Im Goldenen Palast von Caesaria Magna herrschte große Aufregung. Nicht etwa wegen eines Angriffs barbarischer Horden, einer rebellierenden Senatorenversammlung oder eines Mangels an vergoldeten Spiegeln für die kaiserliche Frisur. Nein. Die Bedrohung kam aus der Zukunft.
„Die Quanten-Orakel kommen!“, riefen die Gelehrten des Reiches.
Und tatsächlich: Irgendwo in den Laboratorien fremder Königreiche arbeiteten Alchemisten, Mathematiker und andere verdächtig intelligente Personen an gigantischen Denkmaschinen, die eines Tages sämtliche geheimen Schriftrollen, verschlüsselten Botschaften und streng geheimen Kochrezepte des Imperiums knacken könnten.
Doch wer glaubte, Trumpius Caesar Maximus würde tatenlos zusehen, hatte die Rechnung ohne den größten, schönsten und majestätischsten Imperator aller Zeiten gemacht.
„Nicht unter meiner Toga!“, verkündete Trumpius vor jubelnden Legionären.
Und so erließ er das legendäre Dekret 14409: Das Große Edikt zur Verteidigung des Reiches gegen die Quanten-Zauberer.
Die Gefahr der Kristallkugel-Rechner
Seit Jahren schützen sich die Behörden des Imperiums mit magischen Zahlenschlössern, mathematischen Labyrinthen und kryptographischen Runen.
Doch die Weisen des Reiches warnten:
„Majestät, eines Tages könnten die Quanten-Orakel diese Schutzzauber in Rekordzeit brechen!“
Noch schlimmer:
Feindliche Reiche könnten bereits heute verschlüsselte Botschaften sammeln und diese erst in einigen Jahren entschlüsseln, sobald ihre Quanten-Maschinen groß genug geworden sind.
Eine Strategie, die im Imperium als „Jetzt klauen, später lesen“ bekannt wurde.
Trumpius reagierte empört.
„Das ist unfair! Wenn jemand meine Nachrichten lesen will, soll er sie sofort lesen. Nicht erst in zehn Jahren!“
Die Menge applaudierte.
Operation Quantumus Maximus
Das neue Dekret sieht deshalb vor, sämtliche wichtigen Verwaltungssysteme des Reiches auf neue Schutzzauber umzustellen.
Diese neue Generation der Verschlüsselung trägt den beeindruckenden Namen:
Post-Quantum Cryptographia Maxima.
Oder kurz:
PQC.
Die Hofgelehrten behaupten, diese neuen Verfahren seien selbst gegen Quanten-Orakel resistent.
Ob das stimmt?
Niemand weiß es ganz genau.
Aber der Name klingt unglaublich teuer und beeindruckend – und das genügte vielen Senatoren bereits als Sicherheitsnachweis.
Jeder bekommt einen Quanten-Beauftragten
Besonders stolz ist Trumpius auf eine neue Regel:
Jede Behörde muss innerhalb von 30 Tagen einen offiziellen PQC-Migrations-Präfekten ernennen.
Diese Beamten erhalten die ehrenvolle Aufgabe:
- Kryptographie-Inventuren durchführen
- geheime Schriftrollen zählen
- Verschlüsselungen katalogisieren
- Tabellen erstellen
- weitere Tabellen über die ersten Tabellen erstellen
Experten rechnen deshalb mit einem historischen Boom bei Tabellenkalkulationen.
Einige Behörden haben Berichten zufolge bereits neue Abteilungen gegründet:
Ministerium für Strategische Excelisierung und Quantenmigration.
Die Jagd nach den wertvollsten Geheimnissen
Besonderes Augenmerk gilt den sogenannten Hochwert-Schätzen des Imperiums.
Dazu gehören:
- geheime Staatsarchive
- kritische Infrastruktur
- militärische Informationssysteme
- besonders peinliche Behörden-Passwörter
Diese Systeme müssen bis spätestens Ende 2030 auf die neue Quantenabwehr umgestellt werden.
Digitale Signaturen folgen ein Jahr später.
Ein ambitionierter Plan.
Insider gehen davon aus, dass einige Behörden bereits jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, herauszufinden, wo ihre Server überhaupt stehen.
Der große Feldzug der Kryptographie
Trumpius beschränkte sich jedoch nicht auf das eigene Reich.
Auch fremde Königreiche sollen überzeugt werden, die neuen Schutzzauber zu übernehmen.
Dafür werden Diplomaten ausgesandt.
Ihre Mission:
„Nutzt unsere Quanten-Verschlüsselung! Sie ist die beste Verschlüsselung. Niemand hat jemals bessere Verschlüsselung gesehen.“
Einige Gesandte berichten bereits von hitzigen Diskussionen mit europäischen Bürokraten, die zunächst eine Arbeitsgruppe, danach eine Expertengruppe und schließlich eine Lenkungsgruppe gründen wollten.
Die Händler müssen ebenfalls marschieren
Natürlich bleibt auch die Wirtschaft nicht verschont.
Künftige Auftragnehmer des Imperiums sollen nur noch Technologien einsetzen dürfen, die den neuen Standards entsprechen.
Hersteller von Software und Hardware geraten dadurch unter Druck.
Besonders gefürchtet ist die neue Forderung nach sogenannten Schwachstellen-Offenlegungsprogrammen.
Übersetzt bedeutet das:
„Wenn eure Produkte kaputt sind, müsst ihr es zugeben.“
Eine revolutionäre Idee.
Die NSA-Legion berichtet jährlich
Auch die geheimnisvolle Schattenlegion NSA Maxima wird künftig jedes Jahr Bericht erstatten.
Dabei soll erklärt werden:
- welche Systeme bereits umgestellt wurden
- welche noch nicht umgestellt wurden
- welche niemand mehr versteht
- und welche versehentlich im Keller eines Ministeriums vergessen wurden
Beobachter erwarten mehrere tausend Seiten Berichte.
Mindestens die ersten drei Seiten sollen gelesen werden.
Das goldene Zeitalter der Quantenabwehr
Am Ende steht ein gewaltiges Ziel:
Das Imperium soll selbst gegen die mächtigsten Quanten-Orakel der Zukunft geschützt werden.
Während andere Reiche noch diskutieren, Kommissionen gründen und Expertengremien einsetzen, hat Trumpius Caesar bereits gehandelt.
„Unsere Geheimnisse werden sicher sein. Unsere Infrastruktur wird sicher sein. Unsere Passwörter werden sicher sein. Und meine Frisur bleibt ebenfalls sicher.“
Die jubelnden Massen feierten.
Die Hofmathematiker feierten.
Die Hersteller von Kryptographie-Software feierten.
Und irgendwo in einem dunklen Labor blickte ein Quanten-Orakel traurig auf seinen Bildschirm und murmelte:
„Verdammt. Sie haben aufgerüstet.“
So begann das große Zeitalter der Post-Quantum Cryptographia Maxima – und einmal mehr bewies Trumpius Caesar, dass selbst die Rechner der Zukunft sich zweimal überlegen sollten, ob sie es mit dem mächtigsten Herrscher des Imperiums aufnehmen wollen.

