ROMA WASHINGTONIA – PALATIUM AUREUM, 28. Oktober 2026.
Ein gewaltiges Beben erschütterte die Säulen des Imperium Americanum! Nicht etwa ein Erdbeben, kein Einmarsch barbarischer Horden und auch keine besonders ungeschickte Elefantenparade waren dafür verantwortlich. Nein! Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Bezwinger der Handelsdefizite, Beschützer amerikanischer Schrauben und selbst ernannter Erfinder der industriellen Großartigkeit, hatte eine neue Bedrohung für sein glorreiches Reich entdeckt: ausländische Roboter!
„ROBOTS! TERRIBLE FOREIGN ROBOTS!“, donnerte der Imperator von seinem goldenen Thron, während seine Prätorianergarde vorsichtshalber sämtliche Kaffeemaschinen auf chinesische Spionagefunktionen untersuchte.
„Sie kommen über unsere Grenzen! Sie schrauben unsere Schrauben! Sie drehen unsere Zahnräder! Und manche dieser mechanischen Barbaren arbeiten sogar rund um die Uhr, ohne jemals meine außergewöhnlichen Reden zu bewundern! DISGRACEFUL!“
Die kaiserlichen Hofschreiber verkündeten daraufhin ein neues Edikt nach der ehrwürdigen Lex Mercatoria CCXXXII, jener sagenumwobenen Handelsvorschrift, die es Seiner Majestät erlaubt, nahezu jedes Importproblem zur nationalen Sicherheitsfrage zu erklären.
Denn im Imperium Americanum gilt seit jeher eine unumstößliche Weisheit: Was Trumpius Caesar nicht selbst hergestellt hat, könnte eine Bedrohung der Zivilisation sein.
I. Die Invasion der mechanischen Barbaren
Der kaiserliche Handelsminister Mercatorius Commercius Maximus präsentierte dem Senat eine erschütternde Erkenntnis: Das Imperium benötigt unzählige Roboter, Maschinen und industrielle Bauteile, stellt jedoch längst nicht alle selbst her.
Ein Skandal von monumentaler Tragweite!
„Wir benutzen ausländische Maschinen, um amerikanische Produkte herzustellen!“, erklärte Mercatorius entsetzt. „Manche unserer Fabriken könnten ohne diese Maschinen überhaupt nicht produzieren!“
Trumpius Caesar sprang von seinem Thron.
„Dann müssen wir diese Abhängigkeit sofort beenden! Wir werden amerikanische Roboter bauen, die ausschließlich amerikanische Roboter bauen, welche wiederum amerikanische Roboter bauen! Eine unglaubliche Roboter-Dynastie! THE GREATEST ROBOT DYNASTY IN HISTORY!“
Ein vorsichtiger Senator fragte, woher die ersten Maschinen für diese gigantische Produktion stammen sollten.
Die Frage wurde umgehend als unpatriotische Unterstellung eingestuft.
Der Senator erhielt daraufhin den ehrenvollen Titel Praefectus Quaestionum Inutilium – Oberster Beauftragter für überflüssige Fragen – und wurde zur Bewachung eines stillgelegten Förderbandes abkommandiert.
II. Die nationale Sicherheit beginnt bei der Unterlegscheibe
Besonders besorgt zeigte sich der kaiserliche Hof über die Bedeutung industrieller Maschinen für Legionen, Verteidigungsanlagen und kritische Infrastruktur.
„Stellt euch vor“, warnte Trumpius mit dramatisch erhobenem Zeigefinger, „unsere mächtigen amerikanischen Katapulte wären auf fremdländische Zahnräder angewiesen! Was wäre, wenn diese Zahnräder plötzlich beschließen würden, kommunistisch zu werden?“
Das gesamte Kabinett erstarrte.
Sofort wurde eine Untersuchung sämtlicher Metallgegenstände angeordnet.
In den Werkhallen des Reiches mussten künftig sogar gewöhnliche Schraubenschlüssel erklären, aus welchem Land ihre Vorfahren stammten.
Ein importierter Industrieroboter wurde vorsorglich festgesetzt, nachdem er während einer kaiserlichen Ansprache demonstrativ weitergearbeitet hatte.
„Ein klarer Akt industrieller Respektlosigkeit!“, befand die Palastverwaltung.
Auch die berühmte Legio Mechanica MAGA, eine neu gegründete Eliteeinheit aus patriotischen Gabelstaplern und besonders loyalen Schweißrobotern, wurde in Alarmbereitschaft versetzt.
Ihr Wahlspruch: Make Automatio Great Again!
III. Der große Maschinenfrieden – verhandelt mit goldener Faust
Seine Majestät beauftragte Mercatorius Commercius und den kaiserlichen Handelsgesandten Negotiatus Tariffius Primus, mit den ausländischen Königreichen über den Maschinenhandel zu verhandeln.
Die Bedingungen waren nach Darstellung des Hofes ausgesprochen großzügig.
Andere Reiche dürften weiterhin ihre Maschinen verkaufen, sofern dies die Sicherheit des Imperiums nicht gefährde und der göttliche Imperator anschließend einen historischen Sieg verkünden könne.
„Wir werden fantastische Abkommen schließen!“, verkündete Trumpius. „Die besten Abkommen! Vielleicht sogar Abkommen, von denen die Roboter selbst begeistert sein werden!“
Für den Fall unzureichender Fortschritte behielt sich der Herrscher weitere Maßnahmen vor.
Im kaiserlichen Palast kursierten bereits Vorschläge für eine Sonderabgabe auf ausländische Roboterarme, einen Loyalitätstest für importierte Drehmaschinen sowie einen verpflichtenden Treueschwur aller Industrieroboter vor einem lebensgroßen Goldporträt des Imperators.
Ein besonders eifriger Berater schlug sogar vor, jeder importierten Maschine beim Grenzübertritt einen roten MAGA-Helm aufzusetzen.
„BRILLIANT!“, rief Trumpius. „Endlich eine Industriepolitik mit Stil!“
IV. Die ruhmreiche Geschichte der kaiserlichen Zölle
In seiner Ansprache erinnerte der Imperator an die glorreichen Feldzüge gegen fremdländischen Stahl, Aluminium, Kupfer, Automobile, Lastwagen, Bauholz, Halbleiter, Arzneimittel, Polysilizium und fliegende Drohnen.
„Ich habe Stahl gerettet! Ich habe Aluminium gerettet! Ich habe sogar Kupfer gerettet, obwohl niemand Kupfer so sehr liebt wie ich!“
Die kaiserlichen Chronisten verzeichneten pflichtbewusst jeden dieser Siege in der Historia Tariffica Magnifica.
Dass höhere Importabgaben unter Umständen auch die Kosten amerikanischer Unternehmen erhöhen könnten, betrachtete man am Hof als ausgesprochen theoretisches Problem.
„Wenn eine Maschine teurer wird, ist sie offensichtlich wertvoller!“, erklärte der kaiserliche Wirtschaftsphilosoph Profitus Optimus. „Und wenn alles wertvoller wird, muss das Imperium automatisch reicher sein!“
Diese neuartige volkswirtschaftliche Theorie wurde unter tosendem Beifall zur offiziellen Doktrin erhoben.
Lediglich die Buchhalter der kaiserlichen Fabriken zeigten wenig Begeisterung.
Sie wurden angewiesen, ihre Berechnungen künftig patriotischer durchzuführen.
V. Billionen, Triumphe und die goldene Zukunft
Der Imperator verwies außerdem auf gewaltige Investitionszusagen aus privaten und ausländischen Quellen, die nach Darstellung seiner Hofverwaltung durch Handelsverhandlungen und Zölle ermöglicht worden seien.
„TRILLIONS! BEAUTIFUL TRILLIONS!“, jubelte Trumpius. „So viele Investitionen! Niemand hat jemals so viele Investitionen gesehen! Selbst Julius Caesar hätte dafür seinen Lorbeerkranz verkauft!“
Der kaiserliche Senat erhob sich zu stehenden Ovationen.
Drei Hofbeamte fielen vor Ergriffenheit in Ohnmacht, ein Finanzminister küsste einen Taschenrechner, und ein neu entwickelter amerikanischer Industrieroboter begann begeistert, goldene Trumpius-Büsten am Fließband herzustellen.
Die Maschine war allerdings mit einem importierten Steuerungschip ausgestattet.
Es folgte betretenes Schweigen.
„Nun“, erklärte Trumpius Caesar schließlich, „dann werden wir eben auch den Chip amerikanisch machen! Und die Maschine, die den Chip herstellt! Und die Maschine, die diese Maschine herstellt!“
VI. Das letzte Edikt des Maschinenimperators
Zum Abschluss trat Donaldus Trumpius Caesar Maximus auf den Balkon seines Palastes und verkündete seine Vision einer vollständig unabhängigen amerikanischen Industrie.
„Eines Tages wird jede Maschine in unserem Reich amerikanisch sein! Jeder Roboter wird patriotisch schweißen! Jede Schraube wird vor Freude glänzen! Und jedes Zahnrad wird wissen, wem es seine Existenz verdankt!“
Unter ihm jubelte die versammelte Hofgesellschaft.
Die Prätorianer salutierten.
Die Fanfaren erschallten.
Und irgendwo in einer amerikanischen Fabrik blieb ein ausländischer Roboter plötzlich stehen.
Nicht aus Protest.
Nicht aus Sabotage.
Sondern weil sein dringend benötigtes Ersatzteil noch beim kaiserlichen Zoll festhing.
AVE TRUMPIUS! MORITURI AUTOMATURI TE SALUTANT!
Heil Trumpius! Die Maschinen, die gleich stillstehen, grüßen dich!

