Es gibt Momente, in denen gewöhnliche Herrscher eine Pressekonferenz geben.
Und dann gibt es Trumpius Caesar.
Der goldgekrönte Imperator der Vereinigten Provinzen von Trumpium trat auf den Balkon seines Marmorpalastes, blickte bedeutungsvoll in den Himmel und beobachtete einen vorbeiziehenden Linienjet.
„Schönes Flugzeug“, murmelte er.
Kurze Pause.
„Warum gehört es eigentlich nicht mehr uns?“
Nur wenige Minuten später rollten bereits kilometerlange Pergamentrollen aus dem kaiserlichen Dekretorium. Die Überschrift lautete:
„Imperiales Flügeldekret zur Rettung der Himmelsvorherrschaft.“
Die Botschaft war eindeutig:
Von nun an sollen sämtliche Handelsbeziehungen rund um Passagierflugzeuge, Triebwerke und Flugzeugteile neu verhandelt werden. Wer dem Imperium Flugzeuge verkaufen möchte, muss künftig zunächst beweisen, dass er den Adler nicht nur auf Postkarten kennt.
Das Ministerium für besonders majestätische Düsenvögel
Mit der Umsetzung wurden gleich zwei höchste Würdenträger beauftragt.
Der ehrwürdige Mercatorius Dealimus, Großmeister des Kaiserlichen Handelsamtes, sowie Negotiatius Maximus, Oberster Gesandter für Imperiale Preisverhandlungen.
Ihre Aufgabe:
Mit allen Völkern der Erde verhandeln.
Und zwar so lange, bis entweder bessere Bedingungen entstehen oder Trumpius Caesar erklärt:
„Das gefällt mir nicht. Noch einmal.“
Insider berichten, dass die Verhandlungen künftig nach einer einfachen Formel ablaufen:
"Wir möchten gerne ein faires Abkommen."
Antwort des Imperiums:
"Ausgezeichnet. Es wird noch fairer – für uns."
Jede Schraube ist plötzlich Staatsangelegenheit
Während andere Länder lediglich Flugzeuge sehen, erkennt Trumpius Caesar etwas viel Bedeutenderes.
Nationale Sicherheit.
Denn nach Ansicht des Kaiserhofes besteht zwischen einem Düsenflugzeug und der Verteidigung des Reiches ungefähr derselbe Zusammenhang wie zwischen Pizza und Käse:
Das eine funktioniert ohne das andere nur äußerst unerquicklich.
Schließlich transportieren große Flugzeuge Soldaten, Hilfsgüter, Würdenträger und gelegentlich auch Politiker, die sich wundern, warum ihre Koffer bereits vor ihnen angekommen sind.
Deshalb lautet die neue Devise:
Wer die Schrauben kontrolliert, kontrolliert den Himmel.
Und wer den Himmel kontrolliert ...
... kontrolliert selbstverständlich alles darunter.
Die große Suche nach verschwundenen Flugzeugfabriken
Im Kaiserlichen Wirtschaftsarchiv wurde inzwischen festgestellt, dass über Jahrzehnte zahlreiche Produktionskapazitäten auf geheimnisvolle Weise ins Ausland verschwunden seien.
Historiker vermuten verschiedene Ursachen.
- Globalisierung.
- Wettbewerb.
- Wirtschaftspolitik.
- Oder ein besonders kräftiger Wind.
Trumpius Caesar bevorzugt allerdings eine deutlich einfachere Erklärung.
„Jemand hat unsere Fabriken genommen.“
Damit war die Untersuchung abgeschlossen.
Operation Heimkehr der Turbine
Jetzt soll alles zurückkehren.
Nicht nur Arbeitsplätze.
Auch Ingenieure.
Maschinen.
Produktionshallen.
Und wenn möglich gleich sämtliche Turbinen, die irgendwo auf der Welt herumschwirren.
Im Palast kursiert bereits der Slogan:
„Make Airplanes Imperial Again.“
Mehrere Hofmaler arbeiten angeblich bereits an einem neuen Reichswappen, auf dem ein goldener Adler zwei gewaltige Düsentriebwerke in den Klauen trägt.
Die gefürchtete Frist des Imperators
Besonders nervös macht Handelspartner allerdings eine Zahl.
Denn genau 180 Tage sollen ausreichen, damit sämtliche Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden.
Sollte danach noch Uneinigkeit herrschen, besitzt Trumpius Caesar laut Dekret sämtliche kaiserlichen Möglichkeiten.
Was genau das bedeutet?
Niemand weiß es.
Nicht einmal der Kaiser.
Aber allein die Möglichkeit klingt beeindruckend genug.
Die legendäre Paragraphen-Legion 232
Veteranen erinnern sich sofort an die berühmte Legio ZweihundertZweiundDreißig, jene mystische Einheit, die Trumpius Caesar bereits bei Stahl, Aluminium, Kupfer, Fahrzeugen, Holz und allerlei anderen Dingen ins Feld geführt haben soll.
Wo immer sie auftauchte, entstanden Zölle.
Viele Zölle.
Teilweise so viele, dass Zollbeamte Überstunden beantragten.
Jetzt erhebt sich die Legion erneut.
Diesmal gegen Flugzeuge.
Und vermutlich auch gegen jede Schraube, die verdächtig international aussieht.
Der Traum vom vollkommen imperialen Flugzeug
Im Hofstaat kursieren bereits ambitionierte Zukunftspläne.
Ein vollständig imperial gebautes Flugzeug.
Jede Schraube aus heimischer Schmiede.
Jede Turbine aus kaiserlicher Produktion.
Jeder Sitz mit goldenem Trumpius-Wappen.
Die Borddurchsage könnte künftig lauten:
„Willkommen an Bord der Air Trumpia. Unsere heutige Flugzeit beträgt exakt so lange, wie Trumpius Caesar sie für angemessen hält.“
Die Business-Class erhält zusätzlich einen vergoldeten Sicherheitsgurt sowie einen persönlichen Hofnarren zur Unterhaltung während möglicher Warteschleifen über Washingtonium.
Federkielmeister Thomasius Federkalligraphus berichtet
Der Chronist des Kaiserreichs beobachtete das Schauspiel mit ehrfürchtigem Staunen.
Während gewöhnliche Staaten über Lieferketten diskutieren, verwandelt Trumpius Caesar jede Turbine in eine geopolitische Oper und jede Flugzeugschraube in eine Frage imperialer Ehre.
Ob dadurch künftig mehr Flugzeuge in Trumpium gebaut werden?
Das wird die Zukunft zeigen.
Fest steht jedoch schon heute:
Kaum ein anderer Herrscher schafft es, aus einer Verordnung über Flugzeugimporte eine Inszenierung zu machen, bei der selbst Düsenjets vermutlich salutieren würden, bevor sie starten.
Und irgendwo hoch über den Wolken dreht ein Pilot noch einmal eine Ehrenrunde.
Man weiß schließlich nie, ob Trumpius Caesar gerade mitzählt.

