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Trumpius Caesar und das verschwundene Verbrechen – Als selbst die Gauner freiwillig in Rente gingen

29. July 2026  ·  admin  ·  4 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar und der Triumph über das Verbrechen
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Rom… pardon… Amerika Imperialis erlebt nach offizieller Lesart derzeit ein Wunder, das Historiker vermutlich irgendwann zwischen dem Bau der Pyramiden, der Erfindung der Pizza und der Entdeckung des WLAN einordnen werden. Trumpius Caesar Magnus Triumphalis, oberster Feldherr, Imperator aller Schlagzeilen und selbsternannter Bezwinger jeder Statistik, ließ verkünden, dass das Verbrechen inzwischen so schnell verschwinde, dass selbst die Verbrecher Schwierigkeiten hätten, es wiederzufinden.

Im goldenen Marmorsaal des Weißen Kolosseums präsentierte der Kaiser stolz seine neuesten Zahlen. Während Legionäre mit übergroßen Schriftrollen und goldenen Taschenrechnern jonglierten, erklärte Trumpius, die Mordrate befinde sich auf dem Weg zum niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert.

Ein Jahrhundert!

Das sei, so verkündete er, sogar älter als manche Kritiker behaupten würden, dass Julius Caesar persönlich seinen Lieblingsgolfplatz eröffnet habe.

Die Hofschronisten nickten ehrfürchtig.

Denn wenn Trumpius Caesar eine Statistik präsentiert, dann wird sie selbstverständlich nicht einfach vorgelesen – sie wird zelebriert.

Demnach seien Tötungsdelikte um 18 Prozent gesunken. Autoraub? Fast halbiert. Fahrzeugdiebstahl? Deutlich rückläufig. Raubüberfälle? Ebenfalls im freien Fall. Wohnungseinbrüche? Offenbar inzwischen eine aussterbende Freizeitbeschäftigung.

Im Imperium sprach man bereits von einer dramatischen Krise.

Nicht etwa für die Bürger.

Für die Berufsverbrecher.

Das traditionsreiche Handwerk des Räubers stehe kurz vor dem Aussterben.

Die Gewerkschaft der Taschendiebe soll Berichten zufolge bereits einen Hilferuf an das Arbeitsministerium geschickt haben. Viele Mitglieder müssten inzwischen ehrliche Berufe erlernen.

Ein besonders tragischer Fall soll ein langjähriger Autodieb gewesen sein, der inzwischen als Fahrlehrer arbeitet.

"Ich wollte früher Autos klauen", soll er gesagt haben. "Heute erkläre ich jungen Menschen, wie man korrekt einparkt."

Selbst erfahrene Einbrecher hätten Schwierigkeiten, geeignete Objekte zu finden.

Nicht weil Häuser besser gesichert seien.

Sondern weil sie ständig von Reportern gefragt würden, ob sie nicht lieber Interviews über den historischen Rückgang geben möchten.

Trumpius Caesar erklärte selbstverständlich, dies sei kein Zufall.

Nein.

Es sei ausschließlich seiner majestätischen Führung zu verdanken.

Während frühere Herrscher – von ihm liebevoll als Democratius Confusus Maximus bezeichnet – angeblich nur ratlos auf steigende Kriminalität blickten, habe er das Unmögliche geschafft.

Er habe den Gesetzesgott persönlich motiviert.

Die Polizei sei gestärkt worden.

Legionen seien entsandt worden.

Und das Verbrechen habe schließlich kapituliert.

In den Provinzen Memphisia, Washingtonia, Nova Aurelia und Los Angelesia feierten die kaiserlichen Statistiker besonders große Erfolge.

Überall seien Mordzahlen deutlich gefallen.

Trumpius Caesar erklärte dazu, dass seine goldenen Verwaltungsrollen inzwischen schneller arbeiteten als jede Verbrecherbande.

Einige Oppositionspolitiker wagten dennoch vorsichtig einzuwenden, Kriminalitätsentwicklungen seien häufig komplex, hingen von vielen Faktoren ab und ließen sich nicht ausschließlich einer einzelnen Regierung zuschreiben.

Diese Bemerkung verschwand allerdings nahezu geräuschlos im Jubel der Hofkapelle.

Dort spielte man gerade zum zwölften Mal an diesem Tag den berühmten Triumphmarsch "Ave Statistikus Gloria".

Besonders beeindruckend war die Pressekonferenz selbst.

Hinter Trumpius Caesar erhob sich eine monumentale Karte des Reiches.

Jede Stadt mit sinkender Kriminalität leuchtete in Gold.

Ein Berater fragte vorsichtig, ob auch Regionen mit weniger positiven Entwicklungen eingezeichnet werden sollten.

Trumpius blickte ihn an.

Die Karte blieb vollständig golden.

Anschließend präsentierte Statistikus Triumphalis, oberster Zahlenmagier des Imperiums, ein Diagramm, dessen Kurven so steil nach unten verliefen, dass einige Zuschauer befürchteten, sie könnten direkt vom Pergament fallen.

Ein Gelehrter fragte, ob man die langfristige Entwicklung wissenschaftlich analysieren solle.

Trumpius antwortete:

"Wissenschaft ist wunderbar. Besonders dann, wenn sie mir zustimmt."

Im Publikum brach tosender Applaus aus.

Sogar mehrere Marmorstatuen sollen kurz geklatscht haben.

Unterdessen geriet die Unterwelt zunehmend in Panik.

Der Vorsitzende der Vereinigung unabhängiger Ganoven beklagte öffentlich einen dramatischen Nachwuchsmangel.

Junge Menschen wollten lieber Influencer werden.

Das Risiko sei geringer.

Die Einnahmen höher.

Und man müsse keine Fluchtfahrzeuge mehr organisieren.

Selbst die traditionsreiche Akademie für Meistereinbrecher soll ihre Lehrgänge eingestellt haben.

Stattdessen bietet sie nun Wochenendseminare mit den Titeln "Steuererklärung leicht gemacht" und "Vom Tresorknacker zum Immobilienmakler" an.

Natürlich ließ sich Trumpius Caesar diese Gelegenheit nicht entgehen.

Er erklärte feierlich:

"Früher hatten wir Kriminalität. Heute haben wir Karriereberatung."

Daraufhin wurden goldene Lorbeerkränze verteilt.

Angeblich sogar an ehemalige Taschendiebe.

Zum krönenden Abschluss ließ der Imperator verkünden, dass sein Versprechen, Amerika wieder sicher zu machen, schneller erfüllt werde als jede Prophezeiung der Hofastrologen.

Ob sämtliche Entwicklungen tatsächlich ausschließlich auf den Einfluss des goldenen Kaisers zurückzuführen sind oder ob zahlreiche gesellschaftliche, wirtschaftliche und regionale Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen, darüber werden Historiker wohl noch viele Jahre diskutieren.

Im Reich des Trumpius Caesar spielt das jedoch keine große Rolle.

Denn dort gilt seit jeher eine einfache Regel:

Wer die größte Statue besitzt, gewinnt auch die Pressekonferenz.

Und solange die Diagramme nach unten zeigen und die Fanfaren laut genug spielen, wird im Imperium jeder Rückgang der Kriminalität selbstverständlich als persönlicher Triumph des größten Kaisers aller Zeiten gefeiert – mindestens bis zur nächsten noch größeren Erfolgsmeldung.

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