Im texanischen Hafen Corpus Crassus ist das erste Ölwunder des neuen imperialen Zeitalters eingetroffen: eine Million Fässer aus Venez Imperialis. Imperator Donaldus Trumpius Caesar ließ verkünden, die Lieferung koste das Reich keinen einzigen Denarius. Damit wurde erstmals ein Staatsgeschäft abgeschlossen, dessen Rechnung offenbar direkt an die Geschichtsbücher geht.
„Wir kontrollieren jetzt einen gewaltigen Teil des Weltöls“, erklärte Seine Selbstübertrefflichkeit, während hinter ihm ein Tanker lag, der angesichts dieser Aussage vorsichtshalber noch einmal seinen Füllstand überprüfte.
Der Kaiser kam, sah und ließ liefern
Die Ankunft des schwarzen Goldes wurde im Palatium Album als historischer Triumph gefeiert. Hofschreiber hatten das Wort „historisch“ bereits am frühen Morgen so häufig verwendet, dass die zuständige Tastatur unter Denkmalschutz gestellt werden musste.
Trumpius Caesar höchstselbst präsentierte die Lieferung als Beweis seiner einzigartigen Verhandlungskunst: Öl bekommen, nichts bezahlen, Applaus entgegennehmen. So einfach sei Außenpolitik, wenn man sie konsequent aus der Perspektive des eigenen Siegerporträts betreibe.
Ein eigens ernannter Hofbeamter, Gratis Maximus, bestätigte die Kostenfreiheit: „Das Öl kostet nichts. Über alles andere sprechen wir bei einem separaten historischen Anlass.“
Eine Million ist erst der Anfang der Zahl
Besonders eindrucksvoll fällt die imperiale Mengenlehre aus. Während zunächst eine Million Fässer den Hafen erreichte, spricht der Hof bereits von insgesamt 65 Milliarden Fässern.
Das entspricht 65.000 Lieferungen dieser Größe. In der offiziellen Jubelchronik gilt die erste davon bereits als nahezu vollständige Erledigung.
„Die übrigen Fässer befinden sich im erweiterten Triumphzug“, erläuterte Zahlmeister Fassus Gigantus. „Einige sind unterwegs, andere stehen im Vertrag, und besonders patriotische Exemplare existieren bereits in der Rede des Kaisers.“
Die strategischen Reserven würden dadurch mehr als verdoppelt, versichert der Palast. Wie genau, erläutert eine goldene Infografik, auf der ein kleiner Öltropfen neben einem sehr großen Trumpius steht.
Zapfsäulen erhalten Befehl zum Preissturz
Das Öl soll nun in Texania raffiniert werden, amerikanische Arbeitsplätze stärken und die Preise für Benzin und Diesel auf kaiserlichen Tiefststand drücken.
Dazu wurde sämtlichen Zapfsäulen des Reiches ein unmissverständlicher Erlass zugestellt:
„Abwärts mit euch. Der Imperator hat gesprochen.“
An einigen Tankstellen verhielten sich die Preisanzeigen zunächst auffällig marktwirtschaftlich. Der Hof prüft daher, ob einzelne Ziffern heimlich der Demokratischen Senatsfraktion angehören.
Energieminister Petroleus Jubilius zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Sobald der Markt die Pressemitteilung vollständig gelesen hat, wird er gehorchen.“
Von Alaska bis zur eigenen Unfehlbarkeit
Von Alaska Borealis bis Texania Magna entfessele Trumpius Caesar nun die Energieherrschaft des Reiches. Die gesamte westliche Hemisphäre werde zur Energiehauptstadt der Welt erklärt. Dass eine Hemisphäre keine Stadt ist, wurde als kleinliche Einmischung der Geografie zurückgewiesen.
Zugleich verkündete der Imperator das Ende des „Grünen Schwindelpakts“, jener finsteren Verschwörung aus Windrädern, Sonnenlicht und Menschen, die bei Energiepolitik gelegentlich an morgen denken.
Kein anderer Herrscher hätte einen solchen Erfolg erzielen können, versicherte das Palatium Album unter Berufung auf eine unabhängige Untersuchung des Palatium Album.
Zum Abschluss ließ Trumpius eine Million imaginäre Lorbeerkränze verteilen. Die echten waren noch nicht eingetroffen.
Sie sollen mit den restlichen Fässern kommen.

