Im goldenen Palast von Washingtonium herrschte höchste Alarmbereitschaft: Ein kanadisches Ventil hatte sich der amerikanischen Handelsüberlegenheit bislang völlig unbeeindruckt gezeigt. Es öffnete und schloss sich einfach. Ohne Dankbarkeit. Ohne Investitionszusage. Ohne auch nur einmal den Namen des Imperators zu zischen.
Trumpius Caesar handelte sofort.
Mit einer majestätischen Proklamation ordnete der selbst ernannte Schutzherr sämtlicher Werktätigen an, die Strafzölle gegen das widerspenstige Ahornreich Canadien erneut umzuräumen. Sperrholzplatten, gewisse Papierwaren, ausgewählte Maschinen, Kühlgeräte und Verpackungskisten durften das wirtschaftliche Straflager verlassen. Dafür rückten Ventile, Teppiche und verschiedene Abfallprodukte ein.
„Diese Teppiche haben uns jahrelang mit Füßen treten lassen“, donnerte Caesar. „Jetzt drehen wir den Spieß um. Sehr faire Teppiche wären längst freiwillig hierhergezogen!“
Die anwesenden Hofschreiber nickten so heftig, dass erstmals eine vollständig heimische Windenergiequelle entstand.
Das Sperrholz nahm seine Begnadigung gefasst entgegen. Es hatte stets beteuert, lediglich aus mehreren verleimten Schichten zu bestehen und mit der kanadischen Außenpolitik nur oberflächlich verbunden zu sein. Auch die freigelassenen Verpackungskisten zeigten sich erleichtert. Wochenlang hatte ihnen der Vorwurf angehangen, amerikanischen Wohlstand außer Landes zu tragen – obwohl sie nachweislich leer angekommen waren.
Nun traf der kaiserliche Zorn den Teppich. Er lag bereits.
Auslöser der neuerlichen Zollwanderung war laut Palast die unverschämte Weigerung Canadiens, amerikanische Strafzölle ausschließlich als liebevolle Einladung zur Unterwerfung zu verstehen. Stattdessen habe das Ahornreich eigene Gegenzölle verhängt. Ein diplomatischer Affront: Wenn Caesar kassierte, hieß es Fairness. Wenn Canadien kassierte, war es Diskriminierung.
Zur rechtlichen Absicherung ließ Finanzquaestor Tariffus eine ehrwürdige Gesetzesrolle aus dem vergangenen Jahrhundert herbeitragen. Diese erlaube dem Imperator, seine Zollerlasse zu ändern, sobald das öffentliche Interesse dies erfordere.
Was das öffentliche Interesse gerade erforderte, erklärte selbstverständlich der Imperator.
Besondere Begeisterung löste die Mitteilung aus, dass selbst Waren unter dem nordamerikanischen Handelsabkommen USMCA von den betreffenden Zöllen erfasst werden konnten. Das Abkommen wurde daraufhin im Palastmuseum ausgestellt: als eindrucksvoller Beleg dafür, wie schön Handelsfreiheit aussehen konnte, solange niemand versuchte, sie zu benutzen.
Bereits bestehende andere Zölle blieben zusätzlich möglich. Caesar nannte das „mehrschichtigen Schutz“. Die Hofküche sprach von einer Lasagne, bei der jede Lage separat abgerechnet wurde.
Zum Beweis der wirtschaftlichen Genialität präsentierte der Palast sodann eine gewaltige Investitionsparade. Generalis Motoricus schickte Fabrikpläne, die brüsselanischen Heiltrankbrauer von UCBius gelobten neue Produktionsstätten, und die Inselmacht Nipponien brachte Chipfabriken für Novum Eboracum ins Spiel.
Sämtliche Zusagen wurden auf einem goldenen Rechenbrett zusammengetragen, das ausschließlich über eine Plustaste verfügte.
Auch die Industrie wachse, verkündeten die Herolde. Daraus folge zwingend, dass jede einzelne Zollentscheidung richtig gewesen sei – einschließlich jener, die man gerade wieder änderte. Der Palast bezeichnete diese Methode als vorausschauende Beständigkeit.
Zum Monatsende sollte die neue Warenliste wirksam werden. Bis dahin erhielten die Zollbeamten Gelegenheit, Teppiche von Papier, Ventile von Maschinen und wirtschaftliche Strategie von der jeweils neuesten Fassung zu unterscheiden.
Für amerikanische Betriebe blieb damit vor allem eine Aufgabe: rechtzeitig herauszufinden, welche ihrer benötigten Waren gerade zum Feind erklärt worden waren.
Trumpius Caesar aber zeigte sich zufrieden. Er hatte Sperrholz befreit, Teppiche bestraft und sogar kanadischen Abfall ins Visier genommen.
Endlich musste auch der Müll für seine Herkunft geradestehen.

