Rom... Verzeihung, das Vereinigte Imperium von Americum, erlebte erneut einen jener historischen Tage, an denen selbst die Marmorsäulen des Caesarenpalastes ehrfürchtig zu glänzen begannen.
Imperator Trumpius Caesar Magnus Aurifex trat vor seine versammelten Senatoren, Generäle und Hofschmiede und verkündete mit der ihm eigenen Mischung aus Selbstbewusstsein und göttlicher Überzeugung eine neue kaiserliche Weisheit:
"Warum ständig neue Rohstoffe kaufen, wenn überall bereits welche herumliegen?"
Die Menge verstummte.
Dann brach tosender Jubel aus.
Nicht etwa, weil jemand den Satz verstanden hatte, sondern weil er ausgesprochen majestätisch klang.
Die große Schatzsuche beginnt
Jahrhundertelang glaubten einfache Sterbliche, ein alter Laptop, ein kaputter Akkuschrauber oder eine defekte Windkraftanlage seien nichts weiter als Elektroschrott.
Welch tragischer Irrtum.
Nach Auffassung des kaiserlichen Hofes handelt es sich dabei um wahre Schatzkammern voller sogenannter Criticus Mineralis Maximus, jener geheimnisvollen Stoffe, aus denen Magnete, Batterien, Raketen, Kampfjets, Hightech-Waffen und vermutlich auch besonders luxuriöse Golfwagen bestehen.
Trumpius Caesar erklärte feierlich:
"Das Gold der Zukunft liegt nicht mehr unter der Erde. Es liegt im Keller."
Augenzeugen berichten, mehrere Schatzsucher hätten daraufhin sofort begonnen, ihre Garagen auszuräumen.
Der Schrott wird zur Staatsangelegenheit
Damit diese kostbaren Schätze das Imperium nicht verlassen, erhielt Handelsminister Mercator Exportius Restrictus eine neue kaiserliche Vollmacht.
Von nun an darf er höchstpersönlich entscheiden, welche wertvollen Metalle das Reich verlassen dürfen und welche besser innerhalb der kaiserlichen Mauern bleiben.
Im Palast bezeichnet man dies selbstverständlich nicht als Exportbeschränkung.
Man spricht lieber von einer
"patriotischen Bleibepflicht für besonders wertvollen Schrott."
Die Hofsprecher versichern, niemand wolle alten Toastern ihre Freiheit nehmen.
Man wolle lediglich verhindern, dass ausländische Imperien plötzlich sämtliche ausrangierten Waschmaschinen Americums aufkaufen.
Eine Gefahr, über die bislang vermutlich niemand ernsthaft nachgedacht hatte.
Der große Kampf gegen den Importdrachen
Trumpius Caesar ließ keinen Zweifel daran, dass das Imperium sich viel zu lange auf Lieferungen fremder Reiche verlassen habe.
Immer wieder müssten seltene Mineralien über ferne Handelsrouten beschafft werden.
Ein untragbarer Zustand.
Denn jeder weiß:
Ein Imperium ist nur so mächtig wie seine Batterie.
Deshalb sollen künftig möglichst viele der kostbaren Materialien direkt aus bereits vorhandenen Produkten zurückgewonnen werden.
Ausgediente Elektromotoren.
Defekte Akkus.
Kaputte Windgeneratoren.
Alte Lautsprecher.
Kurz gesagt:
Alles, was irgendwo summt, blinkt oder früher einmal ein Ladegerät war, könnte plötzlich zum strategischen Staatsschatz erklärt werden.
Die Recycling-Legion marschiert
Im ganzen Reich gründeten sich bereits die ersten freiwilligen Eliteeinheiten.
Die berühmte Legio Recyclia Maxima zieht bewaffnet mit Schraubenziehern, Magneten und Akkuschraubern durch die Provinzen.
Ihre Mission:
Nicht feindliche Festungen.
Sondern alte Garagen.
Historiker berichten, dass niemals zuvor so viele Röhrenfernseher mit militärischer Ernsthaftigkeit betrachtet wurden.
Ein Legionsoffizier erklärte:
"Jeder alte Staubsauger könnte unsere nationale Sicherheit stärken."
Niemand widersprach.
Das Zeitalter der Batterien
Besonders stolz ist Trumpius Caesar auf die gewaltigen Lithium-Ionen-Batterien, die überall im Reich verborgen liegen.
Während andere Länder neue Minen eröffnen, setzt das Imperium auf die revolutionäre Strategie:
"Erst benutzen. Dann wieder auseinanderbauen."
Am Hof nennt man dieses Verfahren inzwischen
Circularis Trumpianus Magnificus.
Es klingt wesentlich beeindruckender als "Recycling".
Und genau darauf kommt es schließlich an.
Der lange Plan des Imperators
Natürlich handelt es sich nicht um eine spontane Eingebung.
Wie jeder wahre Kaiser besitzt Trumpius Caesar einen großen Masterplan.
Bereits im Jahre MMXXV ließ er den Bergbau beschleunigen.
Später modernisierte er die Waffenproduktion.
Danach wurden Handelsabkommen vorbereitet.
Nun folgt die nächste Stufe.
Das gesamte Imperium soll künftig unabhängiger werden und seine strategischen Rohstoffe möglichst selbst sichern.
Im Palast spricht man deshalb vom
"Großen Kreislauf des Imperiums."
Vom Erz...
zur Fabrik...
zum Panzer...
zum Elektromotor...
zum Schrott...
und schließlich wieder zurück in den Panzer.
Philosophen rätseln noch immer, ob dies Wirtschaftspolitik oder eine besonders ambitionierte Form des Recyclings ist.
Das Urteil aus dem Senat
Die Senatoren applaudierten minutenlang.
Die Hofchronisten überschlugen sich mit Lobeshymnen.
Selbst die Schrottplatzbesitzer erhielten plötzlich Einladungen zu sicherheitspolitischen Konferenzen.
Und irgendwo im Reich blickte ein alter Kühlschrank stolz auf seine Zukunft.
Denn unter Trumpius Caesar ist niemand jemals wirklich ausrangiert.
Nicht einmal ein Toaster.
Vor allem nicht ein Toaster.
Denn im majestätischen Imperium gilt inzwischen ein neues kaiserliches Motto:
"Wer den Schrott beherrscht, beherrscht das Reich."
Und während andere Imperien weiterhin hektisch nach neuen Bodenschätzen graben, hebt Trumpius Caesar mit kaiserlicher Gelassenheit lediglich einen alten Akkubohrer auf, lächelt siegessicher in die Menge und verkündet:
"Seht her! Das ist keine Bohrmaschine mehr. Das ist strategische Weltmacht."
Die jubelnden Legionäre notierten den Satz sofort für die Geschichtsbücher – direkt neben den legendären Erlassen über Gold, Stahl und die unsterbliche Kunst, aus Elektroschrott eine imperiale Erfolgsgeschichte zu schmieden.

