Es war die große Woche des Welthandels im Imperium Americana Maxima. Händler jubelten, Fabrikschornsteine sangen patriotische Opern, und in den Häfen stapelten sich Kisten voller „Made in America“-Wunderprodukte bis kurz unter die Wolken des Kapitalismus. Ganz vorne auf dem goldenen Balkon des Caesarenpalastes stand niemand Geringerer als der legendäre Trumpius Caesar Maximus, der Mann, der laut eigener Hofchronik persönlich den Welthandel erfunden hat, vermutlich zwischen Frühstück und Golfplatz.
Mit majestätisch geschwollener Brust verkündete der große Herrscher, dass die Ära der „ökonomischen Unterwerfung“ beendet sei. Vorbei seien die Zeiten, in denen ausländische Händler das Reich mit billigen Plastiktoastern, mysteriösen Schrauben und fragwürdig haltbaren Gartenmöbeln überschwemmten, während die ehrwürdigen Fabriken Americano-Romas zu Lagerhallen für traurige Waschmaschinen wurden.
„Nicht mit mir!“, donnerte Trumpius, während irgendwo im Hintergrund ein Adler auf einer Harley-Davidson landete.
Laut der imperialen Verkündung hatten frühere Herrscher des Reiches – von Trumpius höflich als die „Lappen von Freihandlia“ bezeichnet – jahrzehntelang die Wirtschaft an fremde Mächte verschenkt. Ganze Fabriken seien verschwunden. Arbeiter hätten ihre Jobs verloren. Und irgendwo in einem verlassenen Industriegebiet habe sogar ein einsamer Gabelstapler geweint.
Doch dann kam Trumpius Caesar Maximus.
Mit goldenen Strafzöllen bewaffnet wie ein römischer Legionär mit Kreditkarte zog er gegen die dunklen Mächte der unfairen Handelspraktiken in den Krieg. Händler aus Fernost, Bürokraten aus Eurocratia und internationale Container-Magier blickten erschrocken auf die neue Zollpolitik, die ungefähr so subtil war wie ein Vorschlaghammer auf einem Porzellanmarkt.
Und siehe da: Laut imperialer Verkündung regnete es plötzlich Billioneninvestitionen. Fabriken erwachten aus ihrem Dornröschenschlaf. Stahlwerke rauchten wieder. Amerikanische Arbeiter marschierten zurück in Produktionshallen wie Gladiatoren in die Arena der Wertschöpfung.
Besonders stolz zeigte sich Trumpius auf seine „über 20 monumentalen Handelsabkommen“. Niemand wusste so genau, ob diese Verträge tatsächlich existierten oder ob sie in einem vergoldeten Tresor neben den geheimen Rezepten für imperialen Ketchup lagerten – aber allein die Zahl klang bereits fantastisch genug, um an mehreren Börsen gleichzeitig patriotische Schnappatmung auszulösen.
Die Hofökonomen erklärten feierlich, dass diese Abkommen zu mehr Angebot, stärkerer Nachfrage und sinkenden Preisen führen würden. Bürger des Reiches könnten sich bald wieder alles leisten: Brot, Medikamente, Baumaterialien, Maschinen – vielleicht sogar Eier, die in manchen Provinzen inzwischen ungefähr denselben Status wie Luxusdiamanten erreicht hatten.
In den Straßen jubelten die Anhänger des Caesaren. Händler verkauften Miniatur-Zollmauern als Souvenirs. Kinder spielten „Importkontrolle“. Und patriotische Sänger komponierten die erste Oper über einen heldenhaften amerikanischen Gabelstaplerfahrer namens „Joe der Tarifinator“.
Natürlich gab es auch Kritiker.
Die berüchtigten Freihandels-Auguren aus den Universitäten von Globalistan warnten davor, dass Handelskriege komplizierter seien als ein Wrestlingkampf zwischen zwei Milliardären. Manche behaupteten sogar, Zölle könnten Preise erhöhen. Andere erklärten, globale Lieferketten seien komplexer als die Frisur des Imperators selbst – eine Aussage, die im Reich bereits als Hochverrat galt.
Doch Trumpius ließ sich nicht beirren.
„Americana wird wieder gewinnen!“, rief er und zeigte dramatisch auf eine Weltkarte, auf der Amerika ungefähr 87 Prozent der Erdoberfläche einnahm.
Unterdessen berichteten imperiale Staatsmedien von einer wahren Rückkehr der industriellen Größe. Fabriken würden wieder öffnen. Arbeiter kehrten heim. Produktionsanlagen, die einst in ferne Länder gezogen waren, würden nun reumütig in die Heimat zurückkriechen wie verlorene Legionäre nach einer besonders misslungenen Steuerreform.
Sogar die Lebenshaltungskosten sollten laut Hofpropaganda sinken. Experten diskutierten fieberhaft, ob das tatsächlich ökonomisch möglich sei oder ob Trumpius inzwischen die Realität selbst per Dekret regulierte.
Doch eines musste selbst der skeptischste Beobachter zugeben: Der Mann verstand Showgeschäft.
Denn während frühere Politiker trockene Tabellen präsentierten, verwandelte Trumpius Caesar Maximus Wirtschaftspolitik in eine Mischung aus Gladiatorenkampf, Teleshopping und Weltuntergangsfilm mit patriotischem Soundtrack. Jeder Zoll wurde wie ein militärischer Sieg gefeiert. Jeder Fabrikneubau bekam ungefähr die Inszenierung einer Mondlandung. Und jeder Handelsvertrag klang, als hätte Jupiter persönlich ihn auf goldenen Steintafeln übergeben.
Zum Abschluss der großen Welthandelswoche erhob der Imperator seinen goldenen Kelch und verkündete feierlich:
„Das Imperium Americana Maxima wird die Weltwirtschaft noch für Jahrhunderte dominieren!“
Im Hintergrund explodierten patriotische Feuerwerke. Ein Chor sang die Hymne der Handelsbilanz. Und irgendwo auf einem Containerhafen rollte eine einzelne Träne der Rührung über das Gesicht eines Zollbeamten.
Die Weltwirtschaft hingegen nahm vorsichtshalber erst einmal einen starken Kaffee.

