WASHINGTONIA, Hauptstadt des glorreichen Imperium Americanum. Während die Sonne golden über den Marmorsäulen des Weißen Kolosseums aufstieg und die Adler des Reiches ihre Kreise über den Verwaltungsbezirken zogen, trat Imperator Trumpius Caesar Maximus vor das Volk.
In seiner rechten Hand hielt er das Zepter der Exekutive. In seiner linken eine besonders schwere Schriftrolle, deren Gewicht angeblich allein aus den Beschwerden über unkündbare Bürokraten bestand.
„Volk von Americania!“, rief Trumpius mit donnernder Stimme. „Zu lange haben manche Beamten geglaubt, ihre Stühle seien heiliger als der Thron selbst!“
Die Menge jubelte.
Denn tief in den Katakomben der kaiserlichen Verwaltung existierte eine geheimnisvolle Kaste von Beamten. Man nannte sie die Unbeweglichen. Manche Legenden behaupteten, sie seien bereits vor der Erfindung des Computers eingestellt worden. Andere behaupteten, einige hätten ihren ersten Arbeitstag noch unter Kaiser Georgius Bushius dem Älteren begonnen.
Niemand wusste es genau.
Fest stand nur: Wer einmal einen dieser Amtsstühle besaß, schien ihn nie wieder verlassen zu müssen.
Selbst wenn Akten verschwanden.
Selbst wenn Projekte scheiterten.
Selbst wenn jemand versehentlich zwölf Jahre lang dieselbe E-Mail im Entwurf-Ordner liegen ließ.
Doch nun hatte Trumpius Caesar Maximus genug.
Mit seinem neuen Dekret erschuf er die legendäre Klasse „Schedule Policy/Career“ – auf Latein ungefähr übersetzt als: „Wer Politik beeinflusst, soll auch liefern.“
Die Grundidee war ebenso einfach wie revolutionär:
Wer wichtige politische Entscheidungen vorbereitet, beeinflusst oder kommentiert, soll weiterhin aufgrund seiner Fähigkeiten eingestellt werden.
Aber.
Wenn die Leistung schlechter wird als die Qualität einer römischen Straßenkarte aus gekochten Nudeln, dann soll auch eine Abberufung möglich sein.
„Eine unglaubliche Idee!“, erklärte Senator Magnificus Lobbius. „Fast schon verrückt. Verantwortung für Verantwortungsträger! Wer hätte das gedacht?“
Besonders betroffen waren zahlreiche hohe Verwaltungsbeamte.
In den Fluren der Ministerien brach hektische Aktivität aus.
Einige Mitarbeiter begannen plötzlich, ihre E-Mails zu beantworten.
Andere erschienen erstmals pünktlich zu Besprechungen.
Ein besonders engagierter Beamter wurde sogar dabei beobachtet, wie er freiwillig einen Bericht las, bevor er ihn genehmigte.
Historiker sprechen bereits vom Wunder von Bürokratia.
Doch Trumpius Caesar Maximus wollte nicht nur drohen.
Nein.
Er wollte auch belohnen.
Deshalb ordnete er an, dass herausragende Mitarbeiter künftig eigene Bonuszahlungen und sogar spezielle kaiserliche Auszeichnungen erhalten sollten.
Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell.
Innerhalb weniger Stunden stieg die Produktivität in einigen Behörden um mehrere Prozentpunkte.
In anderen Behörden wurde zumindest darüber diskutiert.
Und in ganz besonders traditionsreichen Ämtern wurde ein Arbeitskreis gegründet, um die Möglichkeit einer Diskussion über eine spätere Prüfung der Idee vorzubereiten.
Auch das galt bereits als Fortschritt.
Die Hohe Behörde für Personalwesen – geführt vom ehrwürdigen Bürokratius Personalis – erhielt den Auftrag, sämtliche Regeln des Reiches zu überarbeiten.
Dabei sollten besonders alte Vorschriften entfernt werden.
Einige dieser Regelwerke waren so alt, dass selbst die Archivare nicht mehr wussten, warum sie existierten.
Eine Richtlinie regelte angeblich noch die korrekte Verwendung von Durchschlagpapier.
Eine andere beschäftigte sich mit der Frage, ob Brieftauben dienstliche Mitteilungen transportieren dürfen.
Trumpius erklärte diese Vorschriften kurzerhand zu archäologischen Funden.
Doch die größte Aufregung entstand durch die berühmte Liste im Anhang des Dekrets.
Dort wurden Tausende hochrangige Stellen offiziell in die neue Kategorie überführt.
Binnen sieben Tagen mussten alle Betroffenen informiert werden.
In manchen Behörden führte dies zu Szenen von historischer Komik.
Manager fragten plötzlich nach Leistungskennzahlen.
Abteilungsleiter suchten hektisch nach Projektergebnissen.
Und ganze Stockwerke begannen fieberhaft zu prüfen, was sie eigentlich die letzten Jahre getan hatten.
Manche fanden Antworten.
Manche fanden nur alte Kantinenbons.
Die Gegner des Dekrets warnten vor dramatischen Folgen.
„Das könnte die Verwaltung verändern!“, riefen sie entsetzt.
Genau das schien allerdings die Absicht des Imperators gewesen zu sein.
Trumpius Caesar Maximus selbst blieb gelassen.
Vom Balkon seines Palastes aus blickte er auf die Hauptstadt.
„Die guten Beamten haben nichts zu befürchten“, erklärte er. „Sie werden ausgezeichnet. Die schlechten werden entdeckt. Die durchschnittlichen werden vermutlich ein Meeting darüber einberufen.“
Die Menge lachte.
Die Trompeten erklangen.
Die Adler erhoben sich erneut in den Himmel.
Und irgendwo tief in den Gängen der Verwaltung wurde vorsichtshalber begonnen, tatsächlich zu arbeiten.
Ein Ereignis, das nach Einschätzung führender Historiker mindestens ebenso selten war wie eine Steuererklärung, die auf Anhieb verstanden wird.
So endete der Tag, an dem Trumpius Caesar Maximus den legendären Feldzug gegen die ewigen Amtsstühle begann – und das Reich erfuhr, dass selbst die mächtigste Bürokratie plötzlich erstaunlich beweglich werden kann, wenn jemand anfängt, die Rollen unter den Schreibtischen zu überprüfen.

