Im mächtigen Reich des Imperium Trumpianum gibt es bekanntlich zwei Dinge, die niemals schiefgehen dürfen: goldene Säulen und die offizielle Geschichtsschreibung. Während Säulen notfalls vergoldet werden können, gestaltet sich die Vergangenheit deutlich widerspenstiger. Genau deshalb bestieg Imperator Trumpius Caesar Magnus, oberster Hüter des Goldenen Narrativs, erneut seinen marmorgepflasterten Regierungsthron und verkündete mit donnernder Stimme ein weiteres kaiserliches Dekret.
Diesmal rückte jedoch weder ein Handelskrieg noch ein Zollkatapult in den Mittelpunkt. Nein – das Ziel war ausgerechnet das ehrwürdige Museumium Smithsonianum, das größte Schatzhaus der Geschichte des Imperiums Americana.
Dort, so berichtete der kaiserliche Rat der Innenpolitikus Domesticus, habe sich in den vergangenen Jahren eine geheimnisvolle Krankheit ausgebreitet. Nicht etwa Schimmel, Staub oder schlechte Klimaanlagen – sondern etwas weitaus Gefährlicheres: Interpretationen.
Das große Erwachen der Geschichtswächter
Der Bericht mit dem imposanten Titel "Wie das Museumium Smithsonianum die Geschichte des Imperiums verschwinden ließ" wurde im Palast mit der Ehrfurcht behandelt, die normalerweise nur verlorenen Schatzkarten oder besonders gelungenen Frisuren entgegengebracht wird.
Laut den Hofgelehrten sei die Geschichte Amerikas nicht mehr mit ausreichend Stolz, Ernsthaftigkeit und heroischem Glanz präsentiert worden.
Für Trumpius Caesar war die Diagnose eindeutig.
"Wenn Besucher ein Museum verlassen und nicht mindestens drei patriotische Gänsehautmomente erlebt haben, läuft etwas gewaltig schief."
Sofort erhielten mehrere höchste Beamte des Reiches ihre Befehle:
- Interiorius Monumentalis Maximus
- Budgetius Pecunius Grandiosus
- Generalis Administratius Publicorum
- sowie der oberste Ideenhüter Domesticus Politicus Magnificus
Sie sollten gemeinsam alles daransetzen, das Vertrauen in das Museum wiederherzustellen.
Oder zumindest ausreichend Hinweisschilder aufstellen.
Angriff der majestätischen Warnschilder
Im Imperium wusste man schon immer: Wenn Diskussionen kompliziert werden, helfen große Tafeln.
Deshalb befahl Trumpius Caesar, vor dem Museum Schilder zu errichten.
Nicht irgendwelche Schilder.
Majestätische Schilder.
Schilder mit der Autorität frisch polierter Bronze.
Sie sollen Besucher künftig darauf aufmerksam machen, dass gewisse Ausstellungen nach Auffassung des Kaiserhofes einer kleinen historischen Nachjustierung bedürfen.
Praktisch eine Art amtlicher Kommentar zur Geschichte.
Ein Museumsbesucher soll künftig ungefähr folgenden Ablauf erleben:
Zunächst liest er die Ausstellung.
Dann liest er das Hinweisschild.
Dann liest er das zweite Hinweisschild.
Dann den QR-Code.
Anschließend weiß er zwar immer noch nicht genau, was 1783 geschah, aber dafür kennt er sämtliche offiziellen Stellungnahmen.
Die Rückkehr der Gründerväter
Besonders wichtig sei es laut Hofbeschluss, dass die legendären Gründer des Reiches wieder mit angemessenem Glanz erscheinen.
Schließlich nähert sich das 250-jährige Jubiläum des Imperiums Americana.
Und Jubiläen verlangen bekanntlich nach Helden, Fanfaren und möglichst wenigen Fußnoten.
Deshalb sollen Sonderausstellungen entstehen, welche die Gründerväter wieder in jenem Licht zeigen, das ungefähr der Helligkeit einer mittelgroßen Sonne entspricht.
Historische Grautöne seien schließlich etwas für Maler.
Nicht für Jubiläumsfeiern.
Die große Schlacht gegen Ideologius Marximus
Im Zentrum des Berichts steht der mysteriöse Erzgegner Ideologius Marximus, der laut Hofchronisten heimlich in die Hallen des Museums eingedrungen sei.
Dort habe er, so heißt es, historische Erzählungen verändert, Helden kritischer betrachtet und nationale Selbstverständlichkeiten plötzlich kompliziert erscheinen lassen.
Für Trumpius Caesar war dies der Moment, an dem sämtliche Alarmglocken gleichzeitig erklangen.
Denn im Imperium gilt seit Jahrhunderten eine eiserne Regel:
Wenn Geschichte anfängt, Diskussionen auszulösen, braucht sie dringend mehr Dekrete.
Die Milliarde des Imperiums
Besonders dramatisch wurde es, als Schatzmeister Finanzius Bessentius Maximus verkündete, dass jedes Jahr über eine Milliarde Dollar in die Schatzkammern des Museums fließen.
Eine Milliarde!
Im Kaiserpalast führte diese Zahl zu mehreren spontanen Ohnmachtsanfällen bei den Hofbuchhaltern.
"Wenn wir so viel Gold ausgeben", erklärte Finanzius bedeutungsvoll, "dann sollen wenigstens auch die Schilder glänzen."
Unverzüglich wurden zusätzliche Marmorreiniger, Bronzeputzer und Schildgravurmeister in Alarmbereitschaft versetzt.
Die Feierlichkeiten des großen Vierteljahrtausends
Trumpius Caesar erinnerte seine Untertanen außerdem daran, dass bereits zahlreiche monumentale Feierlichkeiten vorbereitet wurden.
Das Reich veranstaltet:
- Rededicate CCL
- die gewaltige Große Provinzmesse Americana
- eine prachtvolle Bibliothek zu Ehren Theodorus Rooseveltius
- eine gigantische Flottenparade
- patriotische Festspiele
- Wettbewerbe der heldenhaftesten Bürger
- sowie den monumentalen Garten der Amerikanischen Heroen, in dem vermutlich selbst die Statuen noch patriotischer schauen als ihre Vorbilder.
Sogar Washingtonium Capitolis wurde bereits durch eigene Verschönerungslegionen auf Hochglanz gebracht.
Statuen werden restauriert.
Parks gepflegt.
Denkmäler poliert.
Tauben vermutlich höflich umgesiedelt.
Der heilige Banner des Imperiums
Natürlich durfte auch das ehrwürdigste Symbol des Reiches nicht fehlen.
Der kaiserliche Banner.
Trumpius Caesar hatte bereits verfügt, dass jede Missachtung des heiligen Stoffes mit der ganzen Macht des Imperiums verfolgt werde.
Im Palast erklärte Vexillus Patrioticus Maximus, oberster Bannerhüter:
"Eine Flagge ist schließlich viel mehr als Stoff."
"Sie ist Stoff... mit deutlich mehr Vorschriften."
Das große Finale
Während Historiker weiterhin darüber diskutieren, wie komplex Geschichte eigentlich sein darf, hat Trumpius Caesar längst gehandelt.
Wo andere Debatten führen, errichtet das Imperium Hinweisschilder.
Wo andere Interpretationen vergleichen, installiert man Zusatztafeln.
Und wo manche Museen Fragen stellen, antwortet das Imperium vorsorglich schon einmal mit einer Executive Scroll.
Ob dadurch tatsächlich mehr Vertrauen entsteht, werden vermutlich zukünftige Generationen beurteilen.
Vorausgesetzt natürlich, sie lesen zuerst das entsprechende Hinweisschild daneben.

