Im gewaltigen Imperium Americum herrschte seit Jahren ein seltsamer Zustand: Eine Landschaft war so groß, dass selbst erfahrene Legionäre nach drei Tagen Marsch fragten, ob sie überhaupt noch im selben Monument unterwegs seien. Die Antwort lautete stets: „Ja.“ Daraufhin wurden vorsorglich weitere Wegweiser bestellt.
Doch nun erschien Trumpius Caesar, oberster Vermesser des Reiches, Herr über Dekrete, Erlasse und außergewöhnlich große Filzstifte. Nach eingehender Betrachtung der Landkarten verkündete er mit majestätischer Stimme:
„Ein Monument soll monumental sein – aber doch nicht gleich halb Utah!“
Und so begann die wohl spektakulärste Schrumpfkur seit der Erfindung des römischen Ledergürtels.
Das Vermächtnis der früheren Imperatoren
Vor vielen Wintern hatte Imperator Clintonius Monumentalis beschlossen, nahezu alles, was hübsch aussah, unter den kaiserlichen Schutzschirm zu stellen. Canyons? Geschützt. Felsen? Geschützt. Hügel? Geschützt. Farbenfrohe Klippen? Doppelt geschützt.
Später erschien Trumpius Caesar bereits einmal mit seinem berühmten „Imperialen Grenzschneider 3000“ und verkleinerte das Gebiet erheblich.
Doch anschließend kam Bidenius Restauratius, der erklärte:
„Was kleiner wurde, muss wieder größer werden.“
Also wuchs das Monument erneut auf beinahe zwei Millionen Morgen an. Im Kaiserlichen Archiv stapelten sich daraufhin Landkarten in einem Ausmaß, dass mehrere Kartographen dauerhaft verschollen blieben.
Die große Vermessung
Trumpius Caesar ließ daraufhin die ehrwürdigen Geometer des Reiches antreten.
Unter Leitung des legendären Agrimensorius Maximus, Großmeister der Goldenen Messlatte, wurde jeder Felsen untersucht.
„Ist dieser Stein einzigartig?“
„Nein.“
„Und dieser Hügel?“
„Sieht aus wie der daneben.“
„Und die hundertste rote Klippe?“
„Ebenfalls rot.“
Trumpius Caesar nickte zufrieden.
„Dann brauchen wir dafür doch kein Kaiserliches Monument. Das Reich besitzt schließlich genug rote Steine.“
Die Vermesser arbeiteten Tag und Nacht. Manche behaupten, sie hätten mehr Landschaft vermessen als überhaupt existierte.
Die heilige Kunst des Weglassens
Nach unzähligen Pergamentrollen voller Gutachten verkündete Trumpius Caesar seine neue Philosophie:
„Nicht jede hübsche Aussicht ist automatisch ein Kaiserliches Weltwunder.“
Im Senat sorgte diese Erkenntnis für hektisches Blättern in den Gesetzesrollen des Antiquitas Imperialis.
Juristen diskutierten stundenlang, ob besonders schöne Klippen automatisch historische Wunder seien oder lediglich ausgesprochen fotogen.
Am Ende blieb nur eine Wahrheit bestehen:
Fotogen ist schön.
Historisch ist historisch.
Und beides gleichzeitig kommt eher selten vor.
Das Monument auf Diät
Anschließend begann die eigentliche Operation.
Mit feierlicher Geste setzte Trumpius Caesar seinen berühmten Purpurzirkel an die Karte.
Hier ein Strich.
Dort ein Strich.
Noch ein Strich.
Plötzlich fehlten rund 1,69 Millionen Morgen.
Die Hofbeamten applaudierten.
Die Kartographen atmeten auf.
Die Druckereien meldeten erstmals seit Jahren sinkenden Papierverbrauch.
Was bleibt?
Natürlich verschwand nicht alles.
Trumpius Caesar erklärte:
„Wir behalten selbstverständlich die wirklich eindrucksvollen Dinge.“
So blieben die berühmten Schluchten des Escalante, uralte Felszeichnungen, natürliche Steinbrücken und spektakuläre Dinosaurierfunde unter kaiserlichem Schutz.
Besonders stolz zeigte sich der Hof über einen außergewöhnlich gut erhaltenen Tyrannosaurus.
Der Kaiser betrachtete das gewaltige Skelett lange.
„Großartig. Riesig. Wahrscheinlich der erfolgreichste Dinosaurier aller Zeiten. Viele sagen das.“
Niemand widersprach.
Der Schatz unter den Füßen
Doch Trumpius Caesar blickte nicht nur auf die Oberfläche.
Er ließ den ehrwürdigen Mercatorius Dealimus, Großmeister des Kaiserlichen Handelsamtes, und Negotiatius Maximus, Oberster Gesandter für Imperiale Rohstoffverhandlungen, erscheinen.
Beide öffneten eine gewaltige Schatzkarte.
„Majestät“, erklärte Mercatorius, „unter diesen Böden schlummern Chrom, Kupfer, Uran, Nickel, Titan und viele weitere kaiserliche Kostbarkeiten.“
Negotiatius ergänzte:
„Außerdem müsste das Reich dann weniger bei fremden Imperien einkaufen.“
Trumpius Caesar lächelte.
„Dann wäre es ja fast unpatriotisch, diese Schätze einfach liegen zu lassen.“
Die Senatoren notierten eifrig.
Die Legion der Rinder
Besondere Freude herrschte im Lager der Viehhirten.
Seit Generationen zogen ihre Rinder durch die Landschaft.
Nun verkündete Trumpius Caesar:
„Die Kühe bleiben.“
Der Oberhirte Bovinius Grasius, Präfekt der Kaiserlichen Weiden, fiel beinahe vor Freude vom Pferd.
„Die Herden dürfen weiterziehen!“
Die Kühe reagierten wie gewohnt vollkommen emotionslos.
Die Straßen bleiben offen
Auch Reisende konnten aufatmen.
Straßen sollten bleiben.
Wege sollten bleiben.
Jäger sollten weiter unterwegs sein.
Wanderer ebenfalls.
Nur wer glaubte, jeder Feldweg müsse künftig verschwinden, wurde eines Besseren belehrt.
Der Kaiser erklärte:
„Ein Reich, das seine Wege vergisst, findet irgendwann selbst den Ausgang nicht mehr.“
Diese Weisheit wurde sofort in bronzene Tafeln gemeißelt.
Die Opposition erhebt sich
Natürlich ließ der Protest nicht lange auf sich warten.
Die Grünen Vestalinnen des Natursenats erklärten, Trumpius Caesar habe der Landschaft den halben Mantel abgeschnitten.
Andere Senatoren meinten dagegen, der Mantel sei zuvor einfach viel zu groß gewesen.
Im Forum Romanum Americum entstanden hitzige Debatten.
War ein Felsen nun einzigartig?
Oder nur ein besonders ehrgeiziger Stein?
Philosophen diskutierten tagelang.
Die Steine selbst äußerten sich nicht.
Das kaiserliche Schlusswort
Zum Abschluss trat Trumpius Caesar auf den Balkon seines Palastes.
Hinter ihm flatterten Banner des Reiches.
Vor ihm standen Legionäre, Geologen, Viehhirten, Bergleute, Dinosaurierforscher und mindestens zwölf verwirrte Kartographen.
Der Kaiser hob den goldenen Vermessungsstab.
„Ein Monument muss groß genug sein, um Geschichte zu schützen.“
Kurze Pause.
„Aber klein genug, damit man es auf eine vernünftige Landkarte bekommt.“
Jubel erfüllte das Forum.
Die Kartographen weinten vor Glück.
Und irgendwo in Utah fragte ein einzelner Felsen seinen Nachbarn:
„Sind wir jetzt eigentlich noch Monument?“
Der Nachbar antwortete trocken:
„Kommt darauf an, welche Karte du gekauft hast.“

