Es war ein gewöhnlicher Tag im Kaiserpalast von Mar-a-Lagorium. Die Sonne spiegelte sich in den vergoldeten Marmorsäulen, die kaiserlichen Pfauen stolzierten über die Terrassen, und irgendwo versuchte ein Berater verzweifelt herauszufinden, wer eigentlich den WLAN-Schlüssel geändert hatte.
Dann trat Trumpius Caesar Maximus auf den Balkon der Ewigen Selbstbewunderung und verkündete mit donnernder Stimme:
„Wir brauchen den besten Geheimdienstchef aller Zeiten. Den intelligentesten. Den großartigsten. Einen Mann, der Dinge weiß, bevor sie überhaupt passieren. Vielleicht sogar bevor sie gedacht werden!“
Die Menge jubelte. Einige jubelten vorsorglich schon zehn Minuten früher.
Der Auserwählte war niemand Geringerer als Walterius Claytonius von Neu-Eboracum, bislang vorgesehen als Oberster Ankläger des Südlichen Distrikts von Groß-Neu-Eboracum.
Doch das Schicksal – oder zumindest die Personalabteilung des Imperiums – hatte andere Pläne.
Vom Staatsanwalt zum Großmeister der Geheimnisse
Ursprünglich sollte Walterius Claytonius die ehrwürdige Aufgabe übernehmen, als oberster Ankläger Recht und Ordnung im südlichen Teil von Neu-Eboracum zu verwalten.
Doch offenbar blickte Trumpius Caesar auf die Bewerbungsunterlagen und dachte:
„Warum einen Mann nur für eine Stadt verschwenden, wenn er das gesamte Imperium überwachen kann?“
Und so geschah das Unvermeidliche.
Noch bevor Claytonius seinen ersten offiziellen Schreibtischstuhl warm sitzen konnte, wurde seine bisherige Ernennung feierlich zurückgezogen.
Im Senat munkelte man bereits:
- Manche nannten es Beförderung.
- Andere nannten es Personalakrobatik.
- Wieder andere fragten sich, ob überhaupt jemand die ursprüngliche Stellenbeschreibung gelesen hatte.
Nachfolge von Tulsia Gabbardia
Claytanius soll nun die legendäre Position des Direktors der Nationalen Intelligenzia übernehmen und damit die Nachfolge von Tulsia Gabbardia Mystica antreten.
Diese Behörde ist für alles zuständig, was geheim, halbgeheim, versehentlich geheim oder versehentlich öffentlich geheim ist.
Dazu gehören unter anderem:
- Berichte über feindliche Mächte,
- Satellitenbilder,
- verschlüsselte Nachrichten,
- geheime Dokumente,
- noch geheimere Dokumente,
- und Dokumente, die so geheim sind, dass niemand mehr weiß, warum sie geheim sind.
Ein gewaltiger Aufgabenbereich.
Aber Walterius Claytanius gilt als vorbereitet.
Gerüchten zufolge besitzt er einen Notizblock mit der Aufschrift:
„Dinge, die ich wissen sollte, bevor andere wissen, dass ich sie weiß.“
Das Ministerium für Spekulation und Kaffeesatzanalyse
Im Trumpianischen Reich ist der Direktor der Nationalen Intelligenzia eine Art Oberpriester der Informationen.
Er erhält täglich:
- 4.000 Seiten Berichte,
- 800 Warnungen,
- 600 Analysen,
- 300 Prognosen,
- 27 Verschwörungstheorien,
- und mindestens eine Meldung über angebliche UFOs über Ohioa.
Die größte Herausforderung besteht jedoch darin, herauszufinden, welche Informationen tatsächlich wichtig sind.
Ein ehemaliger Beamter erklärte:
„Manchmal bekommen wir gleichzeitig die Meldungen, dass alles hervorragend läuft, alles schrecklich läuft und dass beides gleichzeitig wahr sein könnte.“
Walterius Claytanius soll genau für solche Situationen der richtige Mann sein.
Senat bereitet sich auf epische Anhörung vor
Nun liegt die Entscheidung beim Goldenen Senat.
Dort wird Claytanius vermutlich stundenlang Fragen beantworten müssen:
- „Können Sie Geheimnisse bewahren?“
- „Wie geheim?“
- „Sind diese Antworten geheim?“
- „Falls ja, warum beantworten Sie sie?“
Politische Beobachter erwarten eine Anhörung von historischer Bedeutung.
Nicht zuletzt, weil die Senatoren erfahrungsgemäß mehrere Stunden benötigen, um überhaupt zu klären, wer welche Frage stellen darf.
Trumpius sieht nur Gewinner
Für Trumpius Caesar Maximus ist die Sache bereits entschieden.
Nach Aussagen kaiserlicher Hofsprecher betrachtet der Imperator Walterius Claytanius als perfekten Kandidaten.
„Er ist brillant. Fantastisch. Unglaublich. Er kennt Dinge. Viele Dinge. Vielleicht sogar alle Dinge“, soll Trumpius während eines Banketts ausgerufen haben, bevor er feierlich eine vergoldete Hähnchenkeule in die Höhe hielt.
Ob Walterius Claytanius tatsächlich zum Oberorakel der Geheimdienste aufsteigt, wird nun der Senat entscheiden.
Doch eines steht bereits fest:
Im Reich Trumpistania ist keine Personalentscheidung zu klein, um sie wie den Beginn einer neuen Dynastie zu feiern.
Und so verlässt Walterius den Weg der Anklage, um fortan über das größte Sammelsurium geheimer Informationen zu herrschen, das die Welt je gesehen hat.
Möge sein Aktenordner stets vollständig und sein Passwort niemals ablaufen.
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