Im ruhmreichen Marmorpalast des Imperiums erklangen erneut die goldenen Hörner. Trumpius Caesar Maximus trat auf den Balkon, hob den kaiserlichen Schraubenschlüssel gen Himmel und sprach jene Worte, auf die Millionen Wagenlenker, Streitwagenmeister und Dorfschmiede seit Jahren gewartet hatten:
"Ein Reich, das seine eigenen Wagen nicht mehr reparieren darf, ist kein freies Reich!"
Die Menge tobte. Schmiede warfen Schraubenschlüssel in die Luft. Mechaniker umarmten ihre Werkzeugkisten. Selbst einige Senatoren nickten zustimmend, obwohl sie gar nicht wussten, worum es eigentlich ging.
Denn über Jahre hatte sich das Imperium in den Fängen einer gefürchteten Behörde verheddert: dem legendären Umwelt-Orakel Atmospherius Regulatius, dessen Priester jeden Auspuff, jede Schraube und jede Ersatzfeder mit Pergamentrollen von epischer Länge segnen mussten.
Der Fluch aus Californiensis
Besonders berüchtigt war dabei die Provinz Californiensis Maxima.
Dort residierte der Hohe Rat der Rauchzeichen, angeführt vom ehrwürdigen Californius Emissionicus, dessen berühmtester Satz lautete:
"Eure Schraube erhält vielleicht nächstes Jahr eine Genehmigung."
Vielleicht.
Falls der Wind günstig stand.
Und Merkur nicht rückläufig war.
Wer ein Ersatzteil herstellen wollte, musste zunächst Berge von Schriftrollen einreichen, anschließend Wagen opfern, Rauchmessungen durchführen, Formulare dreimal in Gold prägen lassen und danach ungefähr so lange warten, bis Rom einen neuen Aquädukt gebaut hatte.
Inzwischen war aus wenigen Wochen eine Wartezeit von deutlich über einem Jahr geworden.
Nicht wenige Schmiede hatten in dieser Zeit bereits ihre Enkel in das Geschäft eingearbeitet.
Die große Schrauben-Offensive
Trumpius Caesar betrachtete dieses Schauspiel mit der Geduld eines Löwen, der einem besonders langsamen Beamten beim Ausfüllen eines Formulars zusieht.
Dann platzte ihm endgültig die Toga.
Mit einem kaiserlichen Memorandum verkündete er deshalb die "Libertas Reparandis" – die Freiheit des Reparierens.
Von nun an soll das Imperium endlich klarstellen, welche Reparaturen Bürger an ihren eigenen Streitwagen durchführen dürfen, ohne sofort als Staatsfeinde des Auspuffgottes zu gelten.
Die Botschaft war eindeutig:
Wer seinen Wagen ehrlich wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen möchte, soll kein Gesetzesbrecher sein.
Eine revolutionäre Idee.
Fast schon gefährlich logisch.
Das Ende des Zertifizierungs-Labyrinths
Besonders ins Visier nahm Trumpius den gewaltigen Flaschenhals des Reiches.
Bislang durfte praktisch nur der Rat von Californiensis darüber entscheiden, welche Ersatzteile als würdig galten.
Das führte zu kuriosen Szenen.
Werkstätten stapelten Ersatzteile bis zur Decke.
Kunden warteten monatelang.
Währenddessen saßen Beamte über Pergament Nummer 18.472 und diskutierten, ob eine Dichtung möglicherweise 0,000001 Prozent anders atmete als vorgesehen.
Trumpius Caesar schüttelte den Kopf.
"Wenn das so weitergeht," erklärte er, "ist der Wagen längst zu Staub zerfallen, bevor die Genehmigung eintrifft."
Deshalb soll nun auch anderen angesehenen Prüflegionen erlaubt werden, Ersatzteile zu testen und zu zertifizieren.
Das Ziel:
Mehr Wettbewerb.
Weniger Bürokratie.
Mehr verfügbare Ersatzteile.
Und deutlich weniger Monopole im Reich der Stempel.
Angriff auf die Billig-Imitatoren
Natürlich durfte auch ein Seitenhieb gegen die berüchtigten Händler aus den fernen Provinzen Knockoffistan und Billigus Importicus nicht fehlen.
Diese überschwemmten seit Jahren das Imperium mit zweifelhaften Ersatzteilen, deren Haltbarkeit ungefähr der Lebensdauer einer römischen Schneeflocke entsprach.
Trumpius verlangte deshalb schnellere, aber zugleich verlässliche Prüfverfahren.
Nicht jeder rostige Metallklumpen solle künftig als Wunder-Ersatzteil verkauft werden dürfen.
Qualität statt Bürokratie.
Ein Satz, den manche Senatoren zunächst für einen Übersetzungsfehler hielten.
Milde für ehrliche Schrauber
Besonders laut jubelten die Hobbymechaniker des Imperiums.
Denn bislang konnte selbst der gutgläubige Versuch, den eigenen Wagen wieder korrekt instand zu setzen, juristische Abenteuer nach sich ziehen.
Der oberste Umweltpräfekt Ecologius Fumus Maximus erhielt deshalb den Auftrag, künftig deutlich zurückhaltender gegen Bürger vorzugehen, die ihren Wagen in gutem Glauben reparieren.
Das bedeutet keineswegs Narrenfreiheit.
Aber wer ehrlich versucht, seinen Streitwagen wieder ordnungsgemäß herzurichten, soll nicht behandelt werden, als hätte er den Vesuv persönlich manipuliert.
Senatoren suchen nach der verlorenen Schraube
Im Senat löste die Verkündung erwartungsgemäß hektische Diskussionen aus.
Die Fraktion der Formularbewahrer warnte bereits vor einer "unkontrollierten Explosion selbst angezogener Muttern".
Andere Senatoren verlangten zunächst die Einrichtung einer Kommission zur Untersuchung der möglichen Auswirkungen frei drehender Schraubenschlüssel.
Die Kommission soll ihre Ergebnisse voraussichtlich im Jahre MMDXLII vorlegen.
Vielleicht.
Das Urteil des Imperiums
Während die Gegner noch darüber stritten, ob ein Schraubenzieher überhaupt demokratisch legitimiert sei, feierten Werkstätten im gesamten Reich bereits ein improvisiertes Schraubenfest.
Mechaniker polierten Ratschen.
Schmiede entzündeten symbolisch alte Genehmigungsformulare.
Und unzählige Wagenbesitzer blickten hoffnungsvoll auf ihre klappernden Karren.
Denn vielleicht – nur vielleicht – könnte es künftig schneller sein, ein Ersatzteil einzubauen als dessen Genehmigung abzuwarten.
Trumpius Caesar Maximus verließ schließlich den Balkon, blickte zufrieden auf das jubelnde Volk und sprach den Satz, der bereits in goldenen Lettern über den Toren vieler Werkstätten eingemeißelt wird:
"Ein Imperium wird nicht durch Formulare groß – sondern durch Menschen, die ihren Wagen wieder selbst zum Rollen bringen."
Und irgendwo tief im Keller des Umwelt-Orakels begann ein einsamer Beamter bereits mit Formular Nummer 18.473.
Natürlich in dreifacher Ausfertigung.

