Es war ein Morgen, wie ihn das Imperium lange nicht erlebt hatte. Die Sonne spiegelte sich auf den goldenen Felgen der kaiserlichen Triumphwagen, als Trumpius Caesar Maximus, Herrscher über das Reich der Großen Tankstellen und Beschützer der Oktanzahlen, vom Balkon des Weißen Marmortempels trat.
Mit erhobenem Schraubenschlüssel – kunstvoll aus vergoldetem Titan gefertigt – verkündete er eines der wichtigsten Dekrete der jüngeren Reichsgeschichte:
"Das Volk soll seine Wagen wieder selbst reparieren dürfen!"
Der Senat tobte. Die Mechaniker jubelten. Irgendwo fiel einem Bürokraten vor Schreck die Feder aus der Hand.
Das Ende der Herrschaft von Californicus Zertifikatius
Jahrelang hatte das mächtige Orakel von Californicus Zertifikatius Maximus über nahezu jedes Ersatzteil entschieden.
Ob eine Auspuffschelle.
Ein Luftfilter.
Oder eine Schraube mit besonders majestätischem Gewinde.
Alles musste den beschwerlichen Weg durch das legendäre Labyrinth der Genehmigungen antreten.
Man erzählte sich, dass ein Antrag schneller verrottete als ein römischer Holzwagen im Regen.
Die Bearbeitungszeit?
Mindestens ein Jahr.
Optimisten nannten das "zügig".
Pessimisten sprachen von "noch während der Regierungszeit der Enkel".
Viele Schmiede warteten so lange auf ihre Zulassung, dass sie zwischendurch drei neue Werkstätten bauten und ihre Lehrlinge selbst Meister wurden.
Umweltpräfekt Emissius Clarificatus erhält einen neuen Auftrag
Trumpius wandte sich an seinen Umweltpräfekten Emissius Clarificatus, Hüter der Abgasrollen und Oberaufseher über den Rauch aus den kaiserlichen Auspuffrohren.
"Schaffe Klarheit!", befahl der Kaiser.
Der Präfekt soll nun endlich eindeutig festlegen, welche Reparaturen die Bürger selbst an ihren Streitwagen durchführen dürfen, ohne dass sofort zwölf Inspektoren, vier Anwälte und ein Wanderzirkus der Bürokratie erscheinen.
Denn bisher wusste kaum jemand, wo eine harmlose Reparatur endete und wo angeblich schon das Ende der bekannten Zivilisation begann.
Die große Freiheit der Schrauber
Im gesamten Reich brach Begeisterung aus.
Werkstätten verkauften innerhalb weniger Stunden sämtliche Schraubenschlüssel.
Hämmer wurden zu Symbolen der Freiheit.
Drehmomentschlüssel galten plötzlich als Statussymbol.
Selbst Senatoren, die bisher glaubten, Motoröl sei ein Duftwasser, posierten plötzlich mit ölverschmierten Händen vor Marmorstatuen.
Die neue Parole lautete:
"Wer einen Wagen fährt, darf ihn auch verstehen."
Ein revolutionärer Gedanke.
Angriff auf das Bürokratie-Monopol
Noch bedeutender war jedoch der zweite Teil des Dekrets.
Bislang führte praktisch nur das kalifornische Genehmigungsorakel den Weg zur Zulassung neuer Ersatzteile.
Das Ergebnis war vorhersehbar.
Wenig Auswahl.
Hohe Preise.
Unendliche Wartezeiten.
Trumpius Caesar erklärte:
"Warum soll nur ein einziges Amt entscheiden dürfen, ob ein Auspuff würdig genug für das Imperium ist?"
Daraufhin kündigte Umweltpräfekt Emissius an, künftig alternative Zulassungswege zu fördern.
Die Schmiedegilden feierten sofort ein dreitägiges Schrauberfest.
Barmherzigkeit für ehrliche Bastler
Eine weitere Neuerung ließ besonders die Legion der Hobbymechaniker jubeln.
Wer seinen Wagen ehrlich reparieren möchte und dabei versucht, ihn wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen, soll künftig nicht mehr sofort mit der gesamten Macht der kaiserlichen Bürokratie rechnen müssen.
Früher genügte angeblich schon ein falsch eingesetzter Sensor, damit irgendwo ein Beamter begann, Formulare in dreifacher Ausfertigung auszufüllen.
Jetzt heißt die Devise:
Erst helfen.
Dann prüfen.
Und vielleicht gar nicht bestrafen.
Im Reich gilt das bereits als radikaler Fortschritt.
Der Schatten des Kaisers Bidenius Regulatius
Natürlich durfte in der großen Ansprache auch ein Seitenhieb gegen den Vorgänger nicht fehlen.
Bidenius Regulatius, einstiger Herrscher über das Reich der Vorschriften, habe – so verkündete Trumpius – Berge aus Verordnungen errichtet.
Jede neue Regel habe weitere Regeln erzeugt.
Diese wiederum hätten neue Behörden geschaffen.
Und jede Behörde habe selbstverständlich mindestens sieben Unterbehörden benötigt.
Der durchschnittliche Bürger habe irgendwann mehr Formulare ausgefüllt als Kilometer gefahren.
Das Zeitalter der großen Entfesselung
Trumpius erinnerte stolz an seine bisherigen Reformen.
Bereits zuvor hatte er den Bauern des Reiches erlaubt, ihre landwirtschaftlichen Maschinen wieder eigenständig zu reparieren.
Die Bauern nannten ihn daraufhin:
Imperator der Ölkanne.
Kurz darauf folgte die legendäre Abschaffung des berüchtigten Klimaschriftstückes Gefährdungus Obamus, das nach Auffassung der kaiserlichen Berater über Jahre zahllose Vorschriften hervorgebracht hatte.
Auch die Treibstoffvorgaben wurden wieder auf Werte zurückgeführt, die normale Benzin- und Dieselstreitwagen tatsächlich erreichen konnten.
Die Wagenbauer atmeten hörbar auf.
Selbst die Pferde wirkten entspannter.
Die Rückkehr des gesunden Schrauberverstandes
Im ganzen Reich verbreitete sich das Gefühl, dass Schrauben künftig wieder wichtiger sein könnten als Stempel.
Werkstätten hofften auf günstigere Ersatzteile.
Hersteller auf schnellere Zulassungen.
Bürger darauf, dass sie für den Austausch eines Luftfilters künftig keinen Hohepriester der Bürokratie mehr konsultieren müssen.
Selbst einige Senatoren sollen heimlich eingeräumt haben, dass ein Motor sich manchmal tatsächlich besser reparieren lässt als ein Formular.
Das kaiserliche Fazit
So endete ein weiterer denkwürdiger Tag im Reich von Trumpius Caesar Maximus.
Während irgendwo im Sonnenuntergang Legionäre ihre Streitwagen polierten und Mechaniker feierlich ihre Schraubenschlüssel gen Himmel reckten, stand der Kaiser auf den Stufen des Marmortempels und blickte zufrieden über sein Imperium.
"Ein freier Bürger", verkündete er mit majestätischer Stimme, "braucht keinen Beamten, um eine Schraube anzuziehen."
Ob dies tatsächlich eine neue Ära des preiswerten Reparierens einläutet oder lediglich das nächste Kapitel im ewigen Kampf zwischen Bürokratie und Werkzeugkasten wird, bleibt den Chronisten überlassen.
Fest steht jedoch eines:
Noch nie klang das Geräusch einer Ratsche so sehr nach Freiheit.

