Im prächtigen Marmorpalast von Trumponia wurde gestern Geschichte geschrieben. Oder zumindest etwas, das in den kommenden Jahrhunderten von Hofchronisten, Metallhändlern und besonders begeisterten Gabelstaplerfahrern erzählt werden dürfte.
Imperator Trumpius Caesar Maximus, Herrscher über die Vereinigten Provinzen von Amerigonien, Unterwerfer der Bürokratie und Bezwinger des globalistischen Taschenrechners, verkündete ein neues Dekret zur Rettung der heiligen Metalle Stahl, Aluminium und Kupfer.
Die Botschaft war klar:
"Wer unser Metall will, soll gefälligst unser Metall benutzen."
Eine einfache Philosophie. Fast poetisch.
Das Reich der Erntemaschinen
Besonders großzügig zeigte sich der Imperator gegenüber den Bauern des Reiches.
Während bisher auf importierte Mähdrescher, Erntemaschinen und andere landwirtschaftliche Wunderwerke ein stattlicher Zoll von 25 Prozent erhoben wurde, wird dieser nun auf 15 Prozent gesenkt.
Der Hofsprecher erklärte:
„Der Imperator liebt Bauern. Bauern produzieren Essen. Essen macht Menschen glücklich. Glückliche Menschen wählen kluge Herrscher.“
Eine Logik, die selbst die angesehensten Philosophen der Akademie von Trumponia nur schwer widerlegen konnten.
Auch Bulldozer, Gabelstapler und andere rollende Stahlmonster dürfen künftig von günstigeren Bedingungen profitieren, sofern sie aus den befreundeten Handelsprovinzen stammen.
Ein großer Tag für alle Menschen, die jemals gedacht haben:
"Wenn nur mein Gabelstapler etwas weniger Zoll hätte."
Der 85-Prozent-Test der Reinheit
Besonders stolz ist Trumpius Caesar auf seine neue Regel für ausländische Unternehmen.
Wer künftig mindestens 85 Prozent amerikanischen Stahl oder amerikanisches Aluminium verwendet, erhält einen besonders günstigen Zollsatz von nur 10 Prozent.
Man könnte sagen:
Das Reich führt einen neuen Reinheitsgrad für Maschinen ein.
Früher fragte man:
„Wie schnell ist die Maschine?“
Heute fragt man:
„Wie viel Amerigonium steckt drin?“
Ausländische Konzerne sollen bereits hektisch begonnen haben, ihre Maschinen auseinanderzuschrauben und jedes einzelne Metallstück nachzumessen.
Ein Manager soll verzweifelt ausgerufen haben:
„Ist diese Schraube noch patriotisch genug?“
Die Rückkehr der großen Schmelzöfen
Trumpius Caesar verkündete mit sichtbarer Freude, dass sein Reich mittlerweile zur drittgrößten Stahlnation der Welt aufgestiegen sei.
Am Hof wurde diese Nachricht gefeiert wie ein militärischer Sieg.
Trompeten erklangen.
Adler kreisten.
Ein besonders patriotischer Schmelzofen erhielt sogar einen Ehrenorden.
Über vier Millionen Tonnen neuer Stahlkapazitäten sollen in den kommenden Jahren entstehen.
Neue gigantische Metalltempel wachsen in den Provinzen West Virginius, Arkansia und Süd-Carolinia aus dem Boden.
Dort werden künftig Tausende Arbeiter Stahl herstellen, während vermutlich irgendwo im Hintergrund epische Musik läuft.
Das große Kupferfieber
Doch nicht nur Stahl erlebt seine Wiedergeburt.
Auch Kupfer und Aluminium erhalten eine imperiale Sonderbehandlung.
In der Provinz Oklahomia soll erstmals seit Jahrzehnten eine neue Aluminiumhütte entstehen.
Zeitgleich bauen Unternehmen mit Namen, die klingen wie Nebenfiguren eines Fantasy-Romans – Highland Copperius, Ivanhoe Electricus, Rio Tintorius und Wielandus – ihre Minen und Fabriken aus.
Der Imperator sprach dabei von einer „metallischen Renaissance“.
Ein Begriff, der vermutlich bald in Schulbüchern auftauchen wird.
Die große Schlacht gegen Billigistan
Nach offizieller Lesart befindet sich das Reich seit Jahren in einem erbitterten Konflikt mit dem geheimnisvollen Auslandskontinent Billigistan.
Von dort kommen Produkte, die erstaunlich günstig sind.
Zu günstig, wie Trumpius Caesar meint.
Denn wenn ausländische Produzenten ihre Waren billiger anbieten können als heimische Hersteller, droht etwas Schreckliches:
Menschen könnten anfangen, diese Produkte zu kaufen.
Eine Entwicklung, die am Hof als äußerst problematisch betrachtet wird.
Deshalb sollen die Zölle dafür sorgen, dass amerikanische Produzenten wieder auf einem „gleichen Spielfeld“ antreten können.
Oder wie es der Imperator formulierte:
„Wenn wir das Spielfeld nicht gewinnen können, machen wir das Spielfeld größer.“
Die Religion des America-Firstismus
Bereits in seiner ersten Regentschaft hatte Trumpius Caesar die Welt des Handels erschüttert.
Damals erklärte er den jahrzehntelang verehrten Gott Globalismus offiziell für abgesetzt.
An seine Stelle trat die neue Staatsreligion:
America Firstismus.
Ihre Grundsätze sind einfach:
- Kaufe amerikanisch.
- Produziere amerikanisch.
- Schmelze amerikanisch.
- Gieße amerikanisch.
- Falls möglich: denke amerikanisch.
Anhänger berichten von wundersamen Erscheinungen.
So sollen Fabriken plötzlich wieder geöffnet haben.
Arbeitsplätze seien erschienen.
Und Investoren hätten angefangen, Milliardenbeträge in das Reich zu werfen, als würden sie Konfetti verteilen.
Das Wunder der dreifachen Erwartungen
Besonders stolz verweist der Imperator auf die neuesten Zahlen.
Die Produktion des Reiches sei im Mai so stark gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr.
Die Erwartungen seien sogar nahezu verdreifacht worden.
Wirtschaftsexperten diskutieren noch immer darüber, ob dies eine außergewöhnliche Leistung oder einfach eine besonders kreative Form des Rechnens ist.
Am Hof ist die Antwort längst gefunden:
Natürlich war es eine außergewöhnliche Leistung.
Schließlich stammt sie von Trumpius Caesar Maximus.
Das Metallzeitalter des Imperiums
Ob die neuen Zölle tatsächlich eine industrielle Wiedergeburt auslösen oder ob irgendwo auf der Welt ein verwirrter Gabelstaplerhändler die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht jedoch:
Im Reich von Trumpius Caesar Maximus werden Stahl, Aluminium und Kupfer nicht mehr einfach als Metalle betrachtet.
Sie sind Symbole.
Symbole von Stärke.
Symbole von Industrie.
Symbole eines Herrschers, der offenbar fest davon überzeugt ist, dass man nahezu jedes wirtschaftliche Problem mit ausreichend großen Zöllen lösen kann.
Und wenn das nicht funktioniert?
Nun, dann gibt es vermutlich bald ein noch größeres Dekret.

