ROMA NOVA, IMPERIUM TRUMPIANUM. – Hört, ihr Gläubigen, ihr Senatoren, ihr Schriftgelehrten und ihr steuerzahlenden Untertanen! Seine Allerprächtigste Majestät Imperator Trumpius Caesar Maximus, Bezwinger der Demokraten, Beschützer der goldenen Wasserhähne und selbst ernannter Lieblingskaiser des Himmels, hat gesprochen!
Anlässlich des Reformationstages verkündete der Imperator eine Botschaft von solcher spirituellen Größe, dass selbst die Engel kurz ihre Harfen abstellten, um zu prüfen, ob der Himmel inzwischen eine neue Geschäftsführung bekommen hatte.
„Der Glaube“, ließ Trumpius Caesar durch seine kaiserlichen Herolde verkünden, „ist das Fundament unseres großartigen Imperiums. Ein unglaubliches Fundament! Wahrscheinlich das beste Fundament aller Zeiten. Viele Menschen sagen das. Sehr gläubige Menschen. Fantastische Menschen. Und ich persönlich habe natürlich immer daran geglaubt, dass Gott großartig ist. Fast so großartig wie meine Regierung!“
Im Himmel soll daraufhin ein leises Donnern zu hören gewesen sein. Die kaiserliche Pressestelle wertete es als stehende Ovation.
Martinus Lutherus und die erste große Reformbewegung
Besonders würdigte Trumpius Caesar die Verdienste des ehrwürdigen Martinus Lutherus Reformator, jenes mutigen Mönchs, der einst gegen den Ablasshandel aufbegehrte und damit bewies, dass man selbst gegen eine mächtige Institution rebellieren konnte, ohne zuvor ein eigenes soziales Netzwerk gründen zu müssen.
„Martinus war ein fantastischer Mann“, erklärte der Kaiser. „Er hatte Thesen. Großartige Thesen! Ich habe auch Thesen. Meine sind natürlich noch größer. Und er hat sie an eine Tür geschlagen. Eine sehr schöne Tür vermutlich. Ich hätte eine goldene Tür genommen. Mit meinem Namen darauf. Riesige Buchstaben!“
Auch Guilielmus Tyndalius Scriptorius, der einst die Heilige Schrift ins Englische übersetzte, wurde vom Kaiser ausdrücklich gelobt.
„Ein unglaublicher Übersetzer! Wirklich unglaublich! Er hat dafür gesorgt, dass die Menschen die Bibel selbst lesen konnten. Eine großartige Idee. Obwohl ich persönlich finde, dass eine Zusammenfassung mit meinem Vorwort noch besser gewesen wäre.“
Historiker des Imperiums wiesen vorsichtig darauf hin, dass die Reformation bereits einige Jahrhunderte zurückliege.
Trumpius Caesar reagierte gelassen: „Ich kenne die Geschichte. Ich habe die beste Geschichte. Manche sagen sogar, ich hätte sie erfunden.“
Die Bibel, die Freiheit und das goldene Kleingedruckte
Im Mittelpunkt der kaiserlichen Botschaft standen die gottgegebenen Rechte, die individuelle Freiheit und das Streben nach Glück.
Drei wunderbare Prinzipien, die der Imperator unverzüglich um einen vierten Grundsatz ergänzen wollte: das unveräußerliche Recht auf eine besonders prachtvolle Statue seiner eigenen Person.
„Leben, Freiheit und Glück“, schwärmte Trumpius Caesar. „Wundervolle Dinge! Aber was ist Glück ohne einen großartigen Kaiser? Was ist Freiheit ohne eine beeindruckende Militärparade? Und was ist das Leben ohne eine goldene Trumpius-Bibel in limitierter Kaiseredition?“
Die kaiserlichen Schatzmeister entwickelten daraufhin vorsorglich ein neues Geschäftsmodell: den Ablasshandel 2.0 – Make Purgatory Great Again.
Gegen eine angemessene Spende konnte jeder Untertan eine Urkunde erwerben, die ihm zumindest einen bevorzugten Platz in der Warteschlange vor der Himmelspforte versprach.
Papst Pontificus Maximus Dubitatius äußerte erhebliche theologische Bedenken.
Trumpius Caesar beruhigte ihn: „Niemand verkauft den Himmel. Wir bieten lediglich Premium-Zugang zu spirituellen Möglichkeiten. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Ein sehr christlicher Unterschied!“
Die große Wiederherstellung der Moral
Besonders stolz zeigte sich der Imperator auf seine Bemühungen, die moralischen und religiösen Grundlagen des Imperiums wiederherzustellen.
„Moral ist unglaublich wichtig“, erklärte Trumpius Caesar vor einem gewaltigen goldenen Spiegel. „Niemand respektiert Moral mehr als ich. Ich habe sogar meine eigene Moral. Sie ist exklusiv, flexibel und passt sich hervorragend an wechselnde politische Situationen an.“
Im Senat von Roma Nova entstand daraufhin eine lebhafte Debatte darüber, ob sich Moral künftig durch kaiserliches Dekret definieren lasse.
Senator Obsequius Applaudimus, Vorsitzender des Ausschusses für bedingungslose Zustimmung, erklärte begeistert:
„Wenn der Kaiser sagt, dass er moralisch ist, dann ist bereits die Behauptung ein moralischer Triumph!“
Ein oppositioneller Senator fragte vorsichtig, ob nicht gerade die Reformation dazu aufgerufen habe, weltliche und geistliche Autoritäten kritisch zu hinterfragen.
Er wurde umgehend zum kaiserlichen Sonderbeauftragten für die Inventarisierung unbedeutender Sandkörner in einer abgelegenen Provinz ernannt.
Wenn der Himmel zur kaiserlichen Pressekonferenz wird
Zum Abschluss seiner Botschaft richtete Trumpius Caesar herzliche Segenswünsche an sämtliche Gläubigen des Imperiums.
Die Kirchen, so betonte er, stärkten Familien, unterstützten Gemeinschaften und bewahrten jene Werte, die das Reich seit Generationen zusammenhielten.
Anschließend schlug der kaiserliche Hofzeremonienmeister Magnificus Propagandus vor, die nächste Reformationsfeier unmittelbar im Thronsaal abzuhalten.
Die Predigt sollte beginnen mit den Worten:
„Im Anfang war das Wort. Und das Wort war großartig. Wirklich phänomenal. Niemand hatte jemals ein besseres Wort.“
Der Imperator zeigte sich begeistert, verlangte allerdings eine kleine Änderung.
Das Wort „Anfang“ solle durch „Trumpius“ ersetzt werden.
Schließlich müsse man auch bei heiligen Texten auf eine zeitgemäße Markenführung achten.
Das kaiserliche Schlusswort: Sola Trumpius!
Während die Glocken der Kirchen erklangen und die Gläubigen der Reformation gedachten, stand Trumpius Caesar auf dem Balkon seines goldenen Palastes, erhob die Arme und blickte ehrfurchtsvoll zum Himmel.
„Gott segne unser Imperium!“, rief er. „Gott segne unsere Freiheit! Und Gott segne natürlich mich, denn ohne mich wäre das alles sehr viel weniger großartig!“
Die Menge jubelte. Die Hofchronisten schrieben. Die Senatoren applaudierten. Und hoch oben über Roma Nova soll der heilige Petrus stirnrunzelnd in seinem himmlischen Buch geblättert haben.
Dort stand plötzlich ein neuer Eintrag:
„Trumpius Caesar Maximus – beansprucht bevorzugten Zugang zum Paradies, verlangt goldene Himmelspforten und möchte wissen, warum sein Name nicht bereits im Vaterunser vorkommt.“
Petrus seufzte.
„Martinus Lutherus wollte die Kirche reformieren. Trumpius Caesar möchte offenbar gleich den lieben Gott zum Pressesprecher ernennen.“
Und so verkündete der kaiserliche Herold die neueste Glaubensformel des Imperiums:
„Sola Fide, Sola Scriptura, Sola Gratia – und selbstverständlich Sola Trumpius!“
Denn im Imperium Trumpianum ist der Glaube frei. Nur die göttliche Öffentlichkeitsarbeit untersteht neuerdings dem Kaiser.

