Von der Kaiserlichen Kanzlei für Ozeane, Angeln und sonstige sehr große Dinge
Rom am Potomac hat gesprochen – und diesmal hört sogar der Kabeljau zu.
Imperator Donaldus Magnus Trumpius Caesar, Erster seines Namens, Bezwinger der Bürokratie, Admiral aller Gewässer und offenbar inzwischen auch persönlicher Ansprechpartner sämtlicher Fische zwischen Florida und Alaska, hat ein neues kaiserliches Dekret verkündet: Amerikas Salzwasser soll wieder frei sein.
Frei für Boote.
Frei für Angler.
Frei für Charterkapitäne.
Und vor allem frei von jener schlimmsten aller maritimen Plagen: Formularen.
Denn im Reich des Trumpius war festgestellt worden, dass ein Bürger, der friedlich mit einer Angel auf einem Boot sitzt, bislang möglicherweise mehr Verwaltungsakte auslösen konnte als eine mittlere römische Provinz.
Damit soll nun Schluss sein.
Die große Entfesselung der Angelrute
Der kaiserliche Hofrat für Handel, der Großpräfekt für Landwirtschaft und der Erzverwalter des Inneren wurden angewiesen, sämtliche Vorschriften kritisch zu prüfen, die einem amerikanischen Bürger zwischen Freiheit und Fisch stehen.
Regeln sollen ausgesetzt, geändert oder beseitigt werden, sofern sie nach imperialer Auffassung zu viel Papier produzieren und zu wenig Fisch.
Charterunternehmen, die sich ordentlich benehmen, sollen künftig möglichst mehrjährige Genehmigungen erhalten.
Die Grundidee lautet offenbar:
Wer gestern noch legal Touristen aufs Meer gefahren hat, muss morgen nicht erneut beweisen, dass sein Boot überraschenderweise noch immer ein Boot ist.
Das Kaiserreich nennt das Modernisierung.
Die Bürokratie nennt es vermutlich Dienstag.
Der Fisch bekommt jetzt eine App
Besonders revolutionär ist die neue wissenschaftliche Großoffensive.
Bislang wurden Fangdaten teilweise per Post erhoben.
Post!
Im Jahr des Herrn Trumpius!
Ein Zustand, der im Palast offenbar ungefähr denselben technologischen Stellenwert besitzt wie Wachstafeln, Brieftauben und der königliche Faxapparat.
Künftig soll der amerikanische Angler seine Fänge elektronisch melden können.
Per App.
Der Fisch wird damit offiziell im digitalen Zeitalter ankommen.
Man darf sich den Vorgang ungefähr so vorstellen:
Fisch gefangen.
Telefon herausgeholt.
Fisch fotografiert.
Art ausgewählt.
Größe eingetragen.
Standort bestätigt.
Datenschutzbestimmungen akzeptiert.
Fisch inzwischen entkommen.
Zusätzlich soll ein mehrjähriger strategischer Plan dafür sorgen, dass nicht nur biologische Daten, sondern auch wirtschaftliche Interessen der Freizeitfischerei stärker in Entscheidungen einfließen.
Denn im Imperium gilt:
Ein Fisch ist nicht nur ein Tier.
Er ist potenziell auch ein Arbeitsplatz.
Alarm! Der Hai hat mein Abendessen gestohlen!
Besonders kaiserlich klingt das geplante Echtzeit-Meldesystem für sogenannte Depredation.
Also für jene Momente, in denen ein Hai, Delfin oder anderes Meereswesen beschließt, dass der frisch gefangene Fisch eigentlich sein Mittagessen sei.
Auch dafür soll es künftig digitale Meldemöglichkeiten geben.
Man stelle sich vor:
„Imperiale Fisch-App, Kategorie: Raub.“
„Was ist geschehen?“
„Hai hat Thunfisch gestohlen.“
„Bitte bewerten Sie den Hai.“
Ein Stern.
„Würden Sie diesen Hai weiterempfehlen?“
Nein.
Operation: Mehr Fisch!
Auch geschwächte Bestände sollen Aufmerksamkeit erhalten.
Pilotprogramme sollen helfen, Fischpopulationen gezielt wieder aufzubauen.
Besonders prominente Arten sollen dabei wissenschaftlich begleitet werden, während Fördermittel möglichst direkt dort landen sollen, wo sie tatsächlich Fischen helfen.
Eine bemerkenswerte Idee:
Geld für Fischprojekte soll künftig möglichst bei den Fischen ankommen.
Eine Innovation, die in Washington womöglich noch weitere Ministerien nervös machen könnte.
Alte Ölplattform? Neuer Fischpalast!
Ein besonderes Glanzstück kaiserlicher Meeresarchitektur ist das geplante Programm für ausgediente Öl- und Gasplattformen.
Statt sie vollständig verschwinden zu lassen, sollen geeignete Strukturen künstliche Riffe unterstützen.
Im Trumpius-Reich lautet das Recyclingprinzip damit:
Was gestern noch nach Erdöl bohrte, wird morgen Eigentumswohnung für Zackenbarsche.
Unterwasser-Loft.
Meerblick garantiert.
Gute Verkehrsanbindung für Makrelen.
Ein wahrer Triumph der imperialen Immobilienwirtschaft.
Parallel dazu soll die ehrwürdige Make America Beautiful Again Commission, kurz MABA – im Palast vermutlich „Marmor, Adler, Blumen und alles andere“ genannt – Restaurierungsprojekte koordinieren.
Damit nicht fünf Behörden gleichzeitig denselben Küstenabschnitt retten und anschließend sechs Arbeitsgruppen darüber beraten, wer zuerst gerettet hat.
Auch die Haie bekommen Außenpolitik
Sogar die internationale Diplomatie wird fischiger.
Außenministerium, Handelsministerium, Innenministerium und der kaiserliche Handelsbeauftragte sollen Hindernisse für nachhaltige Haifischerei angehen.
Damit erhält die amerikanische Außenpolitik einen völlig neuen Gesprächseinstieg:
„Wir müssen über Sicherheit, Handel, Bündnisse und diesen Makohai sprechen.“
Im Reich des Trumpius ist eben alles Geopolitik.
Sogar Flossen.
Angeln wird Staatsräson
Das Dekret erhebt die Freizeitfischerei endgültig zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung.
Angler, Offshore-Bootsbesitzer und Charterunternehmen sollen künftig bei Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Denn nach Auffassung des Kaiserhofes hatte die bisherige Politik zu oft gefragt:
„Wie begrenzen wir Zugang?“
Trumpius Caesar fragt nun:
„Warum steht dieser Mann noch am Ufer und nicht längst auf einem sehr großen Boot?“
Der kaiserliche Kurs lautet dementsprechend:
Mehr Zugang.
Weniger Papier.
Mehr Daten.
Weniger Wartezeit.
Mehr Fisch.
Und vermutlich irgendwo noch eine sehr große goldene Angel.
Die Chronik der großen Fischbefreiung
Natürlich wäre Trumpius Caesar nicht Trumpius Caesar, wenn ein neues Dekret nicht sofort als Kapitel einer historisch einmaligen Erfolgsgeschichte präsentiert würde.
Der Hof verweist auf frühere Maßnahmen zu Fischereizonen, Meeresschutzgebieten, heimischer Seafood-Produktion, Deregulierung und Küstenwirtschaft.
Die Botschaft ist eindeutig:
Noch bevor der erste Bürger seine neue Fisch-App geöffnet hat, handelt es sich bereits um einen monumentalen Erfolg.
So funktioniert imperiale Regierungsführung.
Erst kommt das Dekret.
Dann die Erfolgsmeldung.
Dann der Fisch.
Vielleicht.
NOAA, die neue Legion der Deregulierung
Auch die ehrwürdige Behörde NOAA darf im neuen Epos nicht fehlen.
Sie erscheint nun weniger als klassische Fachbehörde und mehr als maritime Sturmtruppe gegen rote Klebebänder.
Alte Schließungen sollen überprüft, Fangmöglichkeiten erweitert und Vorschriften flexibler gestaltet werden.
Natürlich stets auf Grundlage der besten verfügbaren Wissenschaft.
Im Trumpius-Dialekt bedeutet dies sinngemäß:
„Science – aber bitte mit Motorboot.“
Die heimische Flotte soll profitabler arbeiten können, Küstenregionen sollen wirtschaftlich profitieren und Fischereien möglichst offenbleiben.
Der Kaiser nennt es Balance.
Seine Hofchronisten nennen es wahrscheinlich die größte Balance, die jemals balanciert wurde.
Und das Meer jubelte
So beginnt also eine neue Epoche.
Eine Epoche, in der Charterkapitäne länger gültige Genehmigungen erhalten könnten.
In der Fangmeldungen vom Smartphone statt vom Briefkasten kommen.
In der alte Plattformen zu Fischwohnanlagen werden.
In der Haie internationale Aufmerksamkeit bekommen.
Und in der gesamte Atlantik vermutlich erleichtert aufatmet, weil endlich jemand seine Bürokratieprobleme gelöst hat.
Trumpius Caesar jedenfalls dürfte zufrieden sein.
Die Bürokratie wurde angegriffen.
Die Fischerei wurde erhöht.
Die Freizeitindustrie wurde gepriesen.
Und irgendwo vor der amerikanischen Küste schwimmt wahrscheinlich ein völlig ahnungsloser Streifenbarsch herum, ohne zu wissen, dass er gerade Bestandteil einer historischen imperialen Wirtschaftsoffensive geworden ist.
So funktioniert Politik im Zeitalter Trumpius:
Selbst der Fisch wird dereguliert.

