Rom wurde einst durch Mauern geschützt.
Das Imperium von Trumpius Caesar Maximus hingegen wird durch Firewalls geschützt.
Und zwar die größten, schönsten und vermutlich teuersten Firewalls, die jemals von Menschen, Göttern oder IT-Abteilungen erschaffen wurden.
In seinem neuesten Erlass, bekannt als NSPM-XII – Das Große Memorandum der Digitalen Unbesiegbarkeit, verkündete Trumpius Caesar Maximus die Wiedergeburt der legendären Cyber-Legionen des Reiches.
„Unsere Systeme werden so sicher sein“, erklärte der Imperator bei einer Ansprache vor dem Goldenen Serverzentrum von Mar-a-Lagorium, „dass selbst die Hacker nicht mehr wissen werden, wo sie hacken sollen.“
Tosender Applaus.
Mehrere Berater versuchten gleichzeitig, ihre Passwörter zu ändern.
Das Ende der alten Schriftrollen
Die erste große Tat des Imperators bestand darin, zwei uralte digitale Gesetzestafeln abzuschaffen.
Diese stammten aus längst vergangenen Zeitaltern, als Modems noch Geräusche machten und manche Senatoren glaubten, das Internet sei lediglich eine besonders schnelle Faxmaschine.
„Weg damit!“, rief Trumpius.
„Wenn eine Richtlinie älter ist als meine Frisur, gehört sie ins Museum!“
Innerhalb weniger Stunden wurden Wagenladungen verstaubter Cyber-Vorschriften in die Archive von Antiquus Bureaucraticus transportiert.
Die Geburt des Hohen Rates der Cyber-Zenturionen
Der wichtigste Bestandteil des Erlasses ist die Wiederbelebung des legendären Rates der Nationalen Sicherheitssysteme.
Im Reich wird dieses Gremium bereits ehrfürchtig als Concilium Cyberneticum Maximus bezeichnet.
Darin versammeln sich:
- Bellator Magnus, Herr der Kriegslegionen
- Geheimius Observator, Meister der Spionage
- Budgetus Sparsamus, Hüter der Goldkisten
- Kryptonius Geheimcodeus, Oberster Bewahrer der Verschlüsselung
Gemeinsam sollen sie darüber wachen, dass sämtliche imperialen Systeme gegen Angriffe geschützt werden.
Gerüchten zufolge darf künftig kein Beamter mehr ein Passwort verwenden, das den Namen seines Haustieres enthält.
Die Katzen des Reiches protestierten umgehend.
Kryptonius Geheimcodeus erhält göttliche Vollmachten
Besonders gefeiert wurde die Ernennung von Kryptonius Geheimcodeus, dem Obersten Nationalen Manager der Geheimcodes.
Seine neuen Befugnisse sind gewaltig.
Er darf:
- Notfallbefehle erlassen
- Sicherheitsmaßnahmen anordnen
- Kryptoschlüssel verwalten
- Hackerjagden koordinieren
- fremde digitale Bedrohungen analysieren
Insider behaupten, Kryptonius könne inzwischen bereits erkennen, wenn jemand in einem anderen Land darüber nachdenkt, ein schwaches Passwort zu verwenden.
Offiziell bestätigt wurde das allerdings nicht.
Die große Inventur des Imperiums
Trumpius Caesar Maximus stellte eine einfache Frage:
„Weiß eigentlich jemand, wie viele Computer wir besitzen?“
Es folgte eine Stille, die mehrere Minuten dauerte.
Ein Beamter meldete sich schließlich:
„Wir haben Listen der Listen über die Listen, die möglicherweise Hinweise auf andere Listen enthalten.“
Der Imperator war nicht begeistert.
Deshalb müssen nun sämtliche Behörden des Reiches jedes einzelne Sicherheitssystem erfassen und jährlich aktualisieren.
Historiker sprechen bereits von der größten Inventur seit der Zählung aller Sandkörner im Kolosseum.
Wolken über dem Imperium
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die berühmten kaiserlichen Datenwolken.
Nein, keine echten Wolken.
Die Wolken, in denen heutzutage sämtliche Dokumente, Tabellen und vermutlich auch verlorene Mittagspausen gespeichert werden.
Trumpius ordnete an, dass sämtliche Wolken künftig streng überprüft werden. Sicherheitsstandards sollen vereinheitlicht und die Nutzung modernster Technologien beschleunigt werden.
Kaiserliche Berater erklärten stolz:
„Unsere Wolken werden so sicher sein, dass nicht einmal die Wolken selbst wissen, was darin gespeichert ist.“
Der Traum vom Hacker-freien Reich
Der eigentliche Kern des Memorandums ist jedoch eine Vision.
Trumpius Caesar Maximus träumt von einem Reich, in dem Angriffe erkannt werden, bevor sie stattfinden.
Ein Reich, in dem Sicherheitslücken geschlossen werden, bevor jemand sie findet.
Ein Reich, in dem die Steuerzahler nicht für fünf verschiedene Behörden bezahlen müssen, die jeweils dieselbe Excel-Tabelle verwalten.
Die Cyber-Legionen sollen künftig Informationen austauschen, gemeinsame Standards verwenden und enger zusammenarbeiten.
Ein revolutionärer Gedanke, wie einige Veteranen der Bürokratie erstaunt feststellten.
Das Urteil von Harlekinus Maximus
Auch Hofnarr Harlekinus Maximus äußerte sich zum Erlass:
„Früher hatten wir zehn Behörden, die nicht miteinander sprachen. Jetzt haben wir elf Behörden, die darüber beraten, wie sie miteinander sprechen könnten. Das ist eindeutig Fortschritt.“
Selbst Trumpius musste darüber lachen.
Kurz.
Dann ordnete er die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Optimierung bestehender Arbeitsgruppen an.
Mit NSPM-XII hat Trumpius Caesar Maximus die digitale Verteidigung seines Reiches neu organisiert. Mehr Zuständigkeiten, mehr Standards, mehr Kryptographie und vor allem mehr Kontrolle sollen dafür sorgen, dass die Cyber-Grenzen des Imperiums künftig stärker bewacht werden als die Schatzkammern von Caesarium.
Ob Hacker dadurch tatsächlich abgeschreckt werden oder lediglich beeindruckt nicken, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht jedoch:
Wenn ein Imperator eine Armee von Kryptographen, Geheimdienstmeistern und Cyber-Zenturionen mobilisiert, dann sollte man sein Passwort vielleicht doch nicht mehr auf einen gelben Klebezettel schreiben.

