada, Arabia Saudita, Corea, Turcia, Mexicum, Australia und viele weitere.

Sogar China und Russland saßen gemeinsam mit den übrigen Delegationen am selben digitalen Lagerfeuer.

Für zwei Tage wurde somit das nahezu Unmögliche erreicht:

Die großen Mächte der Erde stritten offenbar nicht darüber, ob künstliche Intelligenz die Welt verändern wird.

Sie stritten höchstens noch darüber, wer anschließend die Rechnung dafür schreibt.

Und über allem thronte der Geist des Imperators Donaldus Trumpius Maximus, dessen neues technologisches Credo nun über den Toren des digitalen Imperiums stehen könnte:

Veni. Vidi. Computavi.

Ich kam.

Ich sah.

Ich ließ rechnen.

Und der Algorithmus erklärte es anschließend für historisch.


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