Im ehrwürdigen Marmorsaal des Weißen Hauses, den Hofchronisten inzwischen ehrfürchtig Palatium Washingtonius Maximus nennen, trat Trumpius Caesar Magnus Goldenus vor seine versammelten Senatoren, Gelehrten und Hofstrategen. Hinter ihm leuchtete eine riesige Inschrift:
"GENESIS MAXIMA – Weil normale Forschung einfach viel zu langsam ist."
Unter donnerndem Applaus verkündete der Imperator die Freigabe von über fünf Milliarden Aurei für das größte Wissenschaftsprojekt seit der Erfindung der Schriftrolle mit Haftnotizen.
Der Hofgelehrte Michaelius Kratsios Maximus, oberster Verwalter der kaiserlichen Denkfabriken, sprach feierlich:
"Früher brauchten Wissenschaftler Jahrzehnte für Durchbrüche. Heute schicken wir einfach eine künstliche Intelligenz los und schauen nach dem Mittagessen nach den Ergebnissen."
Der Hof jubelte.
Einige Wissenschaftler nickten begeistert.
Andere überprüften vorsichtshalber, ob sie noch benötigt würden.
Das Orakel aus Silizium
Laut den kaiserlichen Schriftrollen soll die neue Genesis-Maxima sämtliche Forschungsbereiche des Imperiums miteinander verbinden.
Nicht zwei.
Nicht fünf.
Sondern über fünfzehn Ministerien.
In Rom hätte man dafür vermutlich zuerst drei Bürgerkriege und anschließend vier Untersuchungsausschüsse benötigt.
Im Trumpius-Reich genügte dagegen eine einzige kaiserliche Verfügung.
Die neue Superplattform soll Forschern Daten, Rechenleistung und KI-Werkzeuge liefern, sodass Krankheiten schneller erkannt, Materialien entwickelt und sogar ferne Galaxien analysiert werden können.
Der Hofschreiber Paragraphius Interpretatius erklärte:
"Früher mussten Behörden Formulare austauschen. Heute tauschen sie Petabytes."
Niemand wusste genau, was ein Petabyte war.
Aber es klang beeindruckend genug, um sofort drei Arbeitsgruppen zu gründen.
Bio Genesis – Wenn selbst Gene Überstunden machen
Besonders ehrgeizig zeigt sich das Gesundheitsministerium unter Robertus Kennedyus Salutarius.
Die künstliche Intelligenz soll künftig chronische Krankheiten entschlüsseln, Kinderkrebs besser erforschen, Medikamente schneller entwickeln und Krankheiten erkennen, bevor der Patient überhaupt merkt, dass er krank werden könnte.
Der Mediziner Jayus Bhattacharyus Curatius schwärmte:
"Unsere Computer werden Krankheiten finden, die sich selbst noch gar nicht kennen."
Im Publikum machte sich vorsichtshalber allgemeines Husten breit.
Nicht aus Sorge.
Sondern um zu testen, ob die KI bereits aufmerksam zuhört.
Straßen, Brücken und Schlaglöcher erhalten einen digitalen Zwilling
Auch Infrastrukturminister Seanus Duffius Asphalticus erhielt seinen großen Auftritt.
Er präsentierte digitale Zwillinge von Brücken.
Digitale Zwillinge von Straßen.
Digitale Zwillinge von Autobahnen.
Gerüchten zufolge arbeitet man bereits am digitalen Zwilling jedes einzelnen Schlaglochs.
Der Vorteil:
Während der echte Schlaglochkrater weiterhin existiert, kann sein digitaler Bruder wenigstens perfekt simuliert werden.
Das spart zwar keinen Stoßdämpfer, sieht aber auf Präsentationsfolien ausgesprochen modern aus.
NASA vermisst gleich das ganze Universum
Im Raumfahrtministerium versprach Jaredius Isaacmanus Galacticus, sämtliche Weltraumdaten der letzten Jahrzehnte mit künstlicher Intelligenz auszuwerten.
Über 150 Petabyte astronomischer Informationen sollen analysiert werden.
Die Hofastronomen erklärten:
"Wir könnten dadurch endlich verstehen, warum das Universum expandiert."
Trumpius Caesar ergänzte:
"Oder wenigstens herausfinden, warum Besprechungen immer länger dauern."
Beides wären historische Durchbrüche.
Das Ministerium der unendlich vielen Datensätze
Kaum ein Minister wollte ohne eigenes KI-Projekt nach Hause gehen.
Das Landwirtschaftsministerium möchte Pflanzen intelligenter machen.
Das Energieministerium möchte Stromnetze optimieren.
Das Innenministerium kartiert Bodenschätze.
Die Raumfahrt analysiert Sterne.
Die Verteidigung entwickelt intelligentere Waffensysteme.
Das Handelsministerium trainiert KI gegen Cyberangriffe.
Selbst die Bürokratie scheint Hoffnung zu schöpfen.
Insider berichten bereits von einer experimentellen KI, die Formulare automatisch versteht.
Das Projekt gilt allerdings als hochriskant und befindet sich noch im theoretischen Bereich.
Trumpius verspricht das Goldene Wissenschaftszeitalter
Trumpius Caesar selbst ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise führen soll.
"Unsere Wissenschaft wird größer."
"Unsere Computer werden klüger."
"Unsere Forscher schneller."
"Unsere Gegner neidischer."
Zwischendurch klatschte er sich selbst Beifall.
Die Senatoren schlossen sich vorsichtshalber an.
Der Hof der Supercomputer
Im Keller des Imperiums sollen künftig gigantische Rechenmaschinen Tag und Nacht Daten verschlingen.
Sie analysieren Gene.
Sie simulieren Materialien.
Sie berechnen Klimamodelle.
Sie entwickeln Medikamente.
Und vermutlich rechnen sie nebenbei auch aus, wie viele Pressemitteilungen nötig sind, bis jedes Projekt offiziell als historisch gilt.
Die Antwort lautet offenbar:
Alle.
Die Chronisten sehen bereits das nächste Goldene Zeitalter
Die Hofhistoriker sprechen inzwischen ehrfürchtig von einer wissenschaftlichen Renaissance.
Die Optimisten erwarten medizinische Wunder.
Die Ingenieure träumen von neuen Materialien.
Die Astronomen hoffen auf unbekannte Welten.
Und die Steuerzahler hoffen vor allem darauf, dass die künstliche Intelligenz irgendwann auch Steuerformulare selbst ausfüllt.
Sollte dies tatsächlich gelingen, wäre dies vermutlich die größte wissenschaftliche Revolution der Menschheitsgeschichte.
Bis dahin bleibt Genesis-Maxima das ehrgeizigste Vorhaben des Trumpius-Imperiums – ein monumentaler Versuch, sämtliche Daten, Behörden, Wissenschaftler und Supercomputer in einer einzigen gigantischen Denkmaschine zu vereinen.
Oder, wie Fußnoticus Maximus trocken in den Chroniken vermerkte:
"Früher fragte man den Hofgelehrten. Heute fragt man den Computer. Der Unterschied besteht hauptsächlich darin, dass der Computer deutlich mehr Strom verbraucht."

