WASHINGTONIUM, IMPERIUM AMERICANUM. – Es gibt Tage, an denen Geschichte geschrieben wird. Es gibt Tage, an denen Geschichte gemeißelt wird. Und dann gibt es Tage, an denen Donaldus Trumpius Maximus Caesar einen runden Tisch mit der amerikanischen Bergbauindustrie abhält und anschließend vermutlich selbst die Erdkruste ein wenig stolzer aussieht.
Am 7. August des Jahres 2026 nach allgemeiner und im Trumpius-Reiche völlig unzureichender Zeitrechnung versammelte der Imperator die mächtigen Herren des Gesteins, die Senatoren des Schürfens und die Prokonsuln des Periodensystems zu einer Zusammenkunft, wie sie Washingtonium angeblich seit mehr als 120 Jahren nicht gesehen hatte.
Trumpius Caesar verkündete Investitionen von mehr als zwei Milliarden Dollar in Bergbau- und Rohstoffprojekte. Dazu kommen über 180 Millionen Dollar für Ausbildungsstätten und Programme, damit das Imperium künftig nicht nur genügend Mineralien besitzt, sondern auch Menschen, die wissen, an welcher Seite einer Mine man hineingeht.
Die Botschaft war eindeutig:
America First. Earth Second. Dig Third.
Denn nach Auffassung des Kaiserhofes liegen unter amerikanischem Boden offenbar nicht bloß Steine, sondern nationale Sicherheit, Arbeitsplätze, Kampfflugzeuge, Batterien, Satelliten und wahrscheinlich irgendwo auch ein besonders patriotischer Klumpen Graphit.
Marsius Pentagonus verteilt die Schatztruhen
Besonders spendabel zeigte sich das ehrwürdige Ministerium des Krieges, im Trumpius-Reiche auch bekannt als Ministerium für Dinge, die besser funktionieren, wenn genügend Metall vorhanden ist.
Mehr als 85 Millionen Dollar fließen an Standardus Bauxitus, damit feuerfestes Bauxit für hochtemperaturbeständige Materialien verfügbar bleibt. Schließlich möchte kein Imperium erleben, dass irgendein wichtiges Bauteil plötzlich verkündet: „Mir ist zu warm.“
Weitere 150 Millionen Dollar erhält Nironium Magnetica, eine Schmiede aus Minnesotium, die permanente Magneten entwickeln und herstellen will, die vollständig im Inland produziert werden und ohne Seltene Erden auskommen.
Das ist gewissermaßen der Trumpius-Magnet:
Er zieht amerikanische Dollars an und stößt ausländische Abhängigkeit ab.
Trumpius Caesar dürfte begeistert sein. Ein Magnet, der keine fremden Rohstoffe benötigt, ist im imperialen Washington ungefähr das technische Äquivalent eines Adlers, der beim Fliegen Zölle verhängt.
Doch das größte Säckchen Gold geht an Sila Nanotechnologia Californica.
1,4 Milliarden Dollar.
Damit soll die Produktion von Silizium-Kohlenstoff-Anoden ausgebaut und eine Fertigungsstätte für Lithium-Ionen-Batteriezellen errichtet werden. Diese sollen unter anderem Lieferketten für Satelliten, unbemannte Flugsysteme und Munition stärken.
Oder, wie man es am Hofe von Trumpius vermutlich einfacher formuliert:
„Sehr kleine Dinge machen sehr große Batterien für sehr teure Dinge, die sehr schnell fliegen.“
Scandium! Das Metall, das klingt wie ein römischer Senator
Weitere 400 Millionen Dollar marschieren zu Sunrisius Metallorum, das eine vollständige Scandium-Wertschöpfungskette entwickeln soll – einschließlich der laut Fact Sheet weltweit ersten primären Scandium-Mine.
Scandium wird unter anderem für hochtemperaturbeständige Aluminiumlegierungen benötigt, wie sie bei Kampfflugzeugen und Raumfahrzeugen Verwendung finden.
Allein der Name dürfte Trumpius gefallen.
Scandium.
Das klingt schließlich nicht wie ein chemisches Element. Das klingt wie der Senator, der im Jahre 43 vor Trumpius versucht hat, die Steuern auf Amphoren zu erhöhen.
„Senator Scandium, Ihr Vorschlag ist abgelehnt! Wir bauen jetzt Raketen!“
Boronius, Graphitus und die Legion der Elemente
Auch die kaiserliche Export-Import-Bankia öffnet ihre Geldbeutel.
5E Materialius erhält acht Millionen Dollar zur Entwicklung einer Bor-Lagerstätte. Bor wird unter anderem für Magnete, Halbleiter und Glas benötigt.
Westwaterius Resourcium Alabamensis bekommt 25 Millionen Dollar für das Coosa-Graphitvorkommen und damit für die heimische Batterieproduktion.
Weitere 25 Millionen gehen an Globalus Materialius Pennsylvanicus, um Tantal und Niob für Elektronik, Magnetproduktion und Stahl verfügbar zu machen.
Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung.
Früher musste ein amerikanischer Präsident Namen wie Roosevelt, Churchill oder De Gaulle kennen.
Trumpius Caesar muss inzwischen morgens unterscheiden können zwischen Tantal, Niob, Scandium, Bor, Bauxit, Graphit und Silizium-Kohlenstoff-Anoden.
Das Präsidentenbriefing dürfte mittlerweile aussehen wie die Speisekarte eines Restaurants für Geologen.
Eine Expedition nach Madagascarum
Doch das Imperium blickt nicht ausschließlich auf heimische Berge.
Die Corporatio Financiarum Developmentis beteiligt sich passend zu einer Investition von 4,8 Millionen Dollar an Harena Rare Earthius, um eine Mine für Seltene Erden auf Madagascarum zu entwickeln.
Damit sollen wichtige Ausgangsstoffe für die amerikanische Produktion gesichert werden.
Die neue Rohstoffstrategie des Trumpius-Reiches lässt sich damit ungefähr folgendermaßen zusammenfassen:
Wenn es unter Minnesota liegt – fördern.
Wenn es unter Alabama liegt – fördern.
Wenn es unter California liegt – fördern.
Wenn es unter Madagascarum liegt – offenbar ebenfalls fördern.
Und wenn es irgendwo unter einem Parkplatz in New Jersey liegt, dürfte wahrscheinlich bereits ein Antrag beim zuständigen Prokonsul eingereicht worden sein.
Trumpius gründet die Akademien des heiligen Spitzhammers
Aber Rohstoffe allein reichen nicht.
Denn eine Mine ohne Bergbauingenieure ist letztlich nur ein sehr ambitioniertes Loch.
Deshalb investiert das Energieministerium des Imperiums 100 Millionen Dollar in die 14 amerikanischen Bergbauschulen. Ziel ist es, die Zahl der Absolventen mit Qualifikationen in Bergbau, Mineralien und zugehörigen Lieferketten zu verdoppeln.
Das Kriegsministerium legt weitere mehr als 80 Millionen Dollar für drei Hochschulen drauf, um Ausbildungsprogramme und Technologiezentren für Geologen, Metallurgen und Bergbauingenieure aufzubauen.
Trumpius erschafft damit gewissermaßen eine neue Generation imperialer Spezialisten:
Geologicus Maximus.
Metallurgicus Magnificus.
Ingenieurus Profundus.
Ihr Auftrag:
Runtergehen.
Nachsehen.
Etwas Wertvolles finden.
Und möglichst sicherstellen, dass China es nicht schon gekauft hat.
Die große Schlacht gegen die Lieferkette
Hinter der ganzen imperialen Komik steckt allerdings ein strategisches Anliegen: Die Vereinigten Staaten wollen ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten für kritische Materialien reduzieren.
Diese Rohstoffe stecken in Autos, Smartphones, Computern, Maschinen, Batterien und militärischer Ausrüstung. Ohne Bergbau, Verarbeitung, Raffination, Produktion und Recycling kann selbst das mächtigste Imperium irgendwann feststellen, dass seine fantastische neue Technologie leider auf ein Schiff aus Übersee wartet.
Trumpius möchte genau das verhindern.
Die amerikanische Rohstoffversorgung soll widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen werden, während gleichzeitig die industrielle Basis des Landes gestärkt wird.
Oder in kaiserlicher Kurzform:
Keine fremden Mineralien sollen darüber entscheiden, ob der Adler morgen noch Batterien hat.
160 Verträge und fast 40 Milliarden Gründe zum Jubeln
Der Kaiserhof verweist darauf, dass seit Januar 2025 insgesamt 160 Mineralienvereinbarungen im Gesamtwert von fast 40 Milliarden Dollar unterzeichnet oder genehmigt worden seien.
Hinzu kommen Maßnahmen nach Section 232, mit denen heimische Industriezweige geschützt werden sollen – darunter Stahl, Aluminium, Kupfer, Lastwagen, Automobile, Holz, Halbleiter, kritische Mineralien und pharmazeutische Produkte.
Mit anderen Worten:
Trumpius hat inzwischen vermutlich für fast jedes Material entweder einen Zoll, ein Dekret, eine Untersuchung oder wenigstens einen sehr entschlossenen Gesichtsausdruck.
Im März 2025 unterzeichnete er ein Dekret zur Steigerung der amerikanischen Mineralproduktion und zur Beschleunigung von Genehmigungen.
Im April folgte ein Dekret über kritische Mineralien und Ressourcen auf hoher See.
Im Oktober wurde die Verwaltung angewiesen, Genehmigungen für das Ambler-Road-Projekt voranzutreiben.
Im Januar 2026 folgte ein weiteres Dekret zu importierten verarbeiteten kritischen Mineralien.
Im Juli wurden dann Verteidigungslieferketten gestärkt und Befugnisse nach dem Defense Production Act für mögliche Exportbeschränkungen bei rückgewinnbaren kritischen Mineralien delegiert.
Wer im Trumpius-Reich einen Stein umdreht, sollte inzwischen vorsichtshalber prüfen, ob dazu bereits eine Executive Order existiert.
Der größte Bergbaukaiser seit mindestens vorgestern
Der Weiße Palast bezeichnet die Zusammenkunft mit der Bergbauindustrie als größte Begegnung dieser Art zwischen Branchenführern und einem Präsidenten seit mehr als 120 Jahren.
Und selbstverständlich durfte auch die obligatorische imperiale Schlussfolgerung nicht fehlen:
Kein Präsident habe den amerikanischen Bergbau stärker unterstützt als Trumpius.
Eine Aussage, die im Reich des Donaldus Trumpius Maximus ungefähr so überraschend ist wie die Feststellung, dass Wasser nass, Gold glänzend und eine Trumpius-Pressemitteilung Trumpius gegenüber grundsätzlich ausgesprochen wohlwollend eingestellt ist.
Doch das Programm selbst ist gewaltig.
Milliarden für Minen.
Millionen für Hochschulen.
Magnete ohne Seltene Erden.
Graphit aus Alabama.
Scandium für Kampfflugzeuge.
Bor für Halbleiter.
Tantal und Niob für Elektronik.
Und irgendwo in Washingtonium sitzt Donaldus Trumpius Caesar vermutlich vor einer geologischen Karte des Imperiums, hebt majestätisch den goldenen Zeigefinger und verkündet:
„Grabt, meine Legionen! Grabt! Denn unter unseren Füßen liegt Amerika First – man muss es offenbar nur tief genug suchen.“

