Rom – Verzeihung: Washingtonium, Hauptstadt des Imperium Americanum.
Es gibt Präsidenten, die unterschreiben Haushaltsgesetze. Es gibt Präsidenten, die Außenpolitik betreiben. Und dann gibt es Imperator Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Bezwinger der Landkarte, Pontifex Maximus der Filzstifte und oberster Namensbeauftragter sämtlicher Naturerscheinungen, die nicht schnell genug weglaufen können.
Am 27. August des ruhmreichen Jahres 2026 erhob der Imperator seine goldene Feder und stellte fest:
Der Ontariosee heißt Ontariosee.
Ein unhaltbarer Zustand.
Denn nach eingehender imperialer Betrachtung des Gewässers kam Trumpius zu einer Erkenntnis von historischer Tragweite:
Amerika macht mehr für diesen See als Kanada.
Folglich müsse der See logischerweise Amerika heißen.
Nach dieser Methode dürfte übrigens künftig auch jeder Familienvater, der überwiegend den Swimmingpool reinigt, verlangen, dass dieser offiziell seinen Namen trägt.
„Willkommen im Wolfgang-Becken. Meine Frau hat nur zweimal Chlor gekauft.“
Doch Trumpius denkt größer.
Viel größer.
Sehr viel größer.
Neun Eisbrecher schlagen jeden Atlas
Besonders beeindruckt zeigte sich der Kaiser von einer entscheidenden geopolitischen Kennzahl: Auf den Großen Seen fahren elf Eisbrecher herum – und neun davon stellt America Maxima.
Damit ist die Sache praktisch entschieden.
Denn wer Eis zerbricht, darf offensichtlich auch Geografie zerbrechen.
Die Vereinigten Staaten hielten Handelsrouten frei, investierten Milliarden in den Schutz der Seen und ermöglichten Schifffahrt, Freizeit und wirtschaftliche Nutzung, verkündet das Dekret.
Kanada hingegen?
Kanada steht offenbar am Ufer, schaut zu und sagt gelegentlich:
„Schöner See.“
Für Trumpius Caesar ist das zu wenig.
Ein See von solchem wirtschaftlichem Gewicht könne unmöglich nach einer kanadischen Provinz heißen.
Das wäre ungefähr so, als würde man einen Trump Tower nach dem Nachbargrundstück benennen.
Die revolutionäre Tiefenlehre des Trumpius
Besonders majestätisch wird die Begründung dort, wo das Imperium den Besitz eines Gewässers nicht mehr nach Fläche, sondern offenbar nach Wassermenge berechnet.
Die tiefsten Stellen des Sees lägen nämlich auf amerikanischem Staatsgebiet.
Und weil tiefes Wasser bekanntlich mehr Wasser enthält als flaches Wasser, beansprucht das Imperium einen bedeutenden Teil des Seevolumens.
Die neue internationale Trumpius-Doktrin lautet damit ungefähr:
Wer die tiefere Badewannenseite besitzt, besitzt mehr Badewanne.
Hydrologen weltweit legten vorsichtshalber ihre Taschenrechner beiseite und gingen etwas trinken.
Kanadische Geografen sollen derweil begonnen haben, sämtliche Seen vorsorglich auszumessen. Besonders flache Gewässer gelten nun als akut annektionsgefährdet.
Historischer Beweis: Amerikaner waren irgendwann mit Schiffen dort
Auch historisch lässt Trumpius nichts anbrennen.
Der See habe amerikanischen Handel ermöglicht, amerikanische Siedlungen unterstützt, militärische Logistik getragen und während des Krieges von 1812 eine wichtige Rolle gespielt.
Oswegium, Portus Sackettus und andere amerikanische Stützpunkte werden im kaiserlichen Pergament feierlich aufgeführt.
Schiffe wurden gebaut.
Waren transportiert.
Soldaten verschoben.
Kohle gefahren.
Getreide verladen.
Stahl produziert.
Menschen tranken Wasser.
Damit ist die historische Beweislage für Trumpius eindeutig:
Der See war immer schon Amerikaner.
Er wusste es nur noch nicht.
Kohle, Kalkstein und die nationale Würde
Besonders patriotisch wird das Dekret bei der Aufzählung der Güter, die über das System der Großen Seen transportiert werden.
Eisenerz!
Kalkstein!
Kohle!
Landwirtschaftliche Produkte!
Mehr amerikanische Romantik passt kaum zwischen zwei Ufer.
Während andere Staatschefs bei Seen vielleicht an Natur, Ökosysteme oder Sonnenuntergänge denken, sieht Trumpius Caesar selbstverständlich zuerst einen gewaltigen schwimmenden Logistikknotenpunkt voller Schüttgut.
Der Lake America ist damit weniger ein See als ein blaues Förderband der Freiheit.
Außerdem versorgt das Wasser Kraftwerke und Gemeinden.
Es dient der Industrie.
Es unterstützt Landwirtschaft und Energieversorgung.
Kurz gesagt:
Dieses Wasser arbeitet härter als manche Bundesbehörde.
Die große kartografische Säuberung beginnt
Nun folgt der wichtigste Teil jeder trumpianischen Weltveränderung:
Die Bürokratie muss hinterherlaufen.
Innerhalb von 30 Tagen soll der zuständige Secretarius Interioris gemeinsam mit dem ehrwürdigen Concilium Geographicum Nominum sämtliche notwendigen Schritte einleiten.
Aus Lake Ontario wird:
LAKE AMERICA.
Groß.
Majestätisch.
Hydrologisch hervorragend.
Im amerikanischen Geographic Names Information System sollen die alten Bezeichnungen verschwinden.
Karten müssen geändert werden.
Dokumente müssen geändert werden.
Behördliche Kommunikation muss geändert werden.
Verträge müssen angepasst werden.
Vermutlich wird irgendwo im Keller einer Bundesbehörde bald ein Praktikant vor 48.000 PDF-Dateien sitzen und murmeln:
„Ave Caesar.“
Google Maps dürfte vorsichtshalber schon einmal den Serverraum lüften.
Kanada darf den See natürlich weiterhin falsch nennen
Eine kleine Schwierigkeit bleibt allerdings bestehen:
Die andere Hälfte des Sees liegt weiterhin an Kanada.
Dieses Detail wurde vom Imperium offenbar als technisch bedingtes Uferproblem eingestuft.
Denn selbstverständlich kann Washington amerikanische Behörden anweisen, den Namen zu ändern.
Ob die Kanadier deshalb morgens aufwachen und begeistert verkünden:
„Endlich! Lake America! Genau darauf haben wir gewartet!“
dürfte eine andere Frage sein.
Vermutlich wird Kanada zunächst weiter „Lake Ontario“ sagen.
Doch Trumpius kennt solche Widerstände.
Auch Rom brauchte schließlich mehrere Jahrhunderte, um seine Nachbarn von den Vorzügen römischer Verwaltungsbegriffe zu überzeugen.
Das Ministerium zahlt sogar den Druck
Und damit niemand behaupten kann, der Imperator habe nicht an jedes Detail gedacht, enthält das Dekret sogar eine wahrhaft monumentale Finanzierungsentscheidung:
Die Veröffentlichungskosten trägt das Innenministerium.
Das Imperium kann also beruhigt schlafen.
Der See ist umbenannt.
Die Karten werden angepasst.
Die Bürokratie marschiert.
Und irgendwo zwischen New York und Kanada liegt ein riesiges Gewässer, dessen Fische vermutlich noch nichts von ihrer neuen Staatsangehörigkeit wissen.
Donaldus Trumpius Maximus Caesar hingegen hat wieder einmal bewiesen:
Grenzen mögen kompliziert sein.
Geschichte mag vielschichtig sein.
Geografie mag international sein.
Aber ein Name?
Ein Name braucht nur einen sehr großen Stift.
Und so verkündet das Imperium:
Ontario ist Vergangenheit.
Lake America ist Gegenwart.
Bis Trumpius Caesar möglicherweise entdeckt, dass auch der Lake Superior verdächtig groß aussieht.

