IMPERIUM TRUMPIUS – 15. September 2026
Vor genau einem Jahr blickte Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Bezwinger der Realität, Erster Statistiker des Imperiums und ungekrönter Weltmeister im Eigenlob, von seinem goldenen Balkon auf Memphisia und erkannte sofort, was offenbar jahrzehntelang niemand verstanden hatte:
Kriminalität war da.
Also beschloss Trumpius, sie abzuschaffen.
Nicht mit einem komplizierten Mix aus Polizeiarbeit, Prävention, Sozialpolitik, Justiz, kommunalen Maßnahmen, wirtschaftlicher Entwicklung und langfristigen Trends.
Nein.
Mit Trumpius.
Denn wenn Donaldus Trumpius eines weiß, dann dies: Wo ein Problem existiert, fehlt meistens nur sein Name in ausreichend großen goldenen Buchstaben.
Also gründete der Imperator die Legio Securitas Memphisia, versammelte mehr als dreißig Behörden und ließ die kaiserlichen Schreiber bereits vorsorglich Triumphmeldungen entwerfen. Man weiß schließlich nie, wann eine Statistik dringend einen Eigentümer braucht.
Ein Jahr später verkündet der Weiße Palast nun das große Wunder:
Die Kriminalität ist gesunken.
Und damit steht nach imperialer Logik zweifelsfrei fest:
Trumpius hat persönlich jeden Autodiebstahl verhindert, jeden Räuber erschreckt und vermutlich mehrere Verbrecher allein durch besonders entschlossenes Stirnrunzeln zur Aufgabe bewegt.
Die Gesamtkriminalität sank deutlich. Mordfälle gingen zurück. Raubüberfälle wurden weniger. Fahrzeugdiebstähle brachen stark ein. Ladendiebstähle nahmen ab. Auch schwere Körperverletzungen und andere Delikte entwickelten sich günstiger.
Normale Regierungen würden nun vermutlich von einer erfreulichen Entwicklung sprechen.
Trumpius hingegen benötigt dafür ungefähr drei Fanfaren, zwölf Adjektive und einen Triumphbogen.
Statistica Trumpiana: Zahlen gehören dem Kaiser
Im Trumpius-Imperium haben Zahlen eine einfache Aufgabe: Sie müssen ihrem Herrscher gefallen.
Sind sie gut, sind sie Beweis seiner Genialität.
Sind sie schlecht, wurden sie von Demokraten manipuliert.
Sind sie kompliziert, werden sie so lange vereinfacht, bis Trumpius darauf Platz findet.
Der Palast verkündet Tausende Festnahmen, zahlreiche beschlagnahmte illegale Waffen und die Wiederauffindung vermisster Kinder. Gerade Letzteres ist eine echte und wichtige gute Nachricht.
Doch kaum erscheint eine positive Zahl am Horizont, springt Donaldus Trumpius bereits darauf wie ein römischer Kaiser auf einen herrenlosen Streitwagen.
„Das war ich!“, ruft er sinngemäß.
Polizisten?
Trumpius.
Staatsanwälte?
Trumpius.
Lokale Behörden?
Auch Trumpius.
Sozialarbeiter?
Wahrscheinlich Trumpius mit anderer Frisur.
Selbst statistische Langzeittrends dürften im Weißen Palast inzwischen als Unterabteilung des kaiserlichen persönlichen Erfolgsministeriums geführt werden.
Vergangenheit? Praktischerweise ebenfalls Trumpius
Besonders hübsch wird die Hofchronik, wenn sie erwähnt, dass die Kriminalität bereits im Vorjahr deutlich zurückgegangen war.
Das könnte einen unvorsichtigen Beobachter zu der Frage verleiten, ob gesellschaftliche Entwicklungen womöglich komplexer sind als ein einzelner Präsident mit goldener Krawatte.
Diese Frage ist im Imperium jedoch strengstens verboten.
Denn Trumpius hat dafür die Lex Causalis Trumpiana geschaffen:
§ 1: Geschieht etwas Gutes während der Herrschaft des Kaisers, war es der Kaiser.
§ 2: Geschah etwas Gutes bereits vorher, war es vermutlich eine Vorwirkung des Kaisers.
§ 3: Geschieht etwas Schlechtes während der Herrschaft des Kaisers, sind Vorgänger, Demokraten, Gouverneure, Richter, Medien, Ausländer oder ungünstige Planetenstellungen verantwortlich.
§ 4: Statistische Korrelation gilt automatisch als göttliche Kausalität, sofern Trumpius davon profitiert.
Ein erstaunlich effizientes Regierungssystem.
Es spart Forschung.
Der Kaiser entdeckt die Polizei
Laut Palast habe Trumpius „Recht und Ordnung wiederhergestellt“.
Eine bemerkenswerte Formulierung.
Sie klingt ein wenig so, als habe vor seinem Erscheinen niemand in Memphis gewusst, dass Mord, Raub und illegaler Waffenbesitz möglicherweise gesellschaftlich unerwünscht sind.
Dann kam Trumpius.
Er betrachtete eine Polizeiwache.
Zeigte darauf.
Und sagte vermutlich:
„Habt ihr schon einmal versucht, Verbrecher festzunehmen?“
Stille.
Dann grenzenlose Bewunderung.
Dreißig Behörden schrieben mit.
Niedergang ist eine Entscheidung – Erfolg natürlich auch
Der Palast zieht schließlich die große philosophische Lehre aus der Entwicklung:
„Decline is a choice.“
Niedergang sei eine Entscheidung.
Ein wunderschöner Satz.
Vor allem für jemanden, der jede komplexe gesellschaftliche Entwicklung gern auf die intellektuelle Tiefe eines Autoaufklebers reduziert.
Nach derselben Logik könnten Krankenhäuser künftig Krankheiten per Dekret abschaffen:
„Fieber ist eine Entscheidung.“
Oder Verkehrsminister Staus:
„Stillstand ist eine Entscheidung.“
Und Finanzminister Inflation:
„Teure Butter ist eine persönliche Charakterschwäche.“
Im Reich Trumpius wird Politik endlich wunderbar einfach.
Das Gute entscheidet Trumpius.
Das Schlechte entscheiden andere.
Triumphus Maximus
Und so steht Donaldus Trumpius Maximus Caesar nun gedanklich auf dem größten Balkon von Memphisia, trägt eine imaginäre Lorbeerkrone und erklärt sich selbst zum Bezwinger des amerikanischen Verbrechens.
Hinter ihm arbeiten Tausende Polizisten, Ermittler, Staatsanwälte, Verwaltungsmitarbeiter und lokale Institutionen.
Vor ihm liegen jahrelange gesellschaftliche Entwicklungen, statistische Trends und komplizierte Ursachen.
Doch Trumpius sieht nur eines:
einen Spiegel.
Darin erkennt er den wahren Helden.
Sich selbst.
Ein Hofschreiber wagt schließlich die Frage:
„Caesar, sollten wir vielleicht erwähnen, dass Kriminalitätsentwicklung viele Ursachen hat und nicht jeder Rückgang automatisch auf eine einzelne politische Maßnahme zurückzuführen ist?“
Trumpius blickt ihn verwundert an.
„Viele Ursachen?“
Der Hofschreiber nickt.
„Majestät.“
Trumpius denkt kurz nach.
Dann spricht er:
„Schreibt größer: TRUMPIUS.“
Denn das ist die wahre Kunst seiner Regierung.
Nicht jedes Problem zu lösen.
Sondern jeden Erfolg rechtzeitig zu annektieren.

