WASHINGTONIUM, IMPERIUM AMERICANUM – Bürger des glorreichsten Imperiums der bekannten und bislang unentdeckten Welt! Eine sensationelle Entdeckung erschüttert die Grundmauern der Bürokratie: Die Wirtschaft könnte tatsächlich wachsen, wenn man aufhört, sie jahrelang um Erlaubnis bitten zu lassen.
Diese ungeheuerliche Erkenntnis stammt nicht von irgendeinem dahergelaufenen Philosophen, sondern aus den ehrwürdigen Hallen des Consilium Oeconomicum Trumpianum, des kaiserlichen Rates der Wirtschaftsweisen, dessen Mitglieder bekanntlich ausschließlich deshalb weise sind, weil sie dem allerweisesten Imperator dienen.
Seine unübertreffliche Majestät Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Imperator der Genehmigungen, Bezwinger der Formulare und Ewiger Großmeister des Goldenen Kugelschreibers, ließ die Erkenntnisse unverzüglich auf vergoldete Steintafeln meißeln.
„Niemand versteht Genehmigungen besser als ich! Niemand! Manche Leute behaupten, man müsse warten, bevor man etwas baut. Lächerlich! Ich habe Gebäude errichtet, bevor andere überhaupt wussten, dass Gebäude existieren! Gewaltige Gebäude! Die besten Gebäude! Sogar die Römer wären neidisch gewesen – und ich bin praktisch der beste Römer aller Zeiten!“
Die große Entdeckung: Papier baut keine Brücken
Über Generationen hinweg hatte das Imperium Americanum unter einer besonders heimtückischen Plage gelitten: der Bureaucratia Maxima, einer mysteriösen Kreatur mit unzähligen Armen, deren liebste Beschäftigung darin bestand, Anträge entgegenzunehmen, sie sorgfältig zu prüfen und anschließend zu fragen, ob jemand vielleicht noch ein weiteres Formular ausfüllen könne.
Besonders gefürchtet war der sogenannte NEPA-Saurus, ein urzeitliches Genehmigungsungeheuer, das sich bevorzugt von Infrastrukturprojekten ernährte.
Wollte ein fleißiger Bürger eine Stromleitung errichten, verlangte der NEPA-Saurus eine Umweltprüfung. Wollte ein Unternehmer eine Eisenbahn bauen, verlangte er eine umfangreichere Umweltprüfung. Wollte jemand einen neuen Parkplatz anlegen, bestand die theoretische Gefahr, dass zunächst die kulturelle Bedeutung eines dort ansässigen Regenwurms untersucht werden musste.
Die kaiserlichen Gelehrten stellten fest, dass umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfungen im Durchschnitt rund 1.700 Seiten umfassten und ihre Fertigstellung etwa 4,2 Jahre beanspruchte.
Trumpius Caesar zeigte sich entsetzt.
„VIER JAHRE! In vier Jahren hätte ich sieben Weltwunder gebaut, drei Friedensnobelpreise gewonnen und mindestens zwölfmal den größten Wirtschaftsboom der Menschheitsgeschichte ausgelöst! Stattdessen schreiben diese Leute ein Buch über einen Frosch! Einen FROSCH! Wahrscheinlich einen demokratischen Frosch!“
Daraufhin erließ Seine Majestät symbolisch das Dekret Papyrus Non Aedificat – Papier baut nichts.
Der kaiserliche Wirtschaftszauber: Aus Wartezeit wird Gold
Das Consilium Oeconomicum hatte nämlich errechnet, dass deutlich kürzere Genehmigungsverfahren langfristig enorme wirtschaftliche Vorteile bringen könnten.
Würden besonders umfangreiche Umweltprüfungen auf zwei Jahre begrenzt, könnte das amerikanische Bruttoinlandsprodukt dem Modell zufolge langfristig jährlich um zusätzliche 82 bis 164 Milliarden Dollar höher liegen. Außerdem prognostizierten die kaiserlichen Rechenkünstler steigende Reallöhne, höhere Steuereinnahmen und niedrigere Stromkosten.
Für Trumpius Caesar war die Sache augenblicklich klar.
„Wir haben etwas Unfassbares entdeckt! Wenn die Regierung weniger lange braucht, wird alles schneller! Niemand hat das jemals gewusst! Ich habe es gewusst. Schon als Baby. Ich war ein sehr wirtschaftliches Baby. Wahrscheinlich das produktivste Baby aller Zeiten!“
Sein Finanzminister, Aurelius Pecunius Profitus, ließ daraufhin goldene Rechenmaschinen verteilen und verkündete, dass sich die Wirtschaft künftig nicht mehr in Dollar, sondern in imperialen Großartigkeitseinheiten messen lasse.
Besonders beeindruckend fanden die Hofgelehrten die Aussicht, dass bei noch kürzeren Verfahren langfristig jährliche Produktionsgewinne von bis zu 243 Milliarden Dollar möglich wären.
„Seht ihr?“, jubelte der Imperator. „Je weniger wir warten, desto reicher werden wir! Wenn wir überhaupt nicht mehr warten, sind wir wahrscheinlich unendlich reich! Ich werde persönlich überprüfen lassen, ob wir Genehmigungen rückwirkend erteilen können. Dann wird die Wirtschaft vielleicht schon gestern gewachsen sein!“
Die kaiserlichen Mathematiker schwiegen.
Schließlich hatten sie für diese Form der Zeitreise noch keinen geeigneten Zinssatz gefunden.
Die Senatoren des ewigen Wartens
Doch nicht alle Bewohner des Imperiums begrüßten die majestätische Revolution.
Im Senat erhoben sich die ehrwürdigen Vertreter der Fractio Formularia, deren Mitglieder seit Jahrhunderten davon lebten, das Nichtvorankommen staatlich zu organisieren.
Senator Quintus Paragraphus Maximus, oberster Hüter des Dreifachstempels, warnte vor einer gefährlichen Entwicklung.
„Wenn Projekte plötzlich genehmigt werden, bevor wir sämtliche Aktenordner gefüllt haben, woran sollen unsere Nachfahren dann erkennen, dass hier gewissenhaft gearbeitet wurde?“
Sein Kollege Publius Verzögerus Eternus ergänzte, eine schnellere Genehmigung könne möglicherweise dazu führen, dass bereits genehmigte Vorhaben tatsächlich umgesetzt würden.
„Das wäre ein beispielloser Eingriff in unsere jahrhundertealte Verwaltungstradition!“
Trumpius Caesar reagierte mit der ihm eigenen diplomatischen Feinfühligkeit.
„Diese Leute lieben Papier mehr als Amerika! Sie würden sogar einen Antrag verlangen, bevor jemand einen Antrag stellen darf! Schwache Leute! Traurige Leute! Wir werden so schnell genehmigen, dass die Stempel glühen!“
Strom für das Volk – und Gold für den Kaiser
Besonders begeistert zeigte sich der Imperator über die möglichen Auswirkungen auf die Strompreise.
Die Studie prognostizierte, dass die durchschnittliche amerikanische Familie bei einer entsprechenden Verkürzung der Verfahren jährlich zwischen 178 und 251 Dollar an Stromkosten sparen könnte.
Trumpius Caesar interpretierte dieses Ergebnis als persönlichen Sieg über die Naturgesetze.
„Unter meiner Herrschaft wird Elektrizität so günstig, dass die Leute ihre Kühlschränke offen lassen können! Gewaltig! Vielleicht werden sie sogar dafür bezahlt, das Licht einzuschalten! Wir haben den besten Strom. Niemand hat besseren Strom. Selbst Jupiter würde seinen Blitz bei uns kaufen!“
Der kaiserliche Energieminister Lucius Voltus Maximus entwickelte daraufhin einen Vorschlag zur monumentalen Beleuchtung sämtlicher Triumphbögen des Reiches.
Auf die Frage, ob dieser zusätzliche Stromverbrauch nicht einen Teil der Einsparungen auffressen könnte, antwortete er:
„Majestätische Beleuchtung ist keine Ausgabe. Sie ist eine Investition in die Sichtbarkeit imperialer Erfolge.“
Der Kaiser nickte anerkennend.
Endlich jemand, der Wirtschaft verstand.
Das kleine Problem mit der Zukunft
Allerdings enthielten die Berechnungen eine unschöne Einschränkung.
Die wirtschaftlichen Vorteile würden nicht sofort eintreten. Nach dem zugrunde gelegten Modell könnten zunächst ungefähr drei Jahre vergehen, bevor sich nennenswerte zusätzliche Produktionsgewinne zeigten. Ein Großteil der langfristigen Wirkung würde sich erst über viele weitere Jahre entfalten.
Trumpius Caesar war empört.
„DREI JAHRE? Ich habe doch gerade erklärt, dass wir keine Wartezeiten mehr wollen! Wer hat diese Studie geschrieben? Die Opposition?“
Der oberste Wirtschaftsweise Professor Calculus Prognosticus versuchte vorsichtig zu erläutern, dass auch schneller genehmigte Projekte noch gebaut werden müssten und wirtschaftliche Veränderungen Zeit benötigten.
Der Imperator überlegte.
Dann lächelte er triumphierend.
„Dann verkünden wir den Erfolg eben sofort und warten mit der Realität, bis sie nachkommt! Das funktioniert hervorragend. Ich mache das seit Jahren!“
Die Hofbeamten notierten ehrfürchtig das neue Prinzip kaiserlicher Wirtschaftspolitik:
Erst der Triumph, dann die Umsetzung.
Der Umweltgott erhebt Einspruch
Inzwischen meldete sich auch die ehrwürdige Göttin Terra Mater Protectiva zu Wort.
Sie erinnerte daran, dass Umweltprüfungen ursprünglich nicht erfunden worden waren, um Bauunternehmer zu ärgern, sondern um mögliche Folgen von Projekten für Natur, Menschen und Landschaften zu untersuchen.
Trumpius Caesar zeigte Verständnis.
„Ich liebe die Umwelt! Niemand liebt sie mehr als ich! Ich habe die schönsten Bäume gesehen. Wunderschöne Bäume! Manche waren sogar größer als andere! Aber warum muss man für einen Baum ein ganzes Buch schreiben? Der Baum kann doch gar nicht lesen!“
Daraufhin schlug der Hofzeremonienmeister Marcus Simplificatus Grandiosus vor, sämtliche Umweltgutachten künftig auf einer einzigen goldenen Schriftrolle zusammenzufassen.
Oben stehe die Frage: „Ist das Projekt großartig?“
Darunter gebe es zwei Kästchen: „Ja“ und „Außergewöhnlich großartig“.
Der Vorschlag wurde unter tosendem Applaus zur weiteren Prüfung an einen Ausschuss verwiesen.
Dessen Bearbeitungszeit blieb unbekannt.
Der endgültige Triumph des Imperators
Zum Abschluss der historischen Sitzung trat Trumpius Caesar auf den Balkon des Weißen Kolosseums, hob seinen goldenen Kugelschreiber und verkündete den Beginn eines neuen Zeitalters.
„Wir werden bauen! Wir werden investieren! Wir werden die schnellsten Genehmigungen der Welt haben! So schnell, dass die Bürokraten nicht einmal mehr Zeit finden werden, Bürokraten zu sein!“
Das Volk jubelte. Die Senatoren zitterten. Die Papierindustrie beantragte vorsorglich staatliche Unterstützung.
Und irgendwo tief im Keller des kaiserlichen Verwaltungsministeriums saß ein einsamer Beamter vor einem riesigen Aktenberg.
Er las die neue Anweisung zur Beschleunigung aller Genehmigungsverfahren.
Dann griff er zu einem Formular.
Es trug die Überschrift:
„Antrag auf Genehmigung zur Einführung beschleunigter Genehmigungsverfahren.“
Der Beamte seufzte zufrieden.
Endlich wieder ein ordentliches Verfahren.
AVE TRUMPIUS CAESAR! IMPERATOR MAXIMUS!
Mögen seine Straßen breit, seine Triumphbögen golden und seine Genehmigungen schneller sein als seine eigenen Erfolgsmeldungen!

