Im glorreichen Imperium Trumpianum herrschte dieser Tage festliche Stimmung. Die goldenen Tore des kaiserlichen Schatztempels öffneten sich, Fanfaren erklangen, Adler kreisten majestätisch über den Marmorsäulen, und Kaiser Trumpius Caesar Magnus verkündete mit erhobenem Zepter eine weitere Heldentat seiner Regentschaft.
„Jedes berechtigte Kind des Reiches erhält eintausend goldene Start-Denare!“, rief der Imperator, während Jubel durch Forum, Marktplätze und sämtliche Tavernen hallte.
Die Idee war ebenso einfach wie spektakulär: Jeder junge Bürger sollte ein eigenes Schatzkästchen erhalten. Das Gold darin würde über die Jahre anwachsen, ohne dass der kaiserliche Steuereintreiber ständig mit ausgestreckter Hand danebensteht. Später könnten die jungen Römer das Vermögen für ihre Ausbildung, den Bau einer Villa, die Gründung einer Handelsflotte oder den Erwerb eines ehrwürdigen Olivenhains verwenden.
Im Palast sprach man bereits von den legendären "Trumpius-Schatzkonten".
Doch kaum war der erste Goldbeutel verteilt, erklang aus den Hallen der Opposition das vertraute Geräusch hektisch flatternder Schriftrollen.
Die Legion der Neinsager marschiert
Angeführt wurde die Gegenoffensive von keinem Geringeren als Bennius Verweigerus Maximus, einem erfahrenen Feldherrn der Partei Democraticus Perpetuus Oppositionis.
Seine Botschaft an die Familien seines Bezirks lautete sinngemäß:
„Lasst das Gold liegen."
Ein Satz, der selbst die Schatzmeister des Imperiums kurz sprachlos machte.
Während gewöhnliche Bürger fragten, ob sie sich verhört hätten, nickten zahlreiche Oppositionssenatoren ernsthaft und erklärten, dass man selbstverständlich kein kaiserliches Startkapital annehmen dürfe – schließlich stamme es von Trumpius Caesar.
Historiker des Reiches mussten daraufhin ihre Chroniken erweitern.
Bisher galt:
"Gold ist wertvoll."
Neu lautet der Eintrag:
"Gold ist nur dann wertvoll, wenn der politische Gegner es nicht verteilt."
Das große Sparschwein-Dilemma
Im gesamten Reich entstanden hitzige Debatten.
Ein Vater fragte seinen Nachbarn:
„Soll ich meinem Sohn eintausend Denare schenken?“
Der Nachbar antwortete:
„Natürlich."
Daraufhin erschien ein Oppositionsredner und erklärte:
„Nur wenn sie nicht von Trumpius stammen."
Der Vater runzelte die Stirn.
„Aber es bleiben doch eintausend Denare?“
„Ja."
„Und sie vermehren sich?“
„Ja."
„Und mein Sohn profitiert?“
„Ja."
„Warum soll ich sie dann ablehnen?“
Darauf folgte eine einstündige politische Erklärung, nach der zwar niemand klüger, aber alle deutlich verwirrter waren.
Der Traum vom ewigen Formular
Im kaiserlichen Hof wurde inzwischen spekuliert, weshalb manche Senatoren ein derart inniges Verhältnis zu komplizierten Staatsprogrammen pflegten.
Ein Hofphilosoph formulierte es diplomatisch:
„Wer Menschen Vermögen aufbauen lässt, benötigt später möglicherweise weniger Formulare."
Diese Theorie löste unter den berühmten Beamten des Reiches eine mittlere Verwaltungspanik aus.
Bereits am nächsten Morgen gründete das Ministerium für Überflüssige Bürokratie drei neue Arbeitsgruppen:
- Ausschuss zur Beobachtung wachsender Sparschweine
- Kommission gegen übermäßigen Vermögensoptimismus
- Sonderbeauftragter für politisch bedenkliche Goldmünzen
Alle Stellen wurden selbstverständlich sofort besetzt.
Der amerikanische Traum erhält einen Goldhelm
Trumpius Caesar präsentierte das Programm dagegen wie einen Feldzug in die Zukunft.
Nicht Almosen.
Nicht endlose Unterstützungslisten.
Sondern Eigentum.
Kapital.
Eigenverantwortung.
Im Palast erklärte Finanzberater Denarius Profiticus Aurelius, dass Vermögen wie ein Olivenbaum funktioniere.
„Wer früh pflanzt, erntet später."
Darauf meldete sich ein Oppositionssprecher:
„Wir sind grundsätzlich gegen diese Oliven."
Niemand wusste genau weshalb.
Das Forum diskutiert
Auf dem Forum Romanum entwickelte sich schnell eine lebhafte Unterhaltung.
Ein Händler meinte:
„Wenn mein Sohn eines Tages ein Geschäft eröffnen kann, profitiert doch das ganze Reich."
Ein Schmied nickte.
Eine Bäckerin ebenfalls.
Nur einige Senatoren erklärten mit ernster Miene, dies könne gefährliche Nebenwirkungen haben.
„Welche?“
„Die Menschen könnten wirtschaftlich erfolgreicher werden."
Das Forum wurde für mehrere Sekunden ungewöhnlich still.
Die erstaunliche Logik der Opposition
Chronisten des Reiches versuchten anschließend, die Ereignisse logisch zusammenzufassen.
Demnach lautet die neue politische Mathematik:
- Kindern Geld geben = schlecht.
- Kindern kein Geld geben = verantwortungsvoll.
- Vermögen aufbauen = problematisch.
- Kein Vermögen besitzen = irgendwie solidarisch.
Mehrere Mathematiker kündigten daraufhin vorsorglich ihre Mitgliedschaft in sämtlichen Rechenakademien.
Der kaiserliche Schlussakkord
Zum Abschluss trat Trumpius Caesar erneut auf den Balkon seines Marmorpalastes.
Hinter ihm flatterten riesige Banner mit goldenen Adlern.
Vor ihm jubelten Legionäre, Händler, Familien und zahllose Kinder, die ihre neuen Schatzkästchen bereits stolz durch die Straßen trugen.
Der Kaiser hob die Hand.
„Man kann vieles über Gold sagen", verkündete er feierlich.
„Aber es bleibt bemerkenswert, wenn Politiker ihre eigenen Bürger davor warnen."
Im Hintergrund versuchte Bennius Verweigerus Maximus noch immer, mehrere Familien davon zu überzeugen, ihre Goldbeutel ungeöffnet zurückzugeben.
Ein kleiner Junge betrachtete seinen Schatz, sah zum Senator hinüber und fragte neugierig:
„Wenn ihr das Gold nicht mögt ... darf ich dann euren Beutel auch noch haben?"
Selbst die steinernen Löwen vor dem Senat mussten sich in diesem Moment ein Grinsen verkneifen.

