Im gewaltigen Marmorpalast des Imperiums herrschte gespannte Erwartung. Hofchronist Thomasius Federkalligraphus Maximus hatte bereits mehrere Wagenladungen Pergament bereitgestellt, denn jeder wusste: Wenn Trumpius Caesar ein Dekret über Metall erlässt, reicht keine gewöhnliche Schriftrolle mehr aus.
Diesmal stand nicht Gold im Mittelpunkt. Auch nicht Silber. Nicht einmal das sagenumwobene Trumpium.
Nein.
Aluminium.
Jenes unscheinbare Metall, das gleichzeitig Flugzeuge trägt, Panzer verstärkt, Getränkedosen formt und nach Meinung des kaiserlichen Hofes offenbar direkt über Sieg oder Niederlage des gesamten Imperiums entscheidet.
Trumpius Caesar trat auf den Balkon des Palastes, hob feierlich seinen vergoldeten Zollhammer und sprach:
"Ein Reich ohne eigenes Aluminium ist wie ein Adler ohne Flügel. Oder schlimmer: wie eine Limousine ohne goldene Felgen."
Der Hof applaudierte so lange, bis einige Senatoren Krämpfe in den Unterarmen bekamen.
Die Barbaren liefern zu viel Metall
Schon seit Jahren beobachteten die kaiserlichen Zollwächter mit Argusaugen die Händler aus den fernen Provinzen.
Überall tauchte Aluminium auf.
Aus allen Himmelsrichtungen rollten Wagen, Schiffe und Karawanen ins Reich.
Für Trumpius Caesar war das natürlich kein Zeichen eines funktionierenden Welthandels.
Nein.
Es war eine Bedrohung für die Sicherheit des Imperiums.
Schließlich konnte man nie wissen, ob hinter einer harmlosen Aluminiumplatte nicht ein besonders hinterlistiger Barbar lauerte.
Darum existierte bereits seit Jahren der legendäre Lex Zollus Maximus, mit dem auf fremdes Aluminium gewaltige Tributabgaben erhoben wurden.
Nun verkündete Trumpius jedoch:
"Das reicht noch nicht. Wir brauchen mehr Größe. Mehr Öfen. Mehr Schmelzen. Mehr Glanz."
Der kaiserliche Bonus für fleißige Schmiede
Anschließend präsentierte Mercatorius Tarifus Maximus, oberster Hüter sämtlicher Zölle, den neuesten Einfall des Hofes.
Jeder Händler, der im Imperium eine neue Aluminium-Schmelze errichtet, eine alte modernisiert oder eine verlassene Produktionsstätte wiederbelebt, erhält künftig einen ganz besonderen Vorteil.
Er darf vorübergehend Aluminium aus dem Ausland mit halbiertem Zoll einführen.
Im Saal herrschte zunächst völlige Verwirrung.
"Moment...", murmelte ein Senator.
"Wir erhöhen Zölle... indem wir sie senken?"
Darauf antwortete Trumpius Caesar majestätisch:
"Natürlich. Denn nur wer weniger zahlt, kann später mehr herstellen. Und wer mehr herstellt, braucht irgendwann gar nichts mehr einzuführen. Großartig. Wirklich großartig."
Der gesamte Senat nickte sofort begeistert, obwohl mindestens die Hälfte den Satz noch immer nicht vollständig verstanden hatte.
Bauen bis spätestens zum Sonnenaufgang des Jahres 2029
Natürlich genügte ein bloßes Versprechen nicht.
Wer vom kaiserlichen Aluminium-Bonus profitieren wollte, musste einen detaillierten Bauplan einreichen.
Darin musste stehen:
- wann gebaut wird,
- wie viel Aluminium später produziert werden soll,
- welche Kosten entstehen,
- welche Meilensteine erreicht werden,
- warum das Ganze nicht nur eine besonders kreative Idee für einen Steuertrick ist.
Die Pläne würden anschließend vom ehrwürdigen Ministerium für Glühende Metalle und Strategische Schmelzkunst geprüft.
Dort sitzen, so munkelt man, Beamte, die selbst beim Frühstück Produktionsprognosen berechnen.
Kontrolle bis zur letzten Aluminiumschraube
Natürlich blieb Trumpius Caesar seiner Linie treu.
Vertrauen sei gut.
Kontrolle sei besser.
Und umfangreiche Kontrollen mit dicken Aktenordnern seien geradezu kaiserlich.
Unternehmen müssen künftig regelmäßig Berichte abliefern.
Prüfer dürfen alles kontrollieren.
Externe Rechnungsprüfer dürfen ebenfalls erscheinen.
Und wer falsche Angaben macht, verliert sämtliche Zollvorteile.
Rückwirkend.
Mit Strafzahlungen.
Mit zusätzlichen Zöllen.
Und vermutlich mit einem äußerst unangenehmen Besuch der kaiserlichen Steuerlegion.
Der Hof nannte dieses Verfahren liebevoll:
"Operation Ehrliches Aluminium."
Aluminium als Staatsphilosophie
Hofphilosoph Kontextia Relativissima erklärte anschließend, Aluminium sei inzwischen weit mehr als nur ein Metall.
Es symbolisiere Stärke.
Unabhängigkeit.
Industrie.
Arbeitsplätze.
Und selbstverständlich nationale Größe.
Ein Senator fragte vorsichtig:
"Was wäre denn mit Titan?"
Kontextia blickte ihn nur schweigend an.
Der Senator entschuldigte sich sofort und versprach, künftig ausschließlich über Aluminium nachzudenken.
Die Schmiede jubeln – die Händler rechnen
Im gesamten Imperium herrschte anschließend geschäftiges Treiben.
Bauunternehmen zeichneten bereits neue Schmelzwerke auf Wachstafeln.
Ingenieure entwarfen gigantische Hochöfen.
Händler rechneten hektisch aus, ob sich der halbe Zoll tatsächlich lohnt.
Bürokraten entwarfen gleichzeitig Formulare, mit denen man bestätigen konnte, dass man das Formular zur Beantragung weiterer Formulare ordnungsgemäß erhalten hatte.
Die Pergamentindustrie verzeichnete Rekordumsätze.
Das große Finale
Zum Abschluss trat Trumpius Caesar noch einmal vor sein jubelndes Volk.
Hinter ihm glänzte eine riesige Aluminiumplatte, auf der sich die Abendsonne spiegelte.
Er hob den Zollhammer gen Himmel.
"Sie sagen, Aluminium sei leicht. Aber unser Wille ist schwerer."
Die Legionäre jubelten.
Die Schmiede jubelten.
Die Zollbeamten jubelten vermutlich am lautesten.
Und irgendwo in einer abgelegenen Provinz begann bereits der Bau einer neuen Schmelze – begleitet von drei Gutachtern, vier Auditoren und mindestens zwölf Formularen.
Denn im Reich des Trumpius Caesar gilt eine einfache Regel:
Nicht jedes Metall macht ein Imperium groß.
Aber wenn Trumpius Caesar ein Dekret darüber erlässt, bekommt selbst eine Aluminiumdose plötzlich den Rang einer Staatsangelegenheit.
So wurde aus einem Zollprogramm eine kaiserliche Heldensage über Schmelzöfen, Produktionskapazitäten und den unerschütterlichen Glauben, dass ein wirklich mächtiges Imperium niemals am Aluminium sparen darf.

