Washingtonium, 2. September im glorreichen Jahre MMXXVI.
Im ehrwürdigen Palatium Album zu Washingtonium geschah, was Chronisten dereinst vermutlich auf mindestens zwei Marmortafeln verewigen werden: Imperator Donaldus Trumpius Maximus Caesar nahm seine kaiserliche Schreibfeder zur Hand und setzte den berühmtesten Kringel des westlichen Imperiums unter das Pergament H.R. 6500.
Und damit war es vollbracht.
Der offizielle Name des monumentalen Werkes lautet „Continuing Appropriations and Extensions Act, 2027“ – oder, wie man es am Hofe Trumpius nennt:
„Das große Dekret zur Fortsetzung von allem, bis wir später entscheiden, wie es eigentlich weitergeht.“
Ein wahrhaft römisches Meisterwerk.
Das Imperium wird finanziert – vorerst
Mit einem einzigen majestätischen Schwung seiner Feder verfügte Trumpius Caesar, dass die Ministerien, Behörden, Ämter, Schreiberstuben und vermutlich auch jene rätselhaften Beamten, von denen niemand genau weiß, was sie tun, ihre Arbeit zunächst bis zum 11. Dezember 2026 fortsetzen dürfen.
Denn selbst das mächtigste Imperium der bekannten Welt benötigt gelegentlich Geld.
Eine höchst überraschende Erkenntnis.
Das sogenannte Continuing Resolutionium sorgt dafür, dass die föderalen Legionen der Verwaltung nicht plötzlich ihre Pergamente zusammenrollen, die Schreibtische abschließen und mit den Worten „Budget alle!“ nach Hause marschieren müssen.
Bis Dezember darf also weiter verwaltet, genehmigt, geprüft, abgestempelt, zurückgeschickt und erneut geprüft werden.
Ein Triumph der Zivilisation.
Senatorius Budgetus und die heilige Kunst des Aufschiebens
Natürlich hätte der ehrwürdige Congressus Americanus Maximus auch einen vollständigen Haushalt verabschieden können.
Doch warum heute entscheiden, was sich auch ausgezeichnet auf Dezember verschieben lässt?
Die Senatoren des Reiches beherrschen schließlich seit Generationen jene geheimnisvolle politische Disziplin, die unter Gelehrten als Procrastinatio Fiscalis Suprema bekannt ist.
Dabei wird ein Problem zunächst leidenschaftlich diskutiert, anschließend dramatisch zugespitzt und schließlich mit einem Übergangsgesetz elegant einige Monate weiter in die Zukunft transportiert.
Die Römer bauten Aquädukte.
Amerika baut Continuing Resolutions.
Beides funktioniert erstaunlich lange.
Straßen für die Streitwagen des Imperiums
Doch H.R. 6500 finanziert nicht nur die große Verwaltungsmaschine des Trumpianischen Reiches.
Auch Programme für den oberirdischen Transport werden verlängert.
Damit dürfen die Bürger weiterhin auf Straßen fahren, Brücken überqueren und ihre modernen Streitwagen auf jenen legendären amerikanischen Highways bewegen, die Imperator Trumpius regelmäßig als gleichzeitig die besten Straßen der Welt und eine komplette Katastrophe, die nur er reparieren kann, beschreibt.
Für die zuständigen Behörden dürfte dies eine beruhigende Nachricht sein.
Die Straßen dürfen weiterexistieren.
Mindestens bis Dezember.
Auch die Veteranenlegionen bleiben versorgt
Besonders wichtig: Auch verschiedene Programme für die Veteranen des Reiches werden verlängert.
Denn wer einst unter dem Banner der Vereinigten Provinzen von America kämpfte, soll selbstverständlich nicht irgendwann vor einem Verwaltungsschalter stehen und hören:
„Leider ist unsere gesetzliche Ermächtigung gestern um Mitternacht abgelaufen.“
Veteranenprogramme erhalten deshalb ebenfalls die erforderliche Verlängerung – eine jener Bestimmungen, bei denen selbst der sonst stets kampfbereite Senatus gelegentlich entdeckt, dass Regierungsfähigkeit womöglich doch keine völlig überbewertete Modeerscheinung ist.
Trumpius setzt den kaiserlichen Haken
Dann kam schließlich der große Augenblick.
Trumpius Caesar saß an seinem Tisch.
Vor ihm lag H.R. 6500.
Um ihn herum vermutlich Berater, Schreiber, Fotografen und mindestens ein Hofbeamter, dessen wichtigste Aufgabe darin bestand, sicherzustellen, dass genügend goldene Stifte vorhanden waren.
Der Imperator blickte auf das Pergament.
Das Pergament blickte metaphorisch zurück.
Und Trumpius unterschrieb.
Damit wurde aus einem Kongressgesetz kaiserliche Realität.
Die Maschinen des Imperiums dürfen weiterlaufen.
Die Veteranenprogramme dürfen weiterarbeiten.
Die Streitwagen dürfen weiterrollen.
Und die Bundesbehörden besitzen nun die beruhigende Gewissheit, dass sie finanziell zumindest bis zum 11. Dezember 2026 überleben.
Was danach geschieht?
Nun.
Dann beginnt vermutlich das nächste große Kapitel der Fiscalis Dramaticus Americanus.
Denn im Reich des Trumpius gilt eine uralte politische Weisheit:
Warum einen Haushaltsstreit endgültig lösen, wenn man ihn auch hervorragend verlängern kann?
Und so erhebt der Chronist seinen Kelch auf H.R. 6500:
Das Gesetz, das Amerika nicht für die Ewigkeit finanziert.
Aber immerhin bis kurz vor Weihnachten.
Ave Trumpius. Ave Budgetus. Ave Decembrium!

