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Trumpius Caesar erklärt Canada zum Einkaufsfeind

16. September 2026  ·  admin  ·  4 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar jagt das kanadische Ahornblatt
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Im Aureum Palatium zu Washingtonia wurde erneut Weltgeschichte geschrieben. Sehr große Weltgeschichte. Wahrscheinlich die größte Weltgeschichte seit gestern Nachmittag.

Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Imperator der Vereinigten Provinzen von America Prima, Bezwinger widerspenstiger Handelsbilanzen, Protektor patriotischer Büroklammern und selbsternannter Erfinder der Gegenseitigkeit, hat ein neues kaiserliches Problem entdeckt:

Canada kauft zu kanadisch.

Ein Vorgang von solcher Ungeheuerlichkeit, dass im Palatium vermutlich sofort mehrere vergoldete Alarmglocken gleichzeitig läuteten.

Denn während „Buy American“ selbstverständlich vernünftiger Patriotismus ist, gilt „Buy Canadian“ plötzlich als unfairer Handelsangriff aus dem hohen Norden.

Im Trumpius-Imperium nennt man das nicht Doppelmoral.

Man nennt es asymmetrisch majestätische Fairness.

Operation Ahornblatt-Exorzismus

Per Präsidialmemorandum befahl Trumpius Caesar seinen Untergebenen nun, das zivile Beschaffungswesen des Reiches nach kanadischen Produkten zu durchsuchen.

Nicht nur Autos.

Nicht nur Maschinen.

Alles.

Ahornsirup im Behördenkühlschrank?

Wirtschaftliche Unterwanderung.

Kopierpapier aus Québec?

Strategische Abhängigkeit.

Ein ergonomischer Bürostuhl aus Ontario?

Beinahe schon ein Angriff auf die nationale Sicherheit des amerikanischen Rückens.

Sogar ein Kugelschreiber aus Toronto könnte bald unter Generalverdacht stehen, schließlich weiß niemand, ob er am Ende vielleicht „Sorry“ statt „America First“ schreibt.

Der kaiserliche Haushaltspräfekt Budgetius Maximus Calculatus, der Handelslegat Mercator Ultimatus und das ehrwürdige Consilium Procurementum Supremum sollen nun ermitteln, welche kanadischen Waren aus den Einkaufslisten des Imperiums verschwinden können.

Die Botschaft ist klar:

Wer America nicht bevorzugt, verliert das Privileg, von America bevorzugt zu werden.

Eine revolutionäre Idee, die ungefähr so neu ist wie eine Drehtür.

Nur goldener.

Canada begeht das Verbrechen, Canada zu sein

Besonders empört zeigt sich das Palatium über kanadische Provinzen, die bei öffentlichen Aufträgen kanadische Produkte bevorzugen.

Ja.

Kanadische Provinzen.

Bevorzugen kanadische Produkte.

In Canada.

Für Trumpius Caesar ist das offenbar ungefähr so schockierend wie die Entdeckung, dass Frankreich französischen Käse verkauft.

Dabei verfügt das Imperium seit Jahren selbst über eine ausgeprägte Tradition des „Buy American“.

Doch das ist selbstverständlich etwas völlig anderes.

Wenn America heimische Produkte bevorzugt, schützt es Arbeiter.

Wenn Canada heimische Produkte bevorzugt, diskriminiert es America.

So funktioniert die Lex Trumpius Internationalis:

Regel eins: America darf.

Regel zwei: Andere dürfen auch.

Regel drei: Sie sollten es besser nicht tun.

Das größte Handelsgenie seit dem Tauschhandel

Natürlich darf in keiner kaiserlichen Verlautbarung fehlen, dass Trumpius Caesar persönlich nahezu sämtliche wirtschaftlichen Erfolge des bekannten Universums ermöglicht habe.

Arbeitsplätze?

Trumpius.

Fabriken?

Trumpius.

Investitionen?

Trumpius.

Wahrscheinlich würde selbst eine neue Pommesbude in Ohio irgendwann als Beleg dafür gelten, dass der Caesar die globale Lieferkette neu erfunden hat.

Das Palatium verweist auf Investitionen, Zölle, Produktionsverlagerungen und angeblich neu erschlossene Märkte. Im imperialen Narrativ ist praktisch jeder Handelsstrom entweder persönlicher Triumph des Caesar oder perfider Betrug anderer Nationen.

Eine neutrale Kategorie scheint nicht vorgesehen.

Handelsdefizit?

Verrat.

Handelsüberschuss?

Genie.

Import?

Verdächtig.

Export?

Patriotismus mit Rechnung.

Auch USMCA bekommt den Caesar-Test

Selbst das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA, das Trumpius einst mit der Begeisterung eines Mannes präsentierte, der gerade persönlich den Welthandel erfunden hatte, genügt nun offenbar nicht mehr.

Es sei nicht vorteilhaft genug.

Das ist bemerkenswert.

Denn im Trumpius-Imperium durchlaufen Verträge einen einfachen Lebenszyklus:

Zuerst sind sie historisch.

Dann großartig.

Dann das beste Abkommen aller Zeiten.

Und einige Jahre später offenbar plötzlich dringend reparaturbedürftig.

Das ist kein Widerspruch.

Das ist imperiale Produktpflege.

Version 1.0: perfekt.

Version 2.0: noch perfekter.

Version 3.0: Schuld der anderen.

Der Zollhammer des Jupiter Trumpius

Auch Zölle bleiben eines der bevorzugten Instrumente des Caesar.

Denn wo normale Regierungen Verhandlungen sehen, erkennt Trumpius eine Gelegenheit, irgendwo einen Prozentsatz draufzuschlagen.

Der Zollhammer liegt stets griffbereit neben der goldenen Unterschriftenmappe.

Canada exportiert Milch?

Zoll.

Autos?

Zoll.

Alkohol?

Zoll.

Kanadische Höflichkeit?

Vermutlich noch in Prüfung.

Die Philosophie dahinter ist elegant in ihrer Schlichtheit:

Wenn eine Ware zu billig ist, macht man sie teurer.

Wenn sie danach teurer ist, erklärt man den Preisunterschied zum Sieg.

Ökonomie kann so einfach sein, wenn man sämtliche Nebenwirkungen aus der Pressemitteilung entfernt.

Procurementum non gratum

Mit dem neuen Memorandum erreicht die Handelspolitik nun ihre vielleicht reinste Trumpius-Form:

Geopolitik durch Warenkorbkontrolle.

Künftig könnte irgendwo in einer amerikanischen Behörde ein Beschaffer vor einem Drucker stehen und fragen:

„Wo wurde der hergestellt?“

„Canada.“

Stille.

Dann ertönt imaginär eine römische Kriegstrompete.

NON GRATUM PROCUREMENTUM.

Der Drucker wird entfernt.

Die Freiheit ist gerettet.

Die Republik atmet auf.

Und Trumpius Caesar kann sich in seinem goldgerahmten Spiegel erneut versichern, dass noch nie ein Herrscher mutiger gegen fremdländische Heftgeräte gekämpft hat.

Gegenseitigkeit nach Trumpius-Art

Offiziell heißt das Ganze „Reciprocity“.

Gegenseitigkeit.

Im Wörterbuch bedeutet das ungefähr: vergleichbare Behandlung auf beiden Seiten.

Im Trumpius-Lexikon lautet die Definition offenbar:

„Ihr behandelt uns exakt so, wie wir behandelt werden möchten, und wir behandeln euch exakt so, wie wir gerade Lust haben.“

Das ist natürlich etwas länger.

Deshalb sagt das Palatium einfach:

America First.

Und Canada darf sich glücklich schätzen, überhaupt noch auf der Landkarte erwähnt zu werden.

Denn Donaldus Trumpius Maximus Caesar hat gesprochen.

Der Handel soll fair sein.

Und fair ist, was Trumpius gefällt.

Alles andere ist kanadisch.

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