Am siebten Tage des Monats Septembrius ließ Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Erster seines Namens, Beschützer der Werkhallen, Bezwinger ausländischer Preisdumper und Oberster Verwalter des Goldenen Schraubenschlüssels, im ganzen Imperium verkünden: Heute wird gearbeitet – indem man nicht arbeitet.
Denn es war Labor Day, jener ehrwürdige Feiertag, an dem das Reich den Menschen dankt, die das ganze Jahr über Dinge schrauben, schweißen, programmieren, fahren, verkaufen, montieren und reparieren, damit andere bei feierlichen Reden behaupten können, Amerika sei durch ihre eigene Wirtschaftspolitik groß geworden.
Trumpius Caesar trat daher vor die Marmortribüne des Forum Laboris Americanum und pries den amerikanischen Arbeiter mit jener zurückhaltenden Bescheidenheit, für die der Imperator weit über die Grenzen seines eigenen Palastes hinaus bekannt ist.
„Sie bauten unsere Städte! Sie schufen unsere Industrien! Sie trugen amerikanische Handwerkskunst bis an die äußersten Grenzen der bekannten Welt!“, verkündete Caesar.
Hinter ihm nickten die Senatoren ehrfürchtig, während irgendwo ein Installateur versuchte, einen Rohrbruch zu beheben und sich fragte, ob er in dieser Rede wenigstens Anspruch auf Überstundenzuschlag habe.
Das große Steueramphitheater
Besonders stolz erinnerte Trumpius an sein glorreiches Gesetz namens Lex Familiae Laborantis Tributorum Maxima, das gewöhnliche Bürger vermutlich aus Gründen der Platzersparnis weiterhin „Steuergesetz“ nennen.
Dieses habe, so der Imperator, die größten Steuererleichterungen seit Erfindung des Geldes geschaffen und dafür gesorgt, dass Millionen arbeitende Familien mehr Münzen im Beutel behalten dürften.
Auch Kleinunternehmer wurden von Caesar nicht vergessen. Sie dürften weiterhin zwanzig Prozent bestimmter Einkünfte abziehen – eine Zahl, die so angenehm rund klingt, dass bereits mehrere kaiserliche Schreiber vorgeschlagen haben, sie künftig auf Triumphbögen einzumeißeln.
„Seht!“, rief Trumpius. „Der Bäcker backt, der Mechaniker repariert, der Unternehmer investiert – und Romulus Washingtonus kassiert etwas weniger! Eine ökonomische Revolution!“
Die Rückkehr der verlorenen Fabriken
Anschließend wandte sich Trumpius dem liebsten Bösewicht jedes imperialen Wirtschaftsdramas zu: dem Ausland.
Jahrzehntelang, erklärte Caesar, hätten frühere Herrscher Amerikas industrielle Stärke an fremde Reiche verschenkt, vermutlich in schlecht beleuchteten Hinterzimmern gegen billige Toaster und zweifelhafte Handelsabkommen.
Doch nun kehrten die Fabriken heim.
Unternehmen investierten angeblich Billionen, mehr als 900.000 amerikanische Arbeitsplätze seien geschaffen worden, und die industrielle Produktion marschiere seit sechs Monaten in Formation vorwärts.
Verantwortlich dafür seien selbstverständlich die gewaltigen Tariffae Protectoriae Trumpianae – die kaiserlichen Schutzzölle, welche amerikanische Arbeiter vor unfairer Konkurrenz abschirmten.
Der Imperator erklärte dabei vorsichtshalber nicht ausführlich, wer Zölle am Ende wirtschaftlich tatsächlich bezahlt. Solche Details gelten im Palast als sogenannte „ökonomische Fußnoten“ und könnten den dramatischen Klang der Fanfaren beeinträchtigen.
Visum Barbaricum H-1B
Auch das Thema Arbeitsmigration wurde feierlich auf die Tagesordnung gehoben.
Trumpius kündigte eine neue Gebühr auf sogenannte H-1B-Visa Barbarica an. Unternehmen sollten künftig stärker überlegen, ob sie nicht zunächst qualifizierte Amerikaner einstellen könnten, bevor sie jenseits der Reichsgrenzen nach Arbeitskräften suchten.
Der kaiserliche Gedanke war ebenso einfach wie monumental:
America First. Bewerbungsunterlagen aus Übersee später.
Die Personalabteilungen des Imperiums reagierten darauf vermutlich mit der traditionellen römischen Zeremonie des hektischen Excel-Öffnens.
Das Zeitalter der goldenen Werkbank
Schließlich erklärte Trumpius Caesar, Amerika trete nun in eine „kühne neue Ära“ der Produktion, Innovation und Prosperität ein.
Fabriken würden entstehen.
Technologien würden entwickelt.
Automobilwerke würden gebaut.
Arbeiter würden arbeiten.
Und Trumpius würde selbstverständlich verkünden, dass all dies exakt so eingetreten sei, wie Trumpius es vorhergesehen hatte.
Denn im Imperium Trumpianum besitzt jeder wirtschaftliche Aufschwung zwei unverzichtbare Bestandteile:
Menschen, die ihn erwirtschaften.
Und einen Imperator, der ihn eröffnet.
Zum Abschluss erhob Trumpius Caesar seine goldene Feder und verkündete kraft der Verfassung, der Gesetze und vermutlich auch der Zustimmung sämtlicher anwesenden Adler:
Der 7. September 2026 sei Labor Day.
Alle Beamten, Bürger, Senatoren, Fabrikanten, Mechaniker, Lastwagenfahrer, Schweißer, Programmierer, Handwerker und sonstigen Legionäre der amerikanischen Wirtschaft seien aufgerufen, diesen Tag würdig zu begehen.
Mit Feiern.
Mit Zeremonien.
Mit Grillgut.
Und möglichst ohne dienstliche E-Mails.
So wurde es geschrieben am vierten Tage des Septembrius, im 251. Jahre der amerikanischen Unabhängigkeit.
Unterzeichnet:
DONALDUS J. TRUMPIUS CAESAR MAXIMUS
Imperator Laboris, Protector Manufacturae, Dominus Tariffarum
und selbsternannter Ehrenvorsitzender sämtlicher amerikanischer Werkbänke.

