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Trumpius Caesar und das große digitale Reichstor

29. September 2026  ·  admin  ·  5 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar baut das digitale Reichstor
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Es begab sich im goldenen Palast zu Washington, als Imperator Donaldus Trumpius Maximus Digitalis, Erster seines Namens, Beherrscher der Formulare, Bezwinger der Warteschleifen und oberster Administrator des imperialen Passwortwesens, eine Erkenntnis hatte, die das Reich erschüttern sollte:

Die Verwaltung war kompliziert.

Eine Sensation.

Generationen amerikanischer Bürger hatten sich bislang durch Webseiten geschlagen, deren Navigationslogik vermutlich von einer Kommission aus Juristen, Archäologen und Menschen entwickelt worden war, die beruflich „Bitte wählen Sie zunächst Ihre zuständige Unterbehörde“ sagen.

Wer eine staatliche Leistung benötigte, durfte suchen, klicken, lesen, erneut suchen, dieselben persönlichen Daten mehrfach eingeben und anschließend beweisen, dass er tatsächlich jene Person war, deren Daten der Staat bereits in sieben Datenbanken gespeichert hatte.

Trumpius Caesar blickte auf diesen Zustand und verkündete sinngemäß:

Genug der digitalen Provinzen. Es braucht ein Portal. Ein großes Portal. Das vielleicht großartigste Portal, das jemals geportalt hat.

Und so entstand America.gov, im imperialen Sprachgebrauch künftig auch bekannt als Porta America Maxima – das digitale Haupttor des Bundesreiches.

Das Reich bekommt eine einzige Eingangstür

Porta America Maxima soll nicht bloß eine weitere Webseite werden. Nein. Das wäre gewöhnlich. Und Gewöhnlichkeit ist im Hause Trumpius ungefähr so beliebt wie ein Vorhang ohne Goldkante.

Stattdessen soll dort künftig jeder Bürger erscheinen, sich anmelden, in normaler Sprache Fragen stellen und – sofern technisch möglich, rechtlich zulässig, administrativ freigegeben und vermutlich Merkur nicht rückläufig ist – staatliche Angelegenheiten direkt erledigen können.

Die Idee ist revolutionär:

Nicht mehr der Bürger soll herausfinden müssen, welche Behörde für sein Anliegen zuständig ist.

Die Regierung soll es selbst herausfinden.

Damit wäre ein jahrhundertealtes Verwaltungsprinzip bedroht, wonach Behörden vor allem dadurch ihre Bedeutung beweisen, dass niemand genau weiß, wo man eigentlich hinmuss.

Trumpius Caesar erklärte daher die neue Staatsdoktrin: Der Bürger soll sein Leben leben dürfen, während die Verwaltung ihre eigenen Papiere sortiert.

Im Washingtoner Verwaltungsapparat sollen bei diesen Worten mehrere Aktenschränke spontan angefangen haben zu zittern.

Ein Login, sie alle zu finden

Zentrale Säule des digitalen Imperiums wird Login.gov, von den Hofschreibern bereits ehrfürchtig Loginus Maximus genannt.

Künftig soll sich der Bürger möglichst einmal anmelden und anschließend durch die Hallen des Bundesstaates schreiten können, ohne bei jedem zweiten Portal erneut Geburtsdatum, Adresse, Schuhgröße und den Namen des ersten Haustiers seiner Großmutter eingeben zu müssen.

Die kaiserlichen Ministerien müssen dafür ihre digitalen Dienste öffnen, Programmierschnittstellen bereitstellen, Formulare anbinden und Daten austauschen.

Natürlich sicher.

Natürlich datenschutzkonform.

Natürlich interoperabel.

Und selbstverständlich unter Beachtung sämtlicher gesetzlichen Vorschriften.

Was in Verwaltungssprache ungefähr bedeutet:

Es soll sehr einfach werden, sobald alle sehr komplizierten Voraussetzungen erfüllt sind.

Superintelligenz betritt den Palast

Besonders majestätisch wird es beim Thema künstliche Intelligenz.

America.gov darf nämlich sogenannte Super Intelligence einsetzen.

Nicht irgendeine Intelligenz.

Superintelligenz.

Normale Intelligenz wäre offensichtlich zu bescheiden gewesen.

Diese kaiserliche Maschinenweisheit soll korrekt, zuverlässig und transparent arbeiten. Sie soll Fragen beantworten, Bürger durch Verfahren führen und womöglich eines Tages sogar das sagenumwobene Kunststück vollbringen, einen Verwaltungsbescheid so zu erklären, dass Menschen ihn verstehen.

Sollte dies tatsächlich gelingen, dürfte America.gov unverzüglich für mehrere internationale Wissenschaftspreise nominiert werden.

Keine große Bürgerdaten-Zitadelle. Wirklich nicht.

Da ein gigantisches zentrales Regierungsportal gelegentlich Fragen hervorruft wie „Wer besitzt eigentlich meine Daten?“, enthält die Order ausführliche Beruhigungsformeln.

Die einzelnen Behörden sollen weiterhin Herrinnen ihrer eigenen Akten bleiben.

Es soll ausdrücklich keine zentrale Superdatenbank über alle Amerikaner entstehen.

Porta America Maxima wird also gewissermaßen alles verbinden, ohne alles zu besitzen, alles zugänglich machen, ohne alles zu speichern, und alles vereinfachen, ohne Zuständigkeiten abzuschaffen.

Ein Konzept, das nur deshalb nicht widersprüchlich klingt, weil es in Washington geschrieben wurde.

Personenbezogene Informationen sollen außerdem möglichst sparsam verarbeitet, sichere Authentifizierung eingesetzt und Berechtigungen protokolliert werden.

Kurz gesagt:

Das digitale Imperium soll mächtig sein, aber höflich.

Die Provinzfürsten müssen liefern

Nun beginnt allerdings der weniger glamouröse Teil imperialer Digitalisierung.

Denn jedes Ministerium und jede Behörde muss zunächst feststellen, welche seiner Dienste überhaupt unter die neue Regelung fallen.

Betroffen sind größere öffentlich zugängliche Onlineangebote mit erheblicher Nutzung.

Einige besonders sensible Bereiche bleiben draußen.

Die Steuerverwaltung darf ihre eigenen digitalen Katakomben weiterhin verteidigen, und auch Kriegsministerium sowie Geheimdienste bekommen ihre traditionellen Sonderwege.

Für alle anderen gilt:

Schnittstellen öffnen.

Formulare anbinden.

Dashboards verfügbar machen.

Login.gov integrieren.

Leistungsdaten melden.

Und das alles fortlaufend.

Im gesamten imperialen Verwaltungsapparat dürfte daher bald jener Satz fallen, der jede digitale Revolution zuverlässig begleitet:

„Wer übernimmt eigentlich die Schnittstelle?“

Neunzig Tage bis zum Wunder

Der Direktor des imperialen Haushaltsamtes – offiziell Office of Management and Budget, in den Chroniken künftig Officium Pecuniae et Tabularum – erhält einige Monate Zeit, den Behörden mitzuteilen, wie genau die gewaltige Transformation funktionieren soll.

Danach beginnt das große digitale Zusammenführen.

Die General Services Administration wird zur technischen Bauleitung des Reichstores.

Das National Design Studio sorgt dafür, dass die digitale Pracht hoffentlich weniger nach Formular 27-B aussieht.

OMB wacht über Regeln, Standards und Umsetzung.

Und Trumpius Caesar wacht vermutlich über alles andere.

Aber bitte weiterhin Briefmarken bereithalten

Bemerkenswert ist allerdings ein wichtiger Abschnitt des kaiserlichen Erlasses:

America.gov soll die bisherigen Zugangswege nicht ersetzen.

Persönlicher Besuch bleibt möglich.

Telefon bleibt möglich.

Briefpost bleibt möglich.

Behördenspezifische Portale bleiben möglich.

Damit erschafft das Reich also einen zentralen digitalen Zugang, während sämtliche bisherigen Zugänge weiterexistieren.

Ein Verwaltungsmodernisierungsprojekt in seiner reinsten Form:

Wir schaffen etwas Neues, ohne etwas Altes abzuschaffen.

Damit dürfte sichergestellt sein, dass auch im digitalen Zeitalter niemand versehentlich arbeitslos wird, nur weil ein Prozess einfacher geworden ist.

Das unvermeidliche Kleingedruckte

Am Ende folgt jener Teil, ohne den keine wahrhaft große Executive Order vollständig wäre.

Nichts in diesem Erlass darf gesetzliche Zuständigkeiten beeinträchtigen.

Alles gilt nur im Rahmen vorhandener Haushaltsmittel.

Niemand erhält dadurch automatisch einen einklagbaren Anspruch.

Verbotene Informationen bleiben verboten.

Behördendaten dürfen nur unter gesetzlich vorgesehenen Bedingungen zugänglich gemacht werden.

Und die Kosten für die Veröffentlichung trägt freundlicherweise die General Services Administration.

Mit anderen Worten:

Der Kaiser hat das digitale Verwaltungszeitalter ausgerufen.

Die Behörden müssen nun herausfinden, wie es funktioniert.

Und so öffnet sich Porta America Maxima

Am Ende bleibt ein durchaus bemerkenswerter Gedanke hinter all dem imperialen Marmor:

Ein Bürger sollte eigentlich nicht wissen müssen, wie der Verwaltungsapparat organisiert ist, um eine Verwaltungsleistung zu erhalten.

Das klingt so offensichtlich, dass Regierungen vermutlich mehrere Jahrzehnte gebraucht haben, um darauf zu kommen.

Trumpius Caesar aber steht nun vor seinem imaginären goldenen Serverrack, erhebt die kaiserliche Maus und verkündet:

„Ein Reich. Ein Portal. Ein Login. Und hoffentlich kein Passwort-Reset.“

Sollte America.gov funktionieren, könnte es tatsächlich etwas schaffen, was selbst dem mächtigsten Caesar selten gelingt:

Eine Behörde dazu zu bringen, ihre eigene Bürokratie zu erledigen.

Und falls nicht?

Dann findet sich bestimmt irgendwo auf America.gov ein Formular dafür.

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