Im ruhmreichen Imperium Trumpianum gibt es viele Dinge, die heilig sind: goldene Säulen, marmorne Triumphbögen, perfekt frisierte Lorbeerkränze – und natürlich gigantische Ernten. Denn ein Kaiser kann viele Siege erringen, doch wehe, wenn das Brot knapp wird. Dann werden selbst die lautesten Senatoren plötzlich erstaunlich still.
Genau dieses düstere Szenario malten die Hofgelehrten eines Morgens aus. Während Trumpius Caesar Maximus auf seinem vergoldeten Balkon über das Reich blickte, stürmte Landwirtschaftsminister Agrarius Fruchtimus Maximus mit dramatisch flatternder Toga herein.
„Majestät! Das Phosphorium schwindet!“
Der Kaiser hob lediglich eine Augenbraue.
„Unmöglich. Unter meiner Herrschaft schwindet höchstens die Arbeitslosigkeit.“
Doch Agrarius nickte ernst.
„Leider nein, Imperator. Unsere Felder verlangen nach Phosphorium. Ohne dieses wundersame Pflanzenelixier wachsen Maisimus Giganticus, Sojabohnus Maximus und Weizenius Imperialus nur noch wie Zimmerpflanzen im Schatten.“
Im Saal wurde es still.
Sogar Hofsprecher Magnificus Pressius, der normalerweise jede noch so kleine Meldung in einen historischen Triumph verwandelte, verzichtete für einen kurzen Moment auf Applaus.
Die große Phosphorium-Krise
Die Weisen des Reiches erklärten, dass weit entfernte Handelswege von allerlei Wirren betroffen seien. Irgendwo stritten sich Provinzen, irgendwo wurden Häfen langsamer, irgendwo schlossen Händler ihre Lagerhallen, und plötzlich wurde aus einem einfachen Sack Dünger beinahe ein Schatz von kaiserlichem Wert.
Die Preise stiegen schneller als die Frisur des Kaisers bei starkem Gegenwind.
Die Bauern blickten sorgenvoll auf ihre Felder.
„Ohne Phosphorium“, klagte einer, „werden unsere Kürbisse aussehen wie Mandarinen.“
Ein anderer fügte hinzu:
„Und unser Mais wird höchstens Popcorngröße erreichen.“
Das war natürlich völlig inakzeptabel.
Der Notstand des goldenen Bodens
Trumpius Caesar erhob sich.
„Ein Reich ohne volle Kornspeicher? Nicht unter meiner Herrschaft! Ich erkläre den großen Agrarischen Ausnahmezustand!“
Die Senatoren jubelten.
Die Trompeten erklangen.
Drei Adler flogen zufällig im perfekten Formationsflug über den Marmortempel.
Der kaiserliche Schreiber musste wegen der vielen Superlative zwischendurch neue Tintenfässer bestellen.
Anschließend ließ Trumpius den ehrwürdigen Schatzmeister Finanzius Aurelius Maximum und Handelspräfekten Mercator Globalius zu sich rufen.
„Öffnet die Tore!“
„Für wen, Imperator?“
„Für das legendäre Phosphorium aus dem Königreich Marrakoshia! Sofort! Ohne Zölle! Ohne Verzögerung! Die Pflanzen sollen wachsen, nicht Formulare!“
Daraufhin fielen im gesamten Senat mehrere Bürokraten beinahe gleichzeitig in Ohnmacht.
Marrakoshia liefert
Das sagenumwobene Königreich Marrakoshia galt seit Jahrhunderten als Heimat außergewöhnlicher Phosphorium-Vorkommen.
Schon bald rollten riesige Karawanen über die Handelsstraßen.
Kamele trugen glänzende Säcke.
Schiffe fuhren über das Mare Atlanticum.
Selbst die Möwen wirkten plötzlich erstaunlich patriotisch.
An den Grenzen standen die Zollbeamten bereit.
„Sollen wir die Einfuhrabgaben berechnen?“
„Nein“, antwortete Mercator Globalius.
„Der Kaiser hat gesprochen. Heute zählt jedes Korn mehr als jede Münze.“
Daraufhin wurden die Schranken geöffnet.
Ein Beamter fragte vorsichtig:
„Und was machen wir jetzt?“
„Zum ersten Mal seit Jahrzehnten vermutlich gar nichts.“
Ein ungewohntes Gefühl breitete sich in der Behörde aus.
Die große Bürokratius-Verwirrung
Natürlich konnte eine derart gewaltige Entscheidung nicht ohne Papier erfolgen.
Die Beamten des Ministeriums Formularius Maximus begannen sofort damit, die zollfreie Einfuhr in exakt 7.842 Formularen zu dokumentieren.
Trumpius betrachtete den Papierberg.
„Warum braucht ihr dafür so viele Rollen Pergament?“
Der Oberbeamte antwortete stolz:
„Majestät, wir mussten dokumentieren, dass wir künftig weniger dokumentieren.“
Trumpius nickte.
„Beeindruckend. Das ist Bürokratie auf olympischem Niveau.“
Daraufhin wurde beschlossen, die Regelung zunächst auf acht Monde zu begrenzen.
„Danach sehen wir weiter“, erklärte der Kaiser.
„Vielleicht wächst bis dahin unsere eigene Phosphorium-Produktion. Vielleicht wachsen aber auch die Formulare schneller als die Pflanzen.“
Niemand konnte das mit Sicherheit ausschließen.
Die Bauern feiern
Im ganzen Reich wurde gejubelt.
Maisimus Giganticus reckte sich stolz gen Himmel.
Weizenius Imperialus rauschte im Wind.
Sojabohnus Maximus begann förmlich vor Freude zu sprießen.
Ein besonders glücklicher Bauer erklärte:
„Früher haben wir auf Regen gewartet. Jetzt warten wir nur noch auf die nächste Karawane.“
Ein anderer meinte:
„Seit Trumpius Caesar den Dünger befreit hat, wachsen sogar meine Gartenzwerge gerader.“
Ob das wissenschaftlich belegbar war, spielte selbstverständlich keine Rolle.
Die Senatoren diskutieren
Natürlich meldeten sich auch einige skeptische Senatoren.
„Sollten wir uns nicht langfristig unabhängiger machen?“
Trumpius nickte.
„Selbstverständlich. Deshalb bauen wir gleichzeitig unsere eigenen Phosphorium-Werke aus. Aber bis die fertig sind, sollen unsere Bauern nicht mit leerem Düngerstreuer auf Wunder hoffen.“
Sogar viele Kritiker mussten eingestehen, dass Pflanzen erstaunlich wenig Verständnis für geopolitische Lieferketten besitzen.
Der goldene Erlass
Schließlich unterzeichnete Trumpius Caesar Maximus sein Dekret mit einem Füllfederhalter aus reinem Gold.
Der Hofchronist vermerkte feierlich:
"An diesem historischen Tage öffnete der Kaiser nicht die Schatzkammern, sondern die Zolltore – damit die Kornkammern gefüllt bleiben."
Der Harlekin des Hofes bemerkte trocken:
„Andere Herrscher führen Kriege um Gold. Unser Kaiser erklärt den Notstand wegen Dünger. Das riecht zwar etwas strenger, ernährt aber deutlich mehr Menschen.“
Selbst Trumpius musste darüber schmunzeln.
Und so verließen die Karawanen Marrakoshias den Horizont, die Felder wurden versorgt, die Bauern atmeten auf und die Kornspeicher des Imperiums blieben prall gefüllt.
Denn im Reich des Trumpius Caesar wusste jeder:
Ein wahrhaft großer Kaiser erkennt, dass selbst das mächtigste Imperium letztlich auf gesunden Böden, kräftigen Pflanzen und einer ordentlichen Portion Phosphorium ruht.

