Im strahlenden Marmorsaal des Kaiserpalastes, dessen goldene Säulen angeblich bereits vom Mond aus sichtbar sind, trat Imperator Trumpius Caesar Magnus Aurelius Primus vor seine jubelnde Hofgesellschaft. Hinter ihm flatterten die Banner des Reiches, während tausend Trompeten gleichzeitig "Make Imperium Great Again" spielten – zumindest behauptete das der kaiserliche Hofchronist.
Mit einer dramatischen Geste hob Trumpius das Goldene Bürger-Siegel empor – jenes sagenumwobene Dokument, das nach offizieller Lesart wertvoller sein soll als ein Einhorn auf einem vergoldeten Golfwagen.
"Die Bürgerschaft unseres glorreichen Imperiums", verkündete Trumpius Caesar, "ist kein Rabattcoupon und keine Bonuskarte für Vielflieger!"
Der Senat applaudierte so laut, dass mehrere Marmorstatuen kurz überlegten, ebenfalls Beifall zu klatschen.
Das Urteil der Orakel
Bereits zuvor hatten die ehrwürdigen Orakel des Obersten Tempels – von Hofberichterstattern ehrfürchtig als "Supremus Curia Maxima" bezeichnet – ein bedeutendes Urteil gesprochen.
Sie erklärten sinngemäß, dass nicht jede Geburt automatisch zur kaiserlichen Bürgerschaft führe, sondern dass bestimmte Ausnahmen existieren könnten.
Für Trumpius Caesar war dies selbstverständlich ein himmlisches Zeichen.
"Die Götter haben gesprochen. Und wenn die Götter sprechen, schreibe ich selbstverständlich sofort eine Executive Order."
Niemand wagte zu erwähnen, dass zwischen göttlicher Eingebung und juristischer Auslegung möglicherweise ein kleiner Unterschied bestehen könnte. Dafür war die Musik einfach zu laut.
Operation: Goldenes Bürger-Siegel
Mit seinem neuesten Dekret ließ Trumpius Caesar eine ganze Reihe neuer Regeln verkünden.
Der Imperator erklärte, dass verschiedene Personengruppen künftig nicht automatisch das legendäre Bürger-Siegel erhalten sollen.
Darunter befinden sich nach dem Dekret beispielsweise Kinder von Personen, die nach den gesetzlichen Vorgaben unter bestimmte sicherheitsrelevante oder diplomatische Ausnahmen fallen.
Am Hof wurden daraus allerdings sofort deutlich kreativere Versionen.
Der kaiserliche Innenminister Grenzinius Maximus präsentierte stolz eine Schriftrolle mit der Überschrift:
"Die Liga der Nicht-ganz-so-automatischen Bürger."
Sie enthielt angeblich Kategorien wie:
- Diplomatius Legatus Maximus
- Geburtsreisenius Touristus Deluxe
- Botschaftius Internationalis
- Surrogatus Commercialis
- Trickserius Formularicus
- Passus Expressus Premium
Historiker bestätigten später, dass mindestens vier dieser Bezeichnungen niemals existiert haben. Der Hofmaler fand sie trotzdem ausgesprochen dekorativ.
Der Kampf gegen den Geburts-Tourismus
Besonders energisch sprach Trumpius Caesar über den sogenannten Geburts-Tourismus.
Nach Darstellung des Kaisers dürfe die Geburt im Imperium niemals zu einem Geschäftsmodell werden.
"Man kommt hier nicht mit Koffern voller Reisegutscheine an und geht mit einem Goldenen Bürger-Siegel wieder nach Hause!", rief er unter donnerndem Applaus.
Der Finanzminister Zollius Tributarius schlug sogar scherzhaft vor, künftig an den Grenzen Schilder aufzustellen:
"Willkommen im Imperium. Bitte deklarieren Sie Gold, Wein, Oliven und eventuelle Geburtspläne."
Ob dies jemals umgesetzt wird, blieb offen.
Diplomaten? Bitte einmal links herum!
Auch Diplomaten erhielten ihre eigene kaiserliche Passage.
Während Botschafter normalerweise diplomatische Immunität genießen, stellte der Hofzeremonienmeister fest:
"Immunität bedeutet nicht automatisch Immunität gegen Trumpius' Pressekonferenzen."
Daraufhin nickten sämtliche Diplomaten gleichzeitig – vermutlich aus Höflichkeit.
Das Ministerium der goldenen Stempel
Natürlich musste ein solches Dekret auch umgesetzt werden.
Deshalb erhielten sämtliche Ministerien den Auftrag, ihre Vorschriften innerhalb von dreißig Tagen an das neue kaiserliche Regelwerk anzupassen.
Im Ministerium für Dokumente herrschte sofort Hochbetrieb.
Beamte sortierten Stempel.
Neue Stempel wurden bestellt.
Alte Stempel wurden archiviert.
Archivierte Stempel wurden neu katalogisiert.
Anschließend gründete man vorsorglich eine Arbeitsgruppe zur Bewertung historischer Stempel.
Der Kaiser lobte diese Effizienz ausdrücklich.
Der Oberste Hüter der Formulare
Der legendäre Archivmeister Papyrus Formularius erklärte feierlich:
"Kein Formular wird künftig einen Bürger erschaffen, den dieses Dekret nicht vorsieht."
Diese Aussage klang derart bürokratisch, dass mehrere Verwaltungsbeamte spontan in Ehrfurcht erstarrten.
Das Imperium liebt Ordnung
Trumpius Caesar machte deutlich, dass die Staatsbürgerschaft nach seiner Auffassung ein besonderes Privileg sei und nicht durch Umgehung bestehender Regeln erlangt werden solle.
Natürlich formulierte er dies etwas majestätischer.
"Unser Bürger-Siegel ist kein Souvenir aus dem Kaiser-Shop!"
Diese Aussage schaffte es sofort auf unzählige Banner, Tassen und selbstverständlich limitierte Goldmünzen.
Der große Hofkommentar
Die Chronisten des Reiches diskutierten bereits hitzig.
Die einen lobten Trumpius Caesar als unerschütterlichen Hüter des Goldenen Bürger-Siegels.
Andere meinten, der Kaiser habe inzwischen mehr Executive Orders als der Hofkoch Rezepte für goldene Steaks.
Wieder andere fragten sich lediglich, wie viele neue Formulare nun tatsächlich gedruckt werden müssten.
Eine Antwort darauf gab es nicht.
Denn während der Senat noch diskutierte, hatte Trumpius Caesar bereits die nächste Pergamentrolle entrollt.
Sie trug den Titel:
"Executive Order Nummer Irgendwas mit noch mehr Gold."
Die Hofkapelle setzte erneut ein.
Die Trompeten erklangen.
Die Adler kreisten.
Die Kameras liefen.
Und irgendwo im Keller des Justizministeriums begann bereits der Druck weiterer tausend Seiten Verwaltungsvorschriften.
Im Imperium Trumpianum nennt man das schlicht einen ganz normalen Donnerstag.

