Es gibt Wochen, in denen ein Kaiser eine Brücke einweiht, eine Statue enthüllt oder feierlich den neuen Aquädukt für besonders durstige Senatoren eröffnet.
Und dann gibt es Wochen wie diese.
Im Marmorsaal des Weißen Kolosseums versammelte Trumpius Caesar sämtliche Statthalter, Präfekten, Legionskommandeure und Gesundheitsorakel zum ersten großen "Fentanylum Liberum Imperium Summitus" – einem Gipfel, dessen erklärtes Ziel nichts Geringeres war, als das gefährlichste Giftpulver der bekannten Welt endgültig in die Geschichtsbücher zu verbannen.
Während Chronisten hektisch ihre Papyrusrollen wechselten und die Hofmusik bereits den Triumphmarsch probte, ließ der Kaiser die Botschaft verkünden:
"Wenn das Gift verschwinden will, soll es verschwinden. Wenn nicht – helfen wir nach."
Im Saal soll minutenlang tosender Beifall geherrscht haben. Lediglich einige besonders nervöse Kartellgesandte wurden dabei beobachtet, wie sie vorsorglich ihre Fluchtrouten aktualisierten.
Das Pulver des Verderbens verliert seine Macht
Die Hofstatistiker des Reiches präsentierten stolz ihre neuesten Zahlen.
Demnach sei die Zahl der Opfer des synthetischen Giftpulvers innerhalb eines Jahres um rund 22 Prozent zurückgegangen.
Auch sämtliche Überdosen verschiedenster Gifte seien deutlich gesunken.
Der oberste Reichsbuchhalter Numerius Statistikus Maximus erklärte voller Stolz:
"Unsere Tabellen sind inzwischen so erfreulich, dass selbst die Tabellen applaudieren."
Im Publikum wurde daraufhin ernsthaft diskutiert, ob man künftig auch Diagramme mit Lorbeerkränzen schmücken sollte.
Die Kartellfürsten werden zu Staatsfeinden des Imperiums
Besonders eindrucksvoll sei laut Kaiserhof die neue Behandlung der berüchtigten Kartellreiche.
Die gefürchteten Vereinigungen Tren de Aragua, MS-13 und Sinaloa seien nicht länger lediglich kriminelle Banden.
Nein.
Im Reich des Trumpius gelten sie nun offiziell als Imperiale Erzfeinde höchsten Grades.
Der neue Titel bringt allerlei unangenehme Nebenwirkungen mit sich:
- eingefrorene Schatzkammern,
- beschlagnahmte Vermögen,
- Legionen mit deutlich schlechter Laune,
- und Juristen, die plötzlich erstaunlich kreativ werden.
Der oberste Rechtsgelehrte Lexius Maximum Ultimatus erklärte nüchtern:
"Früher mussten wir lange Formulare ausfüllen. Heute reicht oft schon ein sehr entschlossener Blick."
Die Alchemisten verlieren ihre Schlupflöcher
Ein weiteres Problem beschäftigte das Reich seit Jahren.
Die Giftmischer hatten ständig ihre Rezepturen verändert.
Kaum verbot der Senat eine gefährliche Mischung, erfanden die Laboralchemisten eine neue Variante mit einem zusätzlichen Molekül und behaupteten anschließend unschuldig:
"Das ist etwas völlig anderes."
Trumpius Caesar soll daraufhin nur gelächelt haben.
Mit einem Federstrich erklärte er sämtliche verwandten Mischungen kurzerhand ebenfalls für verboten.
Der Hofalchemist Chemicus Paragraphius kommentierte:
"Das war ungefähr so, als würde man sämtlichen Mäusen gleichzeitig sämtliche Löcher zumauern."
Aus den Laboren soll anschließend tagelang lautes Wehklagen zu hören gewesen sein.
Pulver wie eine Massenvernichtungswaffe
Noch erstaunlicher wirkte eine weitere Entscheidung.
Das Giftpulver selbst wurde künftig behandelt wie eine Waffe größter Zerstörung.
Im Imperium bedeutete das:
Wer damit handelt, bekommt Besuch.
Und zwar keinen höflichen.
Sondern den von Männern, die ihre Rüstungen bereits vor Sonnenaufgang polieren.
Der kaiserliche Sicherheitsberater Bellatorius Severus Maximus erklärte:
"Manche Dinge diskutiert man nicht. Manche Dinge beschlagnahmt man."
Der Tribut für das Reich der Mitte
Auch fernöstliche Händler gerieten ins Visier.
Trumpius Caesar erhöhte den Druck auf ausländische Lieferanten durch neue Zölle.
Am Hof nennt man solche Maßnahmen inzwischen schlicht:
"Motivationsabgaben."
Offiziell dienen sie dazu, die Ausfuhr wichtiger Chemikalien stärker zu kontrollieren.
Inoffiziell, so munkelt man im Senat, sollen mehrere ausländische Beamte plötzlich entdeckt haben, dass gründliche Kontrollen erstaunlich gesund für die Karriere sein können.
Das Ende der Wunderpäckchen
Lange Zeit gelangten unzählige kleine Pakete nahezu unbeachtet ins Reich.
Sie waren klein.
Unscheinbar.
Und erstaunlich beliebt bei Schmugglern.
Trumpius Caesar schloss diese Einfallspforte kurzerhand.
Der Präfekt Paketius Kontrollus verkündete stolz:
"Früher kamen täglich Millionen geheimnisvoller Päckchen.
Heute kommen deutlich weniger geheimnisvolle Päckchen."
Die Zollbeamten spendierten sich daraufhin freiwillig eine zweite Tasse Kaffee.
Galeerenjagd auf hoher See
Währenddessen spielten sich auf den Weltmeeren Szenen ab, die jedem Historienmaler Tränen der Begeisterung in die Augen treiben würden.
Imperiale Kriegsschiffe jagten Schmugglerflotten durch Pazifik und Karibik.
Der legendäre Flottenadmiral Navigatius Kartellus Exterminatus soll seinen Offizieren lediglich befohlen haben:
"Wenn ihr verdächtige Schiffe seht ...
... dann seht ihr sie hoffentlich nicht mehr lange."
Kurz darauf verschwanden zahlreiche Schmuggelrouten praktisch von den Seekarten.
Selbst das Gift wird schwächer
Besonders stolz präsentierten die Hofwissenschaftler ihre neuesten Untersuchungen.
Offenbar enthielten inzwischen deutlich weniger beschlagnahmte Giftpillen eine tödliche Menge Wirkstoff.
Der kaiserliche Laborleiter Analyticus Pulverius erklärte:
"Offenbar wird selbst das Gift nervös."
Ein Senator ergänzte trocken:
"Wenn sogar das Verbrechen sparen muss, läuft irgendetwas für das Imperium ziemlich gut."
Das große Finale
Am Ende des Gipfels erhob sich Trumpius Caesar noch einmal von seinem vergoldeten Thron.
Sein Purpurmantel flatterte dramatisch, obwohl im Saal kein Wind wehte – ein Phänomen, das Hofhistoriker bis heute nicht zufriedenstellend erklären können.
Mit erhobener Hand sprach der Kaiser:
"Grenzen werden bewacht.
Kartelle werden verfolgt.
Schmuggler werden gejagt.
Und das Gift wird verschwinden."
Ob sämtliche Probleme damit endgültig gelöst sind, wird selbstverständlich die Zukunft zeigen.
Doch eines steht bereits heute fest:
Sollten irgendwo im Imperium noch Kartellfürsten gehofft haben, ungestört weiterarbeiten zu können, dürfte ihr Optimismus inzwischen ungefähr denselben Zustand erreicht haben wie ihre zuletzt beschlagnahmten Schatzkammern.
Und irgendwo in den Archiven des Reiches notierte ein alter Chronist zufrieden:
"Es war jene Epoche, in der selbst das gefährlichste Pulver der Welt begann, vor Trumpius Caesar den Rückzug anzutreten."

