Rom… pardon… Washingtonium. Es gibt Tage, an denen normale Herrscher ein Band durchschneiden. Dann gibt es Trumpius Caesar.
Der selbsternannte Imperator des Goldenen Imperiums erschien im Ovalen Palatium mit jener Miene, die normalerweise nur Menschen aufsetzen, die gleichzeitig den Mond, den Mars und die Mehrwertsteuer abgeschafft haben wollen. Vor ihm stand keine gewöhnliche Glocke. Nein. Es war die legendäre Doppel-Börsenglocke des ewigen Wohlstandes, mit der gleichzeitig die Handelsplätze Nova Eboracum Mercatoria und Nasdaqius Maximus eröffnet werden sollten.
Dass sich zwei Börsen gleichzeitig von einem Raum aus eröffnen lassen, wurde von den anwesenden Hofphysikern als "eine Frage der imperialen Ausstrahlung" erklärt.
Kaum erklang der erste Glockenschlag, sollen Aktienkurse salutiert, Broker ihre Krawatten geschniegelt und Investmentberater spontan lateinische Hymnen angestimmt haben.
Operation Goldenes Baby
Im Mittelpunkt des großen Spektakels stand die Einführung der sogenannten Trumpius-Schatzkonten.
Die Idee klingt ungefähr so:
Jedes neugeborene Kind erhält einen kleinen Goldsack in Form eines staatlichen Startkapitals. Dieses soll anschließend viele Jahre friedlich an der Börse vor sich hin wachsen, bis aus dem kleinen Sparschwein irgendwann ein ausgewachsener Kapital-Eber geworden ist.
Trumpius Caesar erklärte voller Begeisterung:
"Mit diesem Glockenschlag wächst nicht nur die Börse. Jetzt wachsen auch die Konten unserer kleinen Imperiums-Erben gemeinsam mit der größten Wirtschaft aller Galaxien."
Anwesende Hofchronisten notierten pflichtbewusst jedes Wort auf vergoldeten Papyrusrollen.
Schatzmeister Pecunius Bessentius sieht das Paradies
Der oberste Schatzverwalter Pecunius Bessentius Aurifex trat anschließend vor das Volk.
Er erklärte feierlich, dass künftig jedes Kind Anteilseigner am größten Wirtschaftsreich aller Zeiten werde.
Wer bislang noch nie eine Aktie besessen habe, müsse sich keine Sorgen mehr machen.
Die Lösung sei denkbar einfach:
Man schenke jedem einfach eine.
Ökonomen nickten höflich, während sie heimlich ihre Taschenrechner neu starteten.
Dellius Computarius verteilt Goldbeutel
Anschließend trat der berühmte Rechner-Schmied Michaelius Dellius Computarius ans Rednerpult.
Er versprach, dass jedes amerikanische Neugeborene künftig bereits am ersten Lebenstag mit eintausend Imperiums-Dukaten an den größten Unternehmen beteiligt werde.
Andere Babys erhalten Kuscheltiere.
Im Reich des Trumpius gibt es stattdessen ein Aktienportfolio.
Kinderärzte prüfen derzeit, ob Börsenkurse künftig im Mutterpass eingetragen werden sollten.
Nasdaqia Prospera und Nova Eboracum jubeln
Die Hohepriesterinnen der Finanztempel überschlugen sich vor Begeisterung.
Adena Prospera Nasdaqia erklärte, dies sei die Verwirklichung des amerikanischen Traums.
Lynna Mercatoria Maxima sprach sogar von der reinsten Form wirtschaftlicher Freiheit.
Ein Hofpoet ergänzte spontan:
"Aus Freiheit entsteht Wohlstand. Aus Wohlstand entstehen Dividenden. Und aus Dividenden entstehen noch längere Reden."
Der Saal applaudierte.
Vor allem die Investmentbanker.
Jeffrey Börsius Historicus blickt 250 Jahre zurück
Auch Jeffrey Börsius Historicus, Wächter der ehrwürdigen Handelsbörse, erinnerte daran, dass die Börse einst gegründet worden sei, um eine junge Nation zu finanzieren.
Nun, exakt zweieinhalb Jahrhunderte später, finanziere dieselbe Börse offenbar direkt die Windelgeneration.
Historiker notierten vorsichtig, dass diese Interpretation zumindest kreativ sei.
Bradius Investmentus träumt vom Millionenheer der Mini-Aktionäre
Der Finanzmagnat Bradius Investmentus Maximus ließ sich ebenfalls nicht lumpen.
Nicht nur eine Million.
Nicht zwei Millionen.
Nein.
Alle siebzig Millionen Kinder sollten eines Tages stolze Besitzer eines Trumpius-Schatzkontos werden.
Ein anwesender Kindergarten meldete daraufhin Interesse an einem Börsenparkett zwischen Bauklötzen und Fingerfarben an.
Senator Tedius Cruzianus entdeckt den "Neuen Deal"
Besonders begeistert zeigte sich Senator Tedius Cruzianus.
Er erklärte, Trumpius Caesar habe einen völlig neuen Gesellschaftsvertrag geschaffen.
Früher habe der Staat den Menschen geholfen.
Jetzt helfe der Staat den Menschen dabei, Aktionäre zu werden.
Philosophen diskutieren bereits, ob Karl Marx oder Warren Buffett bei dieser Formulierung zuerst Schnappatmung bekommen hätten.
Sechs Millionen Schatzkonten in Rekordzeit
Laut den Hofschreibern seien bereits mehr als sechs Millionen Trumpius-Schatzkonten beantragt worden.
Überraschend viele davon stammen aus Familien mit normalen Einkommen.
Jedes Kind unter achtzehn Jahren könne kostenlos teilnehmen.
Neugeborene erhalten automatisch eintausend Start-Dukaten aus der kaiserlichen Schatzkammer.
Weitere Unternehmen kündigten an, ebenfalls Gold in die kleinen Schatztruhen der Mitarbeiterkinder zu werfen.
Personalabteilungen im ganzen Reich überlegen nun fieberhaft, ob künftig Windelgrößen ebenfalls Bestandteil der betrieblichen Altersvorsorge werden.
Das goldene Finale
Zum Abschluss trat Trumpius Caesar noch einmal auf den Balkon des Ovalen Palatiums.
Mit ausgebreiteten Armen blickte er über sein Reich.
Hinter ihm flatterten Flaggen.
Vor ihm jubelten Höflinge.
Neben ihm glänzte die berühmte Börsenglocke.
"Manche schenken ihren Kindern Sparbücher", verkündete der Imperator mit königlicher Stimme.
"Ich schenke ihnen gleich ein Stück des gesamten Imperiums."
Die Börsen applaudierten.
Die Banker applaudierten.
Die Lobbyisten applaudierten.
Sogar einige Taschenrechner sollen vor Rührung kurz den Taschenrechner-Modus verlassen und in den Applaus-Modus gewechselt sein.
Und irgendwo im ganzen Land öffnete vermutlich gerade ein Neugeborenes die Augen – ohne zu ahnen, dass es laut Trumpius Caesar bereits erfolgreicher Investor ist als so mancher Erwachsene.

