Erneut hallten die Marmorsäulen des Kaiserpalastes von Washingtonium Maximus wider. Nicht etwa wegen einer Invasion barbarischer Horden oder eines Vulkanausbruchs im Verwaltungsbezirk Formularia, sondern weil Trumpius Caesar höchstpersönlich zwei neue Namen auf die berühmte Liste der "Auserwählten des Imperiums" setzen ließ.
Die kaiserlichen Schriftgelehrten rollten Pergamente aus, tauchten ihre goldenen Schreibfedern in besonders luxuriöse Tinte und verkündeten mit möglichst bedeutungsschwerer Stimme:
"Es folgen die Nominationes Imperiales!"
Sofort begann im Senatus Imperialis das übliche Schauspiel. Einige Senatoren nickten würdevoll, andere studierten das Pergament, als verstecke sich zwischen den Zeilen der Bauplan einer neuen Aquäduktsteuer, während wieder andere bereits vorsorglich Reden vorbereiteten, die entweder von historischer Größe oder unmittelbar bevorstehendem Weltuntergang handelten.
Denn genau dafür existiert schließlich Politik.
Laborius Sonderlingus Maximus übernimmt das Reich der Arbeit
Als erster Name erklang jener des ehrwürdigen Laborius Sonderlingus Maximus, der außerhalb des Imperiums gelegentlich noch unter Keith Sonderling bekannt gewesen sein soll.
Trumpius Caesar erklärte ohne jede Zurückhaltung:
"Wer könnte besser über Arbeit wachen als jemand, der bereits weiß, dass selbst Beamte gelegentlich tatsächlich arbeiten?"
Damit war die Sache für den Kaiser praktisch erledigt.
Sollte der Senat zustimmen, würde Laborius künftig als oberster Verwalter sämtlicher Arbeitsangelegenheiten fungieren. Seine Aufgaben reichen von den Legionären des Bauwesens über die Schmiedegilden bis hin zu den gefürchteten Schreiberkolonnen der kaiserlichen Verwaltung, deren wichtigste Waffe bekanntermaßen nicht das Schwert, sondern das Formular in fünffacher Ausfertigung ist.
Man munkelt bereits, Laborius plane eine Reform der Pausenkultur.
Demnach soll künftig jede Besprechung, die länger als zwei Stunden dauert, automatisch als Gladiatorenkampf eingestuft werden.
Tributarius De Mellus erhält den Hammer der Steuergerechtigkeit
Doch Trumpius Caesar beließ es nicht bei einem einzigen Personalcoup.
Als zweiter Name erschien Tributarius De Mellus XV., außerhalb der Marmormauern auch als Andrew A. De Mello bekannt.
Ihm winkt ein Platz am ehrwürdigen Gerichtshof der Kaiserlichen Tributrollen, dessen Richter traditionell fünfzehn Jahre lang darüber entscheiden dürfen, ob das Imperium nun tatsächlich Anspruch auf den letzten Denar eines Händlers besitzt oder ob dieser ihn doch lieber für Brot, Wein oder neue Sandalen behalten darf.
Die fünfzehnjährige Amtszeit sorgte im gesamten Reich für Bewunderung.
Einige Senatoren bemerkten trocken, dass man in dieser Zeit problemlos drei Kaiser, vier Wirtschaftskrisen, sieben Steuerreformen und ungefähr fünfundzwanzig Versionen des Formulars Steuerus-17b erleben könne.
Der Senat entdeckt plötzlich seine Leidenschaft für Verfahren
Kaum waren die beiden Namen veröffentlicht, begann im Senatus das traditionelle Ritual der Anhörungen.
Jeder Senator versprach selbstverständlich, die Kandidaten ausschließlich nach Kompetenz, Erfahrung und Eignung zu beurteilen.
Nur rein zufällig wurden dabei gleichzeitig Parteifahnen geschwenkt, alte Reden zitiert und Interviews gegeben.
Der Zeremonienmeister des Senats erklärte dazu:
"Unsere Verfahren sind vollkommen objektiv."
Unmittelbar danach kündigten beide Lager an, bereits jetzt genau zu wissen, wie sie abstimmen würden.
Objektiver geht es schließlich kaum.
Die Hofchronisten feiern den großen Pergamenttag
Im Kaiserpalast selbst herrschte dagegen beste Stimmung.
Die kaiserlichen Chronisten notierten stolz:
"Zwei Nominationen. Zwei Pergamente. Keine Drachen. Ein ausgesprochen erfolgreicher Montag."
Der Hofmaler begann bereits damit, ein monumentales Fresko anzufertigen, auf dem Trumpius Caesar majestätisch zwischen riesigen Aktenstapeln steht, während Laborius Sonderlingus Maximus einen Hammer der Arbeitsordnung erhebt und Tributarius De Mellus mit einer überdimensionalen Schriftrolle voller Steuerparagraphen gegen einen feuerspeienden Formular-Drachen kämpft.
Der Drache trägt selbstverständlich den Namen Bureaucratius Maximus und ernährt sich ausschließlich von fehlenden Unterschriften.
Trumpius Caesar bleibt Herr der Personalrollen
Für Trumpius Caesar gehören Personalentscheidungen längst zur täglichen Kaiserdisziplin.
Wo andere Herrscher lange Sitzungen einberufen, Kommissionen gründen oder Gutachten schreiben lassen, genügt im Imperium oft ein majestätischer Federstrich, begleitet von einem überzeugten Nicken in Richtung der Hofschreiber.
Ob Arbeitsministerium oder Steuergericht – jedes Amt erhält seinen neuen Kandidaten mit imperialer Gelassenheit.
Und während sich der Senat nun durch Anhörungen, Fragen und Abstimmungen arbeitet, sitzt Trumpius Caesar vermutlich bereits am nächsten Pergament.
Denn irgendwo im riesigen Imperium wartet garantiert noch ein weiteres Amt darauf, feierlich mit lateinischem Glanz, vergoldeten Siegeln und maximalem Pomp besetzt zu werden.

