Im glorreichen Imperium Americum war erneut Feiertag. Nicht irgendein Feiertag, sondern das 250. Jubiläum der Republik – begleitet von Fanfaren, Adlern, Marmorsäulen und mindestens drei Dutzend überdimensionierten Triumphbögen, die eigens für diesen Anlass vergoldet worden waren.
Auf den höchsten Stufen des Weißen Marmorpalastes trat Imperator Trumpius Caesar Maximus vor sein Volk. Hinter ihm flatterten Banner, Adler kreisten majestätisch am Himmel und irgendwo zählte der kaiserliche Schatzmeister bereits zum siebzehnten Mal nach, ob tatsächlich noch genug Gold für weitere Steuererleichterungen vorhanden sei.
Mit weit ausgebreiteten Armen verkündete der Herrscher:
"Seht her! Vor genau einem Sonnenumlauf unterzeichnete ich das große Edikt der arbeitenden Legionen. Heute regnet es Denarii vom Himmel!"
Der Jubel war so laut, dass selbst die Marmorstatuen kurz den Daumen nach oben streckten.
Das große Steuerwunder des Imperiums
Vor einem Jahr hatte Trumpius Caesar das berühmte Edictum Tributum Laboris Maximus erlassen – ein monumentales Gesetzespaket, dessen erklärtes Ziel lautete:
Wer arbeitet, soll sein Gold behalten.
Eine revolutionäre Idee, wie die Hofchronisten erklärten. Manche behaupteten sogar, sie sei so kühn gewesen, dass mehrere Senatoren zunächst glaubten, es handle sich um Satire.
Doch inzwischen seien die Ergebnisse sichtbar.
Der kaiserliche Finanzpräfekt Denarius Collectorius Magnificus präsentierte stolz eine gewaltige Marmortafel mit eingravierten Zahlen, die von acht Legionären gleichzeitig getragen werden musste.
Und diese Zahlen hatten es in sich.
Der Goldfluss beginnt
Im gesamten Reich seien durchschnittlich über 3.400 Denarii an Steuererstattungen zurückgekehrt.
Die Hofökonomen nannten dies:
"Die Rückwanderung des Goldes."
Andere nannten es einfach:
"Ein ziemlich guter Tag beim Steuerberater."
Fast jeder zweite Bürger, der seine Pergamentrollen beim Finanztempel eingereicht hatte, durfte anschließend mit deutlich schwererer Geldbörse nach Hause marschieren.
Die Händler berichteten sogar, dass plötzlich wieder größere Wagen, neue Sandalen und besonders luxuriöse Oliven gekauft wurden.
Der Triumph der Überstunden-Legionäre
Besonders gefeiert wurden die tapferen Überstunden-Legionäre.
Wer länger arbeitete, durfte seine zusätzlich verdienten Denarii behalten.
Über 29 Millionen Bürger hätten davon profitiert.
Im ganzen Reich entstanden spontane Feste.
Schmiede schmiedeten länger.
Bäcker backten länger.
Winzer kelterten länger.
Selbst die berühmten Taubenzüchter arbeiteten freiwillig bis Sonnenuntergang, nur um anschließend stolz zu verkünden:
"Diese Denarii gehören jetzt uns."
Trinkgelder werden königlich
Auch Tavernenbesitzer, Kellner, Wagenlenker und Gastwirte erhielten eine besondere Ehrung.
Das legendäre Dekret "Nullum Tributum pro Trinkgeldus" machte Trinkgelder steuerfrei.
Fast acht Millionen Bürger nutzten diese Regelung.
In den Schenken entstand daraufhin ein völlig neues Begrüßungsritual.
Der Gast legte eine Münze auf den Tisch.
Der Wirt küsste sie ehrfürchtig.
Beide blickten anschließend gen Himmel und riefen:
"Lang lebe Trumpius Caesar!"
Senioren feiern den Rentenfrieden
Auch die erfahrenen Veteranen des Reiches jubelten.
Mehr als 35 Millionen ehrwürdige Senioren mussten auf ihre Altersversorgung keine Abgaben mehr entrichten.
Die durchschnittliche Erleichterung lag bei über 7.500 Denarii.
Einige Veteranen beschlossen daraufhin spontan, ihre Lieblingsbank im Forum Romanum mit besonders weichen Sitzkissen auszustatten.
Andere investierten in Taubenfutter auf höchstem Luxusniveau.
Familien erhalten den Kinderbonus Maximus
Natürlich vergaß Trumpius Caesar auch die Familien nicht.
Fast 40 Millionen Familien profitierten vom erweiterten Kinderbonus.
Im ganzen Reich hörte man plötzlich Eltern sagen:
"Vielleicht können wir uns doch noch einen zweiten Marmorbrunnen leisten."
Kinder reagierten begeistert.
Vor allem jene, die bisher glaubten, Geld wachse ausschließlich auf den Lorbeerbäumen des Kaiserpalastes.
Das Automobil des Imperiums
Ein weiteres Wunder geschah auf den gepflasterten Straßen.
Wer einen besonders patriotischen Wagen aus heimischer Produktion finanzierte, durfte sogar die Kreditzinsen steuerlich geltend machen.
Über 1,4 Millionen Bürger machten davon Gebrauch.
Seitdem rollen immer mehr glänzende Streitwagen durch das Reich, deren Besitzer jedem Passanten zurufen:
"Dieses Rad ist steueroptimiert!"
Die Schatzkonten des Imperators
Besonders stolz präsentierte Trumpius Caesar die sogenannten Imperatorius-Konten.
Fast sechs Millionen dieser Konten seien bereits eröffnet worden.
Für viele junge Bürger spendierte die Staatskasse sogar den ersten Goldbetrag.
Die Hofgelehrten bezeichneten dies als:
"Investition in die nächste Generation."
Die Hofnarren nannten es:
"Das erste Sparschwein aus Carrara-Marmor."
Die Opposition im Senat
Während überall gefeiert wurde, herrschte im Senat gedrückte Stimmung.
Angeführt von Oppositionius Dauerprotestus, Senatrix Empöria Maxima und Consul Argumentus Endlosius versuchten die Gegenspieler des Imperators verzweifelt, das Steuerwunder kleinzureden.
Sie präsentierten ellenlange Pergamentrollen voller Einwände.
Leider hörte niemand zu.
Denn direkt nebenan spielte eine Militärkapelle den Triumphmarsch "Denarius in Moll", begleitet von hundert goldenen Trompeten.
Der Triumph des Imperators
Zum Abschluss bestieg Trumpius Caesar erneut den Marmorbalkon.
Er hob eine goldene Schriftrolle in den Himmel.
"Das Imperium", verkündete er mit donnernder Stimme, "belohnt endlich wieder jene, die jeden Tag arbeiten, statt jene, die nur darüber diskutieren."
Die Menge antwortete mit tosendem Applaus.
Goldene Adler stiegen empor.
Lorbeerkränze flogen durch die Luft.
Selbst die Finanzbeamten lächelten für einen kurzen historischen Augenblick.
Und so endete das erste Jahr des legendären Steueredikts mit einem Triumphzug, bei dem die Schatzkisten schwerer wurden, die Geldbörsen voller klangen und selbst die Marmorstatuen den Eindruck machten, als würden sie heimlich ihre Steuererklärung vorbereiten.

