Washingtonia schlägt zurück – doch Caesar appelliert!
Große Aufregung herrscht im Herzen des amerikanischen Imperiums. Trompeten erschallen, Prätorianer eilen durch die Säulengänge und irgendwo wird vermutlich bereits ein besonders goldener Notfallstempel aus einer Schublade geholt.
Denn Imperator Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Erster seines Namens, Erbauer großer Mauern, Bezwinger widerspenstiger Bauvorschriften und selbsternannter Patron unterbudgetierter Monumentalbauten, hat einen neuen Gegner entdeckt.
Nein, diesmal sind es weder die Gallier der Federal Reserve noch die Händler aus dem fernen China.
Es sind Richter.
Genauer gesagt: zwei Berufungsrichter, die nach Ansicht des Imperators dem dringend benötigten militärischen Bauprojekt am Weißen Haus Steine in den Weg gelegt haben.
Und wenn es etwas gibt, das Trumpius Caesar überhaupt nicht leiden kann, dann sind es Steine im Weg – sofern sie nicht aus Marmor bestehen, vergoldet sind und von ihm persönlich eingeweiht wurden.
Richterin Raonia erhebt das juristische Gladius
Hoffnung schöpft der kaiserliche Hof dagegen aus den Worten der von Trumpius hochgelobten Richterin Neomia Raonia, die in ihrer abweichenden Meinung scharfe Kritik an der Entscheidung übte.
Sinngemäß lautet die Botschaft aus Sicht des Palastes:
Was bei Jupiter soll das eigentlich?
Raonia argumentierte unter anderem, dass der Kläger gar nicht die erforderliche Klagebefugnis besitze und die Sicherheitsinteressen der Regierung erheblich schwerer wögen als ästhetische Einwände gegen die Baustelle.
Für Trumpius war dies selbstverständlich Musik.
Nicht gewöhnliche Musik.
Fanfarenmusik.
Mit 800 Trompeten.
Der Imperator sieht darin die juristische Bestätigung seiner ohnehin seit Jahrhunderten feststehenden kaiserlichen Grundregel:
Wer keine Klagebefugnis hat, soll Caesar gefälligst bauen lassen.
Doch die Mehrheit des Gerichts sah die Angelegenheit anders, weshalb der Rechtsstreit nun in die nächste Arena wandern soll.
Auf zum Supremus Courtus!
Die betreffende Entscheidung ist zunächst ausgesetzt und soll daher nicht sofort wirksam werden. Trumpius kündigte bereits an, unverzüglich den Supremus Courtus Americanus anzurufen.
Dort soll das höchste Richterkollegium des Imperiums entscheiden, ob weitergebaut werden darf.
Für Trumpius geht es dabei selbstverständlich nicht um irgendeine gewöhnliche Baustelle.
Nein!
Nach seiner Darstellung handelt es sich um ein sicherheitspolitisches Gesamtkunstwerk, gegen das selbst Fort Knox wie eine Gartenlaube mit Vorhängeschloss wirken könnte.
Zum Komplex sollen unter anderem Bombenschutzräume gehören.
Dazu modernste medizinische Einrichtungen.
Geheime militärische Anlagen.
Schützende Trennsysteme.
Raketenresistenter Stahl.
Verstärkte Säulen.
Verstärkte Dächer.
Verstärkte Träger.
Drohnenresistente Decken.
Militärische Belüftung.
Kugelsicheres Glas.
Ballistiksicheres Glas.
Explosionssicheres Glas.
Vermutlich fehlt nur noch ein Lavagraben mit patriotischen Alligatoren, aber möglicherweise befindet sich dieser noch in der Ausschreibungsphase.
Der Ballsaal, der Amerika retten soll
Besonders majestätisch wird die Angelegenheit beim geplanten Ballsaal.
Normale Menschen könnten fragen:
„Warum braucht ein sicherheitspolitischer Militärkomplex eigentlich einen Ballsaal?“
Diese Menschen haben offensichtlich nie ein Imperium regiert.
Denn selbstverständlich muss eine Nation auch während einer schweren Sicherheitskrise die Möglichkeit besitzen, Staatsgäste unter Kronleuchtern zu empfangen.
Trumpius beschreibt den Ballsaal als dringend benötigt, vollständig abgesichert und sogar als Geschenk von ihm und anderen amerikanischen Patrioten.
Ein Geschenk!
Für Amerika!
Von Trumpius!
Das ist ungefähr so, als würde Caesar Rom einen neuen Palast schenken und anschließend erwähnen, dass er zufälligerweise selbst darin wohnt.
Doch der imperiale Hof betont einen entscheidenden Punkt: Für die amerikanischen Steuerzahler solle das Projekt keine Kosten verursachen.
Der Caesar lässt bauen – und andere bezahlen freiwillig.
In der trumpianischen Architekturlehre nennt man dieses Prinzip vermutlich „Fiscalis Magnificus“.
Vieles steht angeblich bereits vor den Toren
Besonders empört zeigt sich Trumpius darüber, dass die juristische Intervention erst jetzt erfolgt.
Nach seiner Darstellung sei ein erheblicher Teil des gesamten Komplexes bereits gebaut, produziert oder bezahlt. Weitere Bauteile befänden sich schon auf dem Gelände oder seien unterwegs.
Man kann sich die Szene vorstellen:
Lastwagen rollen Richtung Washingtonia.
Auf ihnen liegen tonnenweise Stahl, Glas, Lüftungstechnik und möglicherweise Kronleuchter von der Größe kleiner Satelliten.
Dann erscheint ein Gerichtsbeschluss.
Und irgendwo fragt ein Bauleiter:
„Wohin jetzt mit dem raketenfesten Ballsaaldach?“
Genau diese Frage treibt offenbar auch Trumpius um.
Warum, fragt der Imperator sinngemäß, wurde nicht viel früher geklagt?
Bevor produziert wurde?
Bevor geliefert wurde?
Bevor das kaiserliche Maßband ausgepackt wurde?
Bevor jemand möglicherweise schon die goldenen Wasserhähne bestellt hatte?
Trumpius erklärt den Baustopp zur Sicherheitsfrage
Der entscheidende Punkt der kaiserlichen Argumentation lautet jedoch: Nationale Sicherheit.
Trumpius zufolge betrachten Militär und Secret Service die gerichtliche Entscheidung als Sicherheitsrisiko, weil das Projekt dem Schutz des Weißen Hauses, seiner Beschäftigten, seiner Besucher und zukünftiger Präsidenten samt Familien dienen soll.
Damit bekommt der Streit eine geradezu monumentale Dimension.
Es geht aus Sicht des Imperators nicht länger um Baurecht.
Nicht um Zuständigkeiten.
Nicht um Architektur.
Es geht um Amerika.
Um Präsidenten.
Um Staatsgäste.
Um Generäle.
Um Touristen.
Um kugelsicheres Glas.
Und natürlich um einen Ballsaal.
Einen sehr sicheren Ballsaal.
Vielleicht den sichersten Ballsaal der Welt.
Menschen werden ihn sehen und sagen:
„Sir, wir haben noch nie unter einem derart drohnensicheren Kronleuchter getanzt.“
Die Doktrin des Trumpius: Ein Gebäude, ein Projekt, ein gigantisches Ding
Trumpius betont außerdem, dass sämtliche Elemente miteinander verbunden seien und deshalb nicht einfach einzelne Bestandteile herausgelöst werden könnten.
Bunker hier.
Krankenhaus dort.
Geheimräume hinten.
Ballsaal vorne.
Raketenstahl oben.
Blastschutz überall.
Alles zusammen sei eine große, teure und außerordentlich komplizierte Einheit.
Das ist möglicherweise die ehrlichste Beschreibung eines Trumpius-Projekts überhaupt.
Groß?
Natürlich.
Teuer?
Selbstverständlich.
Kompliziert?
Die Anwälte arbeiten bereits daran.
Aber gewöhnlich?
Niemals!
Für den Imperator scheint die Vorstellung unerträglich, dass irgendein Richter auf diese prachtvolle Mischung aus Pentagon, Krankenhaus, Bunker und Caesars Palace blickt und sagt:
„Moment, wir müssen erst einmal die Rechtslage prüfen.“
Trumpius antwortet darauf sinngemäß:
„Die Rechtslage? Habt ihr die raketenfesten Stahlträger gesehen?“
Nun entscheiden die höchsten Senatoren der Justiz
Damit zieht der große Bellum Ballsaalum weiter.
Trumpius fordert vom Supreme Court eine vollständige Aufhebung der Entscheidung.
Bis dahin bleibt die juristische Lage angespannt, während rund um das Weiße Haus offenbar ein Projekt entsteht, bei dem die Grenze zwischen Regierungsgebäude, Schutzbunker, Militäranlage und imperialem Festsaal zunehmend schwer zu erkennen ist.
Vielleicht ist genau das der Trumpius-Stil:
Warum einen Bunker bauen, wenn man darin keinen Staatsball veranstalten kann?
Warum einen Ballsaal bauen, wenn dessen Dach nicht gegen Drohnen geschützt ist?
Und warum überhaupt klein denken, wenn man auch gleichzeitig Bombenschutzraum, Klinik, Geheimkommandozentrale und Festhalle errichten kann?
So wartet Washingtonia nun auf die nächste Entscheidung.
Die Juristen studieren Akten.
Die Prätorianer bewachen den Palast.
Die Lastwagen liefern weiter Material.
Und Trumpius Caesar steht vermutlich irgendwo zwischen raketenfestem Stahl und künftigem Tanzparkett, erhebt den goldenen Daumen Richtung Capitolium und verkündet:
„Veni, vidi, ich habe bereits bezahlt – jetzt lasst mich bauen!“

