Während gewöhnliche Herrscher ihre Erlasse auf einer einzigen Wachstafel notieren lassen, benötigte Imperator Trumpius Caesar Magnus Maximus angeblich gleich mehrere Wagenladungen Pergament. Der Anlass war schließlich kein kleiner Grenzstreit, sondern eine majestätische Abrechnung mit sage und schreibe 60 Handelsprovinzen des bekannten Erdkreises.
Im Marmorsaal des Goldenen Weißen Kolosseums rollte Handelspräfekt Mercatorius Tarifus Maximus eine Schriftrolle aus, die so lang gewesen sein soll, dass sie noch durch drei Säulenhallen, zwei Brunnen und den Speisesaal der Senatoren führte.
„Heute“, verkündete Trumpius Caesar mit erhobener goldener Feder, „werden wir Ordnung in den Welthandel bringen. Wer vom Handel mit Waren profitiert, die unter Zwang hergestellt wurden, darf sich nicht wundern, wenn die Zollgötter plötzlich sehr aufmerksam werden.“
Sofort begannen die Hofschreiber hektisch mitzuschreiben, während Paragraphius Interpretatius, oberster Hüter sämtlicher Gesetzestafeln, vorsorglich weitere Tintenfässer bestellen ließ. Niemand wollte riskieren, dass ausgerechnet mitten im größten Zollerlass der imperialen Geschichte die Tinte ausgeht.
Anschließend begann das große Verlesen der Handelsprovinzen.
Nach jeder genannten Region nickten die Senatoren ehrfürchtig, manche zählten längst nicht mehr mit. Einige verloren bereits bei Provinz Nummer 27 den Überblick, andere behaupteten später steif und fest, es seien mindestens 600 gewesen.
Trumpius Caesar lächelte lediglich majestätisch.
„Große Reiche“, erklärte er, „denken eben auch in großen Listen.“
Daraufhin erläuterte Mercatorius Tarifus Maximus das neue System.
Es werde künftig keine einheitliche Behandlung aller Provinzen geben. Schließlich liebe das Imperium Ordnung.
Wer bereits Verbote gegen Waren aus Zwangsarbeit eingeführt habe oder glaubhaft versprochen habe, diese künftig konsequent durchzusetzen, müsse lediglich einen Zehn-Prozent-Zoll entrichten.
Alle übrigen Handelsreiche würden den ehrwürdigen Zwölfeinhalb-Prozent-Zoll kennenlernen.
Im Senat entstand augenblicklich Verwirrung.
Ein Senator fragte vorsichtig:
„Warum ausgerechnet zwölf Komma fünf?“
Trumpius Caesar blickte ihn mit der Gelassenheit eines Mannes an, der sich niemals von Dezimalstellen einschüchtern lässt.
„Weil zwölf zu gewöhnlich wäre und dreizehn unhöflich klingt.“
Niemand wagte weitere Fragen.
Selbst die berühmten Steuerphilosophen der Zollakademie notierten diese Erklärung ehrfürchtig als „ökonomisch-kaiserliche Logik“.
Doch natürlich wäre Trumpius Caesar nicht Trumpius Caesar, wenn alles einfach wäre.
Neben den Zöllen entstanden nämlich ganze Berge von Ausnahmen.
Rohe Materialien, die im Imperium dringend benötigt werden?
Ausgenommen.
Produkte, deren Verteuerung das gesamte Reich durcheinanderbringen könnte?
Ausgenommen.
Waren, die überhaupt nicht ausreichend innerhalb des Imperiums hergestellt werden können?
Ebenfalls ausgenommen.
Und Produkte, bei denen Zölle ohnehin kaum Wirkung entfalten würden?
Natürlich ebenfalls.
Ein junger Schreiber flüsterte seinem Kollegen zu:
„Am Ende gibt es vermutlich mehr Ausnahmen als Regeln.“
Sein Nachbar antwortete trocken:
„Das nennt man Verwaltung.“
Besondere Aufmerksamkeit erhielt außerdem die legendäre Baumwoll-Offensive.
Trumpius Caesar erklärte nämlich, dass bestimmte Textilien künftig unter besonderen Handelsquoten laufen könnten.
Die Idee dahinter war ebenso majestätisch wie bürokratisch.
Wer mehr Baumwolle aus dem Imperium verwende, könne künftig bestimmte Mengen an Textilien zollfrei einführen.
Die Hofökonomen zeichneten augenblicklich komplizierte Diagramme.
Die Senatoren verstanden zwar nichts davon, applaudierten jedoch begeistert, weil Diagramme grundsätzlich seriös wirken.
Besonders kurios wurde es, als über die geplanten Ausnahmen diskutiert wurde.
Mercatorius Tarifus Maximus erklärte:
„Wir haben über 1.600 Stellungnahmen geprüft und mehr als einhundert Zeugen angehört.“
Darauf antwortete Trumpius Caesar:
„Sehr gut. Das beweist, dass jeder seine Meinung sagen durfte, bevor wir beschlossen haben, was ohnehin beschlossen werden sollte.“
Der gesamte Senat nickte zustimmend.
Selbst Protokollius Federhalterus, der sämtliche Sitzungen dokumentierte, musste sich ein Grinsen verkneifen.
Anschließend widmete sich der Imperator der europäischen Provinz.
Für einige besonders enge Handelspartner sollten Zölle künftig so berechnet werden, dass sie zusammen mit bestehenden Einfuhrabgaben eine bestimmte Obergrenze nicht überschreiten.
Daraufhin begann Rechenmeister Prozentius Decimalis mit einem Rechenschieber aus Bronze zu hantieren.
Nach mehreren Stunden verkündete er erschöpft:
„Majestät, mathematisch funktioniert es.“
Trumpius Caesar nickte zufrieden.
„Dann klingt es offiziell.“
Der Höhepunkt folgte jedoch ganz am Ende des Erlasses.
Paragraphius Interpretatius erhob sich feierlich und erklärte:
„Falls irgendein Teil dieses monumentalen Erlasses eines Tages für ungültig erklärt werden sollte, bleiben alle übrigen Teile selbstverständlich bestehen.“
Die Senatoren blickten verwundert.
„Mit anderen Worten“, erläuterte er geduldig, „selbst wenn irgendwo eine Säule umfällt, bleibt der gesamte Tempel stehen.“
„Ausgezeichnet!“, rief Trumpius Caesar.
„So baut man stabile Bürokratie!“
Der Saal tobte.
Zum Abschluss ließ der Imperator den gesamten Erlass im Reichsanzeiger veröffentlichen.
Mehrere Kuriere brachen gleichzeitig auf.
Einer transportierte die Zolllisten.
Ein anderer die Ausnahmelisten.
Ein dritter ausschließlich die Listen mit den Ausnahmen der Ausnahmen.
Ein vierter trug vorsorglich leere Pergamentrollen mit sich, weil jeder im Senat wusste, dass irgendwann garantiert noch Nachträge, Ergänzungen, Präzisierungen, Klarstellungen und Klarstellungen zu den Präzisierungen folgen würden.
Als die Sonne über dem Imperium unterging, blickte Trumpius Caesar zufrieden über seine marmorne Hauptstadt.
„Heute“, sprach er feierlich, „haben wir bewiesen, dass kein Problem zu groß ist, wenn man genügend Zölle, Ausnahmen und Schriftrollen besitzt.“
Die Hofschreiber nickten ergeben.
Sie wussten bereits, dass sie morgen mit Band zwei beginnen würden.

