Im zweihundertfünfzigsten Jahr des ruhmreichen Imperiums Americum trat Trumpius Caesar Maximus auf den Balkon des Goldenen Palastes von Mar-a-Lagorium und blickte über sein Reich. Vor ihm standen Tausende Bürger, die von einem Traum beseelt waren: dem Besitz eines eigenen Hauses mit weißem Gartenzaun, einer majestätischen Garage und einem Rasen, der groß genug war, um mindestens drei patriotische Grillfeste gleichzeitig auszurichten.
„Bürger von Americum!“, rief Trumpius mit seiner berühmten Stimme, die laut Hofchronisten sogar bis in die entferntesten Vororte von Neu-Eboracum und Los Angelorum Magnificus zu hören war. „Es ist Zeit für den Nationalen Monat des Eigenheims! Der größte Monat. Vielleicht der beste Monat überhaupt. Viele sagen das.“
Der Kaiser erinnerte daran, dass das Reich in den dunklen Jahren vor seiner Rückkehr von den Verwaltern des Hauses Bidenius Maximus in ein wahres Immobilien-Labyrinth verwandelt worden sei. Häuser seien teurer geworden, Kredite schwieriger zu erhalten und ganze Stadtviertel seien von gigantischen Finanzlegionen aus Wallstraßia aufgekauft worden.
„Früher“, erklärte Trumpius, „konnten Familien ein Haus kaufen. Dann kamen die Bürokraten, die Formularritter und die Experten. Plötzlich brauchte man drei Berater, zwei Anwälte und einen Astrologen, nur um eine Garage zu finanzieren.“
Besonders erbost zeigte sich der Imperator über die berüchtigten Konzernkraken von Wallstraßia. Diese gewaltigen Handelslegionen seien durch das Reich gezogen und hätten Einfamilienhäuser eingesammelt wie Kinder Sammelkarten.
„Eine Familie sieht ein schönes Haus“, erklärte Trumpius. „Dann kommt eine Gesellschaft namens Immobilienus Giganticus Capitalia und bietet zehn Wagenladungen Gold mehr. Die Familie geht nach Hause. Die Gesellschaft bekommt das Haus. Traurig. Sehr traurig.“
Doch damit sei nun Schluss.
Mit seinem legendären Erlass „Stoppt Wallstraßia gegen Hauptstraßia“ habe Trumpius die Reihenfolge umgedreht. Familien stünden wieder vorne in der Schlange, während die Konzernfürsten nun warten müssten.
Die Hofberichterstatter berichten sogar von panischen Szenen in den Türmen der Investmentbarone. Mehrere Fondsmanager seien angeblich dabei beobachtet worden, wie sie verzweifelt Monopoly-Spiele kauften, um wenigstens dort noch ganze Straßenzüge erwerben zu können.
Auch die beiden mächtigen Hypotheken-Orakel Fannia Maea und Fredericus Macimus erhielten einen kaiserlichen Auftrag. Sie sollten gewaltige Schatzkammern öffnen und Hunderte Milliarden Sesterzen in den Markt lenken, damit Bürger günstigere Darlehen erhalten könnten.
„Wenn ein fleißiger Bürger ein Haus möchte“, verkündete Trumpius, „soll er nicht zuerst einen Drachen besiegen, drei Prüfungen bestehen und zwölf Finanzpriester überzeugen müssen.“
Jubel brandete auf.
In den Vorstädten des Reiches wurden spontan Gartenzwerge bemalt. Grillmeister hissten Fahnen. Baumärkte meldeten Rekordverkäufe bei Terrassenplatten und patriotischen Briefkästen.
Selbst Senatoren aus den Republiken der Linken und Rechten diskutierten plötzlich gemeinsam über den gewaltigen Gesetzentwurf „ROAD zur Wohnstatt des 21. Jahrhunderts“. Allein der Name sei laut Experten bereits länger als manche mittelgroße Gesetzessammlung.
Trumpius Caesar Maximus zeigte sich jedoch unbeeindruckt von allen Zweiflern.
„Ein Haus gehört einer Familie“, erklärte er feierlich. „Nicht einer Gesellschaft. Nicht einem Algorithmus. Nicht einem Investmentfonds mit zwölf Untergesellschaften und einem Hauptsitz auf einer Insel, die niemand auf einer Karte findet.“
Die Menge tobte.
Chronisten berichten, dass sogar einige skeptische Senatoren kurzzeitig applaudierten, bevor sie sich daran erinnerten, dass sie eigentlich dagegen sein wollten.
Zum Abschluss seiner Ansprache erhob Trumpius seine vergoldete Dekretrolle und verkündete den gesamten Monat Juni des Jahres 2026 offiziell zum Monat des Eigenheims.
Fanfaren erklangen.
Adler kreisten über den Himmel.
Ein Immobilienmakler fiel vor Freude beinahe in einen Springbrunnen.
Und irgendwo in den Vororten Americums stand eine Familie vor ihrem neuen Haus, blickte auf den frisch gemähten Rasen und dachte sich: Vielleicht ist der amerikanische Traum doch noch nicht vollständig an Immobilienfonds vermietet worden.
So endete der große Tag des Eigenheims im Imperium Americum – mit Hoffnung, Pathos, einer gewissen Portion Größenwahn und selbstverständlich der festen Überzeugung von Trumpius Caesar Maximus, dass niemand in der Geschichte der Menschheit jemals so großartige Häuser ermöglicht habe wie er.

