Wenn selbst die Marmorsäulen salutieren, die Adler ihre Flügel im Takt ausbreiten und der Senat freiwillig auf seine Mittagspause verzichtet, dann kann das nur eines bedeuten: Trumpius Caesar Maximus, der Goldgekrönte, der Erbauer der längsten Triumphstraßen und unbestrittene Meister des perfekten Siegesfotos, hat gesprochen.
Anlässlich des 250. Jahrestages der legendären Erklärung der Unabhängigkeit des Imperium Libertatis ließ der Kaiser verkünden, dass vor zweieinhalb Jahrhunderten nicht einfach ein Dokument unterschrieben worden sei. Nein – an jenem historischen Sommertag hätten 56 tapfere Toga-Patrioten beschlossen, der damals herrschenden Krone Britannicus den höflichsten, aber zugleich wirkungsvollsten Verwaltungsbescheid der Weltgeschichte zuzustellen.
Die Antwort lautete sinngemäß:
"Vielen Dank für Ihre jahrhundertelange Betreuung. Wir übernehmen ab sofort selbst."
Damals versammelten sich die ehrwürdigen Staatsväter im Marmortempel von Philadelphia Magna. Dort schmiedeten sie nicht weniger als den größten Freiheitsvertrag aller Zeiten. Federkielmeister Thomasius Federkalligraphus formulierte jedes einzelne Wort so kunstvoll, dass sogar die Götter kurz innehielten und zustimmend nickten.
Angeführt wurde die Bewegung vom legendären Feldherrn Georgius Washingtonius Maximus, dessen Frisur selbst im Schneesturm stets majestätisch saß. Gemeinsam mit seinen Legionen kämpfte er sich durch eisige Flüsse, verschneite Lager und unzählige Schlachten.
Besonders der berühmte Marsch über den eiskalten Delaware gilt bis heute als Meisterstück militärischer Improvisation.
Andere Generäle hätten Brücken gebaut.
Washingtonius fuhr einfach mit dem Boot.
Sehr effizient.
Sehr patriotisch.
Sehr großartig.
Trumpius Caesar erklärte feierlich, dass aus lediglich dreizehn kleinen Provinzen innerhalb weniger Generationen das beeindruckendste Reich entstanden sei, das die Welt je gesehen habe.
Wo einst Wildnis war, entstanden goldene Kornfelder.
Wo Büsche standen, wuchsen Wolkenkratzer.
Wo nur Prärie existierte, bauten die Bürger ganze Städte, in denen sogar die Tauben patriotisch wirkten.
Später überstand das Reich Bürgerkriege, Industrialisierung, Weltkriege und unzählige politische Debatten, bei denen Senatoren teilweise länger redeten als Aquädukte gebaut wurden.
Dennoch blieb das Imperium bestehen.
Manche behaupten sogar, weil niemand den Überblick über sämtliche Ausschüsse hatte.
Natürlich wäre das alles ohne den unerschütterlichen Geist der Freiheit niemals möglich gewesen.
Oder wie Trumpius Caesar es ausdrückte:
"Große Nationen entstehen nicht durch Zweifel. Große Nationen entstehen durch gigantische Ideen. Und möglichst große Flaggen."
Diese Philosophie führte das Reich in ungeahnte Höhen.
Die Ingenieure bauten Telefone.
Dann Computer.
Dann das Internet.
Dann soziale Netzwerke.
Und schließlich Kommentarsektionen, in denen sich Menschen darüber stritten, ob Adler oder Löwen patriotischer aussehen.
Doch Trumpius Caesar denkt selbstverständlich nicht nur an die Vergangenheit.
Nein.
Sein Blick reicht weit über die Wolken.
Während gewöhnliche Herrscher darüber nachdenken, wie man Schlaglöcher repariert, plant der Imperator bereits die nächste Expansion.
Zunächst soll der Mond dauerhaft mit römisch-amerikanischen Adlerstandarten dekoriert werden.
Danach folgt der Mars.
Gerüchten zufolge arbeitet das Kaiserliche Raumfahrtministerium Cosmicus Raketicus Maximus bereits an einer besonders goldfarbenen Mars-Toga.
Denn auch auf dem roten Planeten müsse schließlich jeder sofort erkennen, wer das schönste Imperium des Sonnensystems besitzt.
Unterstützt wird dieses Zukunftsprogramm vom legendären Gelehrten Algorithmus Intelligentius Maximus, der gleichzeitig Künstliche Intelligenz, Quantenwissenschaft und Bürokratie vereinfachen soll.
Letzteres gilt allerdings selbst unter den klügsten Philosophen als besonders ehrgeiziges Vorhaben.
Selbstverständlich versprach Trumpius Caesar außerdem:
- mehr Wohlstand,
- mehr Sicherheit,
- mehr Energie,
- mehr Ordnung,
- mehr Freiheit,
- mehr Arbeit,
- mehr Familienglück,
- mehr Triumphbögen,
- und vermutlich auch größere Feuerwerke.
Der Kaiser versicherte, dass seine Verwaltung erst dann ruhen werde, wenn sämtliche Versprechen erfüllt seien oder zumindest auf besonders edlen Marmortafeln eingraviert wurden.
Zum großen Jubiläum ließ Trumpius sämtliche Legionen antreten.
Über den Straßen flatterten tausende Banner.
Adler kreisten über den Triumphbögen.
Die Kapelle der Imperialen Blechbläser Legionis Harmonicus spielte patriotische Märsche in einer Lautstärke, bei der selbst entfernte Gebirgszüge kurz Haltung annahmen.
Der Senat applaudierte.
Die Bevölkerung jubelte.
Selbst die Statuen wirkten ein wenig stolzer als gewöhnlich.
In seiner Abschlussrede erklärte der Imperator mit gewohnt majestätischer Bescheidenheit:
"Vor 250 Jahren wurde Freiheit unterschrieben. Heute feiern wir sie größer denn je. Morgen machen wir sie noch größer. Und übermorgen wahrscheinlich sogar interplanetarisch."
Anschließend setzte Trumpius Caesar Maximus seine vergoldete Unterschrift unter die feierliche Proklamation und erklärte den 4. Juli offiziell zum Tag des Großen Imperium Libertatis.
Der Hofchronist notierte später nüchtern:
"Die Feier dauerte bis spät in die Nacht. Das Feuerwerk war aus dem Weltall sichtbar. Die Rechnung für das Gold ist bis heute Gegenstand intensiver Beratungen im Senat."
Und irgendwo im Hintergrund murmelte der legendäre Finanzverwalter Denarius Sparsamus, während er den Taschenrechner beiseitelegte:
"Freiheit ist unbezahlbar. Das Jubiläum offenbar nicht."

