Es gibt Kriege um Gold. Es gibt Kriege um Öl. Es gibt sogar Kriege um Bananen. Doch nur ein wahrhaft majestätischer Herrscher schafft es, einen imperialen Feldzug um... Küchenarbeitsplatten zu beginnen.
So erhob sich Trumpius Caesar Magnus Maximus, Bezwinger der Defizite, Herr des Goldenen Kammes und ewiger Imperator des Handels, vor den ehrwürdigen Säulen des Kapitols und sprach mit donnernder Stimme:
"Das Reich wird nicht länger von fremden Steinplatten überrollt werden!"
Der Senat verstummte.
Die Adler schwiegen.
Selbst die Marmorfliesen schienen kurz nervös zu werden.
Denn die große Untersuchung des ehrwürdigen Orakels der Handelskommission hatte ergeben, dass gewaltige Mengen glänzender Quarzplatten in das Imperium strömten und den heimischen Steinmetzen das Leben schwer machten. Ganze Legionen amerikanischer Produzenten blickten angeblich sorgenvoll auf Container voller perfekt polierter Arbeitsplatten, die täglich an den Küsten des Reiches eintrafen.
Trumpius Caesar nickte bedeutungsschwer.
"Das ist keine gewöhnliche Invasion", erklärte er. "Das ist eine Stein-Offensive."
Daraufhin begann eines der kompliziertesten Werke römischer Verwaltungskunst seit der Erfindung des Formulars CCLXIV-B.
Nicht etwa ein einfaches Verbot.
Nein.
Das wäre viel zu langweilig gewesen.
Stattdessen erschufen die kaiserlichen Beamten eine monumentale Konstruktion aus Zollquoten, Ausnahmeregelungen, Handelsabkommen, Sonderlisten, Fußnoten und Anhängen, die vermutlich selbst den legendären Labyrinth-Architekten Daedalix Bureaucraticus zur Verzweiflung gebracht hätte.
Die Grundidee war erstaunlich einfach:
Bis zu einer bestimmten Menge dürfen Quarzplatten ins Reich.
Danach wird's teuer.
Doch natürlich wäre Trumpius Caesar nicht Trumpius Caesar, wenn nicht gleichzeitig eine ganze Parade von Ausnahmen folgen würde.
Kanadia? Kommt rein.
Mexicana? Ebenfalls.
Australicus? Bitte sehr.
Peruvia? Kein Problem.
Panamia? Natürlich.
Singaporia? Willkommen.
Columbiania? Ebenfalls.
Israelia? Bleibt.
Koreania? Auch.
Die Staaten der großen CAFTA-Legion? Ebenfalls eingeladen.
Jordania? Ach, ausnahmsweise auch.
Zwischendurch fragte ein verwirrter Senator:
"Majestät... gegen wen kämpfen wir denn eigentlich?"
Trumpius Caesar antwortete mit majestätischer Gelassenheit:
"Das finden wir später heraus."
Im gesamten Imperium entstanden sofort hitzige Debatten.
Steinmetze jubelten.
Importhändler rechneten.
Juristen bestellten neuen Kaffee.
Zollbeamte begannen vorsorglich Urlaub zu streichen.
Besonders begeistert war das ehrwürdige Ministerium für Tabellenkalkulationen. Dort entstanden innerhalb weniger Stunden Diagramme, deren Pfeile, Kästchen und Fußnoten eine Komplexität erreichten, die bislang nur von Sternenkarten oder IKEA-Bauanleitungen bekannt war.
Der kaiserliche Handelsgesandte Mercator Tarifus Maximus erhielt gleichzeitig außergewöhnliche Vollmachten.
Sollte irgendwo plötzlich zu viel Quarz auftauchen...
dürfe er handeln.
Sollte irgendein Land versuchen, die Regeln zu umgehen...
dürfe er handeln.
Sollten Importe plötzlich explodieren...
dürfe er handeln.
Sollten Handelsabkommen geschlossen werden...
dürfe er handeln.
Sollten Handelsabkommen nicht funktionieren...
dürfe er wieder handeln.
Man munkelte bereits, dass er demnächst auch persönlich jede einzelne Küchenplatte begrüßen müsse.
Besonders beeindruckend war jedoch die mathematische Eleganz des Erlasses.
Entwicklungsländer blieben zunächst verschont.
Aber nur solange ihr Anteil unter drei Prozent lag.
Oder gemeinsam unter neun Prozent.
Oder bis jemand nachrechnete.
Oder bis jemand feststellte, dass doch mehr Quarz angekommen war.
Oder bis der Handelsgesandte eine neue Liste veröffentlichte.
Oder bis eine andere Liste geändert wurde.
Oder bis der Anhang des Anhangs angepasst wurde.
Selbst die kaiserlichen Buchhalter entwickelten nach dem Lesen leichte Schwindelgefühle.
Währenddessen verkündete Trumpius Caesar voller Stolz:
"Diese Maßnahme wird unserem Reich mehr Nutzen bringen als Kosten verursachen."
Niemand wagte zu fragen, wie genau man den gesellschaftlichen Nutzen einer Küchenarbeitsplatte berechnet.
Im Forum Romanum diskutierten Bürger bereits leidenschaftlich.
"Steigen jetzt die Preise?"
"Vielleicht."
"Sinken sie?"
"Vielleicht auch."
"Gibt es weniger Quarz?"
"Kommt darauf an, aus welchem Land."
"Und wenn das Land auf einer anderen Liste steht?"
"Dann gilt möglicherweise eine andere Ausnahme."
"Und wenn sich die Liste ändert?"
"Dann brauchst du den neuesten Anhang."
Spätestens an diesem Punkt verließ der erste Bürger freiwillig das Gespräch.
Doch Trumpius Caesar blieb unerschütterlich.
Wie ein Feldherr überblickte er Karten, Tabellen, Zollcodes und Handelsverträge, als würde er persönlich Legionen aus Granit in die Schlacht führen.
Nicht gegen Menschen.
Nicht gegen Armeen.
Sondern gegen hochglanzpolierte Küchenarbeitsplatten.
Und so endet diese monumentale Episode der imperialen Handelsgeschichte mit einer Erkenntnis, die nur im Reich des Trumpius Caesar möglich erscheint:
Man kann einen gewaltigen Feldzug gegen Quarz beginnen…
gleichzeitig mehr als ein Dutzend Länder ausnehmen…
unzählige Fußnoten schreiben…
mehrere Handelsabkommen gleichzeitig berücksichtigen…
und dennoch den Eindruck vermitteln, dass die größte Herausforderung des Weltreiches ausgerechnet zwischen Spüle und Cerankochfeld entschieden wird.
So bleibt nur festzustellen:
Alle Wege führen nach Rom.
Aber künftig vielleicht nicht mehr jede Arbeitsplatte.

